In München glaubt man noch an eine sportliche Zukunft mit Breno. Foto: Andreas Gebert
In München glaubt man noch an eine sportliche Zukunft mit Breno. Foto: Andreas Gebert

In München glaubt man noch an eine sportliche Zukunft mit Breno. Foto: Andreas Gebert

dpa

In München glaubt man noch an eine sportliche Zukunft mit Breno. Foto: Andreas Gebert

München (dpa) - Wenn der Flieger mit dem FC Bayern an diesem Montag nach Katar abhebt, will auch Breno in ein gutes neues Jahr als Fußball-Profi starten. Zwar droht dem Brasilianer wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung 2012 weiter Ungemach.

Aber sportlich soll der einwöchige Aufenthalt in Doha für den 22-Jährigen ein wichtiger Schritt zurück werden. «Das wird Breno riesig helfen, das ist das Beste für ihn», hatte Trainer Jupp Heynckes vor den Weihnachtsferien. erklärt. Die Teilnahme am Trainingslager sei auch für Brenos Psyche «wichtig», betonte der 66 Jahre alte Fußballlehrer.

Kurz vor Weihnachten hatte die 12. Strafkammer des Landgerichts München die Meldeauflagen für den jungen Brasilianer dahingehend abgeändert, dass der Abwehrspieler in das Golf-Emirat mitreisen darf. Ermittelt wird jedoch weiter gegen Breno Vinicius Borges. Im vergangenen September soll der zuletzt im April 2011 bei den Bayern eingesetzte Profi eine von ihm angemietete Villa im Münchner Vorort Grünwald vorsätzlich in Brand gesetzt und einen Millionenschaden verursacht haben. Breno, der später psychiatrische Hilfe in Anspruch nahm, saß danach knapp zwei Wochen in Untersuchungshaft.

Wie groß das Ausmaß seiner Probleme gewesen sein muss, ließen erst einige Aussagen nach dem verheerenden Feuer erahnen. Präsident Uli Hoeneß nahm damals das Wort «depressiv» in den Mund. Brenos Anwalt Werner Leitner sprach von einer «schwierigen persönlichen Situation». Der Verdächtige selbst schwieg. Ihm und seiner Familie besorgte der Verein ein Haus und gab ihm Hilfestellung.

Zumindest auf dem Trainingsplatz zeigte sich Breno Monate nach dem Brand von einer guten Seite. «Er ist motiviert, er lacht. Er ist auf dem Wege, ein anderer Mensch zu werden, positiv. Er arbeitet sehr viel, trainiert sehr viel», schilderte Heynckes im Dezember seine Eindrücke. Er sah den Innenverteidiger «körperlich in wesentlich besserer Verfassung».

Noch haben die Bayern die Hoffnung nicht aufgegeben, dass der im Winter 2008 für 12 Millionen Euro vom FC Sao Paulo verpflichtete Brasilianer sportlich den Durchbruch schafft. «Ich habe ein positives Gefühl, dass ab Januar die Zeit von Breno beginnt», sagte Sportdirektor Christian Nerlinger zum Ende der Hinrunde.

Katar soll für Breno ein Neustart sein. Am Persischen Golf werden die Grundlagen für die Rückrunde gelegt, in der die Bayern nach drei Titeln streben, allen voran der 23. Meisterschaft. In den Testspielen gegen Al Ahly Cairo am 7. Januar in Doha sowie gegen die indische Nationalmannschaft am 10. Januar in Delhi kann sich Breno zeigen, nachdem er in der gesamte Vorrunde nicht eine Partie absolvieren konnte. «Er braucht Freundschaftsspiele, den Wettkampf, um zu sehen, wo er steht», betonte Heynckes: «Es hat keinen Sinn, ihn früher einzusetzen, wenn man nicht genau weiß, wie leistungsfähig er ist.»

Im jungen Alter von 18 Jahren war Breno mit großen Hoffnungen und Vorschusslorbeeren nach München gekommen. Zwölf Millionen waren ein stolzer Preis, bezahlt gemacht hat er sich bis heute nicht. Das fremde Land im Winter, unzureichende Deutsch-Kenntnisse und auch der Fitness-Rückstand erschwerten Breno den Start in der neuen Heimat.

Hinzu kam Verletzungspech: Als Breno in der halbjährigen Leihzeit beim 1. FC Nürnberg Anfang 2010 seine besten Spiele zeigte, erlitt er bei einem bösen Foul des Leverkuseners Stefan Reinartz einen Kreuzbandriss im Knie. Der erste von insgesamt vier operativen Eingriffen war nötig. Jung genug für eine erfolgreiche Karriere als Fußball-Profi ist Breno mit 22 Jahren immer noch, aber dazu muss er im neuen Jahr auch die Altlasten des Jahres 2011 hinter sich lassen.

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