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Die neuen Aufsichtsrat-Mitglieder des HSV: Manfred Ertel und Jürgen Hunke.

Die neuen Aufsichtsrat-Mitglieder des HSV: Manfred Ertel und Jürgen Hunke.

dpa

Die neuen Aufsichtsrat-Mitglieder des HSV: Manfred Ertel und Jürgen Hunke.

Hamburg (dpa) - Dem HSV-Vorsitzenden Bernd Hoffmann bläst künftig ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Im Aufsichtsrat des Fußball- Bundesligisten Hamburger SV sitzen neuerdings mehr Kritiker des Clubchefs.

Bei der turnusmäßigen Wahl von vier der zwölf Mitglieder erhielten bei der Jahreshauptversammlung der Journalist Manfred Ertel, Ex-Präsident Jürgen Hunke, Schauspieler Marek Erhardt und der Volkswirt Hans-Ulrich Klüver die Zustimmung. Insbesondere Ertel und Hunke gelten als Gegenspieler des Vorsitzenden.

2813 Mitglieder waren im Congress Centrum Hamburg (CCH) anwesend, 2565 wahlberechtigt. Knapp neun Stunden währte die Aussprache mit Wahlgang. Danach wurde die Versammlung fortgesetzt.

In der Wahl steckte Brisanz, weil das Kontrollgremium im Frühjahr über die Verlängerung der Verträge von Hoffmann und dessen Stellvertreterin Katja Kraus zum Jahresende befinden muss. Hoffmann, der dem Verein seit Februar 2003 vorsteht, sah sich im Vorfeld der Mitgliederversammlung massiver Kritik ausgesetzt. Auf den 47- Jährigen, in dessen Amtszeit bereits acht Trainer den dienstältesten Bundesligisten betreuten, konzentrierte sich der Unmut über die mangelhafte sportliche Ausbeute in der laufenden Saison. Der HSV nimmt nach der Hinserie mit 24 Punkten lediglich Platz neun ein und liegt damit deutlich hinter seinen Ansprüchen zurück.

Mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation und falsche sportliche Weichenstellung lauteten die wichtigsten Kritikpunkte. Als eine «Liste des Versagens und der Peinlichkeiten» bezeichnete der mit den meisten Stimmen gewählte Ertel von der einflussreichen Vereinsabteilung Supporters die Bilanz der Club-Führung.

Der Aufsichtsrat bewertete die bisherige Saison als «überhaupt nicht zufriedenstellend». «Wir brauchen dringend die sportliche Wende», bekannte der Hamburger Unternehmer Alexander Otto in Vertretung des Aufsichtsratsvorsitzenden Horst Becker, der nach einem Glatteissturz operiert werden musste und deshalb fehlte.

Otto hob die wirtschaftliche Bilanz des Vereins hervor, der über ein Eigenkapital von 27 Millionen Euro verfüge, davon seien 20 Millionen liquide. Dennoch klagte er: «Es ist alles andere als einfach, den fünftteuersten Kader der Liga zu finanzieren, wenn man nicht international spielt.» Als Fehler bezeichnete der Unternehmer permanente Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat und die einjährige peinliche Suche nach einem Nachfolger von Sportchef Dietmar Beiersdorfer. Zwar weist die Konzern-Bilanz einen Gewinn von 500 000 Euro aus. Im nächsten Geschäftsjahr droht jedoch ein Verlust.

Erhebliche Kritik gab es am Investorenmodell des HSV. Der Hamburger Milliardär Klaus-Michael Kühne hatte dem Verein im Sommer 12,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und sich damit anteilige Transferrechte an den deutschen Nationalspielern Marcell Jansen, Dennis Aogo und Heiko Westermann sowie an Paolo Guerrero und U-21- Auswahlspieler Dennis Diekmeier gesichert. Bei Transfers erhält Kühne ein Drittel der Erlöse je Spieler. «Der Kühne-Deal ist eine Missachtung und Provokation der Mitglieder», sagte der neue Aufsichtsrat Ertel.

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