Pyro-Show
Das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion erregt die Gemüter. Foto: Thomas Eisenhuth

Das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion erregt die Gemüter. Foto: Thomas Eisenhuth

dpa

Das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion erregt die Gemüter. Foto: Thomas Eisenhuth

Frankfurt/Main (dpa) - Pyrotechnik und kein Ende: Die Vorfälle beim Bundesliga-Spiel Leverkusen gegen Frankfurt am Wochenende haben die Sicherheitsdiskussion im deutschen Fußball wieder angeheizt.

Die Pyro-Fans, die die Gesundheit anderer Zuschauer gefährden und ihren Vereinen immer wieder Strafen bescheren, sind dem normalen Zuschauer mitunter ein Rätsel.

Wer ist für Pyrotechnik beim Fußball?

Es gibt immer noch die Kampagne «Pryotechnik legalisieren». Diese Ultras setzen sich für ein kontrolliertes Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Stadien ein und begründen dies so: «Wir wollen Bengalische Feuer, Rauchtöpfe, etc. beim Einlaufen der Mannschaften, nach dem Tor, bei besonderen Gesängen und als Choreos.» Es gehe um eine lebendige und fröhliche Pyrotechnik, die eine einzigartige Atmosphäre schaffe. Die Anhänger argumentieren damit, dass auch bei anderen Großveranstaltungen wie Konzerten und zum Beispiel bei Meisterehrungen im Fußball Feuerwerke gezündet werden.

Warum lassen die Fans trotz Verbot nicht davon ab, bis zu 2000 Grad heiße Fackeln in Stadien abzubrennen?

Es geht um ein langjähriges Machtspiel zwischen der Hardcore-Fanszene und den Verbänden und Vereinen.

Was ist der Hintergrund für diese endlose Debatte auf Fanseite?

2011 sprachen beide Verbände mit Vertretern von 150 Ultra-Gruppierungen über das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik. Die Fanseite sagt, damals hätten die Verbände zugesagt, dass sie ihre Vorschläge wohlwollend prüfen wollten - wenn sie wiederum in den Stadien einige Zeit auf Bengalos verzichten. DFB und DFL brachen den Versuch aber ab.

Wo liegt die Schuld für die misslungene Einigung?

Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger schreibt in seiner Biografie: «Das DFB-Präsidium und Ligapräsident Reinhard Rauball haben immer die klare Position vertreten, es ist rechtlich nicht möglich, bengalische Feuer, Böller und Raketen im Stadion zu legalisieren, ohne Gesetze zu brechen.» Trotzdem hätten Helmut Spahn, der damalige DFB-Sicherheitsbeauftragte, und der frühere DFB-Geschäftsführer Holger Hieronymus versprochen, diesen Antrag der Fans zeitnah zu bearbeiten. Es habe wolkige Vorstellungen von abgegrenzten Bereichen im Stadion gegeben, in denen Pyrotechniker ihr Feuerwerk abbrennen könnten. «Diese Sache ist leider aus dem Ruder gelaufen», räumte Zwanziger ein, «woran die Hauptamtlichen Schuld waren.» Selbst DFL-Chef Christian Seifert sagt heute, dass sich DFB und DFL damals «extrem unglücklich angestellt» hätten.

Wie ist die Meinung der Deutschen Fußball Liga und des Deutschen Fußball-Bundes heute?

DFB und DFL lehnen Pyrotechnik in Stadien rigoros ab - und haben dies auch in der Diskussion um das Sicherheitskonzept immer und immer wieder betont: Dieser Punkt sei nicht verhandelbar.

Warum wollen DFB und DFL dies nicht?

Unabhängig von der gesundheitlichen Gefahr für Stadionbesucher weisen DFL und DFB darauf hin, dass kein Veranstalter bei Bundesliga-Spielen die Haftung übernehmen würde. Bei Polizei und Zuschauern noch mehr gefürchtet als Bengalos sind die Knallkörper, die zu dauerhaftem Hörschaden führen können.»

Warum werden die Täter oft nicht geschnappt?

Die Randalierer sind oft vermummt im Stehplatzbereich mit Kapuzen, Schals und Tüchern. Manchmal tauschen sie auch ihre Kleidung, der Rauch verhüllt zudem die Sicht auf sie. Die Polizei muss mit Hilfe von Videoaufnahmen in mühsamer Kleinarbeit nach den Tätern fahnden. Zudem solidarisieren sich immer noch viele Fans mit ihren zündelnden Kollegen - statt sie zu isolieren oder gar anzuzeigen.

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