Bastian Reinhardt bleibt Sportchef beim Hamburger SV.
Bastian Reinhardt bleibt Sportchef beim Hamburger SV.

Bastian Reinhardt bleibt Sportchef beim Hamburger SV.

dpa

Bastian Reinhardt bleibt Sportchef beim Hamburger SV.

Hamburg (dpa) - Kaum war der Name Matthias Sammer als möglicher Sportchef beim Hamburger SV auf dem Markt, stand der große Verlierer fest: Bastian Reinhardt. Der Sportdirektor des hanseatischen Fußball-Bundesligisten musste sich wie ein Frühstücksdirektor vorkommen.

Dennoch gab sich Reinhardt nach dem Sieg über Eintracht Frankfurt trotzig und beharrte auf seinen Posten. «Er ist nicht gekommen und jetzt bin ich der alte und neue Sportchef. Und ich erwarte vom gesamten Verein natürlich die gesamte Rückendeckung», bekräftigte der 35-Jährige beim Pay-TV-Sender Sky. Zuletzt war über eine Degradierung des ehemaligen Profis spekuliert worden. «Das war sicherlich nicht leicht für mich und hat mich sicherlich auch nicht gefreut», sagte Reinhardt, der künftig kompromissloser auftreten will: «Da werden einige einen anderen Bastian Reinhardt erleben.»

Gerade sechs Monate im Amt, galt das Managerabenteuer bis wenige Stunden vor dem 1:0 gegen Frankfurt bereits als beendet. Nicht Unfähigkeit hat den 35-Jährigen stolpern lassen, sondern Unerfahrenheit. Und auch nach der überraschenden Absage des DFB-Sportdirektors wird man Reinhardt wohl kaum auf dem wichtigen Posten belassen können.

Erfahrung kann man nicht im Crash-Kurs erwerben. Das wussten auch Aufsichtsrat und Vorstand des HSV, als sie die einjährige Suche nach einem Nachfolger von Dietmar Beiersdorfer im Mai vergangenen Jahres mit einer Notlösung abwürgten, um die Peinlichkeiten nicht in eine Kapitulation münden zu lassen. Statt den einstigen HSV-Verteidiger als Sportchef-Lehrling wie einst Christian Nerlinger bei Bayern München behutsam aufzubauen, wurde Reinhardt ins eiskalte Wasser geworfen. Schwimmen lernte er so nicht.

«Wir lassen ihn nicht fallen. Er hat hervorragend gearbeitet», sagte der neue Aufsichtsratschef Ernst-Otto Rieckhoff. «Ich glaube daran und wünsche mir, dass Reinhardt an Bord bleibt.» Da ist wohl auch eine gehörige Portion schlechtes Gewissen dabei. Ein Gespräch mit dem Halbjahres-Sportchef gab es bereits, eine endgültige Klärung seiner Zukunft beim HSV jedoch nicht.

«Es gibt konstruktive Ansätze für eine gemeinsame Zusammenarbeit», sagte Aufsichtsrats-Vize Alexander Otto. Wie seine Perspektive aussehen könnte, darüber will sich der deprimierte Reinhardt noch nicht äußern.

Indem die HSV-Führung öffentlich pries, was Sammer alles kann, bemängelte sie indirekt, was Reinhardt alles nicht kann. Wer gerade noch in der Geschäftsstelle als Praktikant beschäftigt war und in «Basti Backstage» auf der Internet-Vereinsseite schrieb, kann nicht ad hoc die sportliche Konzeption der nächsten zehn Jahre wie auch gewünschte Transferkracher aus dem Hut zaubern.

Reinhardt, der Sportmanagement studiert und dessen Profi-Karriere nach zwei Fußbrüchen ein vorzeitiges Ende genommen hat, wusste, was die Glocke geschlagen hat. Erst wurde versucht, Ex-Manager Günter Netzer als sportlichen Berater ins Boot zu holen, dann geißelte Aufsichtsratsmitglied Peter Becker die Reinhardt-Inthronisation als Fehlentscheidung und meinte: «In den Vorstand gehört Kompetenz in exzellenter Form und kein Berufsstarter.» Als die sportlichen Erfolge schließlich Mangelware blieben, war der Versuch Reinhardt beendet.

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