Beim VfL Wolfsburg fühlt sich Diego inzwischen richtig wohl. Foto: Soeren Stache
Beim VfL Wolfsburg fühlt sich Diego inzwischen richtig wohl. Foto: Soeren Stache

Beim VfL Wolfsburg fühlt sich Diego inzwischen richtig wohl. Foto: Soeren Stache

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Beim VfL Wolfsburg fühlt sich Diego inzwischen richtig wohl. Foto: Soeren Stache

Belek/Türkei (dpa) - Für den kurzen Weg vom Fußballplatz in die Kabine brauchte Diego manchmal etwas länger im Trainingslager des VfL Wolfsburg in der Türkei. Auch nach dem Testspiel gegen Standard Lüttich (3:1) wurde er in Belek von türkischen Fans und Journalisten umringt.

Diego sollte Autogramme geben, für ein paar Fotos posieren und vor allem die Frage aller Fragen beantworten: «Kommst du bald zu Fenerbahce? Oder zu Galatasaray?» Zur großen Enttäuschung der türkischen Fans sind die Zeiten allerdings vorbei, in denen der Brasilianer und vor allem der VfL Wolfsburg dazu liebend gern «Ja» gesagt hätten. Der eigenwillige Spielmacher ist vielleicht der größte Profiteur jenes Umbruchs, der in Wolfsburg zunächst seinen großen alten Förderer Klaus Allofs zum Sportchef und danach Dieter Hecking zum Trainer gemacht hat.

«Ich genieße die Zeit hier beim VfL, fühle mich richtig wohl in diesem Club und habe noch einiges vor», sagt Diego dem «Kicker». Stand die Nummer 10 des Clubs unter Felix Magath noch ständig zum Verkauf, soll er nun wirklich der Fixpunkt seiner Mannschaft sein. Schon Magath rief ihn vor der Saison als solchen aus, als er ihn aus der Verbannung bei Atlético Madrid zurückholte.

Doch so richtig begann der Wandel erst nach Magaths Beurlaubung im Herbst unter Interimscoach Lorenz-Günther Köstner. Noch einschneidender war für den 27 Jahre alten Diego, dass VW seinen Club im November genau jenem Mann anvertraute, der den Brasilianer einst zu Werder Bremen in die Bundesliga holte. «Es eine große Freude für mich, wieder mit ihm zusammenarbeiten zu können», sagt Diego über Allofs. Seitdem wiederholt sich für ihn ein kleines Stück Geschichte.

Vor sechs Jahren steckte Diegos Karriere schon einmal in einer Sackgasse. Er saß beim FC Porto nur auf der Tribüne. Allofs holte ihn nach Bremen und gab ihm eine neue Chance.

Eins zu eins zu vergleichen ist seine aktuelle Situation damit sicher nicht. Dafür hat Diego selbst zu viel beigetragen zu all den Problemen, die er lange Zeit in Wolfsburg besaß. 2011 flüchtete er mitten im Abstiegskampf aus dem Mannschaftshotel und danach ins Exil zu Atlético. Und doch gibt ihm Allofs überall genau das Vertrauen, das er bei anderen so häufig vermisst. «Ich weiß aus meiner Bremer Zeit genau, wie professionell Diego ist», erklärt er. «Für ihn ist es gut, dass er jetzt weiß, wo er hingehört: Beim VfL Wolfsburg hat er einen Vertrag, hier wird er gefördert, hier wird seine Art und Weise, wie er spielt, jetzt gewürdigt.»

Dieter Hecking kann das bestätigen. Der neue Trainer kannte Diego nur als gegnerischen Spieler. In Belek erzählte er über seine ersten Erfahrungen: «Bei ihm fragt man sich von außen ja auch, wie er sich so gibt. Aber wenn ich sehe, wie er im Training arbeitet, verlorenen Bällen hinterhergeht und sogar grätscht, dann macht mich das sehr zuversichtlich.»

Und so hat Diego auf einmal wieder Ziele vor Augen, die ihm noch vor wenigen Monaten niemand ernsthaft abgenommen hätte. Eine Vertragsverlängerung beim VfL über das Jahr 2014 hinaus zum Beispiel («Es ist auf jeden Fall möglich, ich arbeite darauf hin»). Und vor allem die Nationalmannschaft und die WM im eigenen Land.

«Ich will dort spielen und glaube nach wie vor daran», verriet Diego dem «Kicker». Und den Wolfsburgern ist das nur recht. Ihr wichtigster Spieler hat wieder einen starken Antrieb, eine große Motivation. «Ich bin mir sicher, dass Diego in Zukunft noch viel Gutes für uns tun wird», meinte Allofs.

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