Schalke-Coach Felix Magath muss sich der Kritik stellen.
Schalke-Coach Felix Magath muss sich der Kritik stellen.

Schalke-Coach Felix Magath muss sich der Kritik stellen.

dpa

Schalke-Coach Felix Magath muss sich der Kritik stellen.

Gelsenkirchen (dpa) - Beim FC Schalke 04 wächst der Widerstand gegen die Allmacht von Felix Magath. Einen Tag nach der Kritik von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies an dem Fußball-Lehrer brachten Fan-Vertreter ihren Unmut zum Ausdruck und kündigten in einem Offenen Brief stärkeren Widerstand an.

In einem Treffen der Bezirksleiter und des Aufsichtsrats des Schalker Fan-Clubs sei beschlossen worden, «den sportlichen und wirtschaftlichen Kurs des FC Schalke 04 in der momentanen Form nicht mehr kritiklos mitzutragen».

Das an den Aufsichtsrat des Bundesligisten adressierte Schreiben endete mit einem Appell: «Gebt uns unseren Verein wieder, bevor er zu einem seelenlosen 'Allerweltsverein' verkommt! Verkauft nicht die Seele des Vereins!»

Nach dem schwachen Auftritt im Revierderby gegen Borussia Dortmund, bei dem die Schalker nur mit viel Glück zu einem 0:0 kamen, und den fragwürdigen Winter-Transfers scheint die Geduld der Fan-Vertreter aufgebraucht. Ohne den Namen Magath ein einziges Mal zu erwähnen, wurde der Aufsichtsrat indirekt zu einer stärkeren Einflussnahme auf die Vereinspolitik aufgefordert.

«Im Rahmen der JHV 2010 ist die vollständige 'Alleinherrschaft' durch Beschluss des obersten Vereinsorgans, nämlich der Mitgliederversammlung, abgelehnt worden. Daraus ergibt sich als klarer Auftrag, dass Entscheidungen nicht von einer Person alleine getroffen werden können, sondern der Aufsichtsrat seine Rolle als Kontrollorgan ausüben muss. Haben sich die Aufsichtsräte vom Vorliegen eines Konzeptes überzeugt? In welcher Form ist dies in den letzten eineinhalb Jahren geschehen?»

Damit nahmen die Anhänger des Revierclubs Bezug auf einen Beschluss der vorigen Jahreshauptversammlung, wonach über 300 000 Euro teure Transfers entgegen dem Wunsch von Magath weiterhin vom Aufsichtsrat genehmigt werden müssen. Wegen der Verpflichtungen der zuvor arbeitslosen Profis Ali Karimi und Angelos Charisteas Ende Januar war der Trainer schon in diversen Internetforen für seine Einkaufspolitik gescholten worden. Dieser Kritik schlossen sich die Fanverbände an: «Es erschließt sich Außenstehenden und somit auch den Fans nicht, warum bei einer erfolgreichen Mannschaft durch ständige Zu- und Abgänge immer wieder Veränderungen herbeigeführt wurden.»

Aus Sorge um die wachsende Kluft zwischen Vereinsspitze und Basis wurde ein stärkerer vereinsinterner Dialog gefordert: «Will man auf die Seele des Vereins verzichten und setzt dauerhaft auf Kunden und Zuschauer? Die Fans verstehen sich nach wie vor als Teil eines Kumpel- und Malocherclubs mit über 100-jähriger Tradition! Sie wollen ernst genommen und nicht ausgenommen werden! Hierzu erwarten wir eine klare Positionierung des Aufsichtsrates!»

Nicht nur bei den Fans wird die Vorgehensweise von Trainer und Vorstandsmitglied Magath mittlerweile hinterfragt. «Auf Schalke muss man die Fans mitnehmen. Das hat Felix versäumt. Somit ist er selbstverschuldet in die Kritik gekommen», hatte Clemens Tönnies moniert. «Da hat er einen großen Fehler gemacht», wiederholte der Aufsichtsratschef seine Kritik in der «Bild»-Zeitung.

Angesichts des wachsenden Unmuts hatte Magath am Wochenende in zahlreichen TV-Interviews um mehr Verständnis für seine Politik geworben. «Ich will nicht der FC Schalke sein und will zusammen mit den anderen und vor allem den Fans diesen Verein nach vorne bringen. Aber wenn wir nur mit uns beschäftigt sind, werden wir gegen die Borussia oder andere Vereine keine Chance haben.» Darüber hinaus übte er auch Selbstkritik: «Es war ein Fehler von mir, dass ich das vernachlässigt habe. Ich weiß, dass es auf Schalke ohne die Fans nicht geht.»

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