Betroffen
VfL-Manager Klaus Allofs spricht nach dem Tod von Junior Malanda in Wolfsburg zu Journalisten. Foto: Peter Steffen

VfL-Manager Klaus Allofs spricht nach dem Tod von Junior Malanda in Wolfsburg zu Journalisten. Foto: Peter Steffen

dpa

VfL-Manager Klaus Allofs spricht nach dem Tod von Junior Malanda in Wolfsburg zu Journalisten. Foto: Peter Steffen

Berlin (dpa) - Die Ansage von Sir Alex Ferguson war klar und unmissverständlich. Als Manchester United 2012 mit dem Autobauer Chevrolet einen Werbe-Deal abschloss, erteilte der Starcoach seinen jungen Spielern kurzerhand ein Corvette-Verbot. Das Popstar-Image und der PS-Wahn seiner Jungstars waren Ferguson schon immer zuwider. Angesichts seiner Machtfülle bei der Weltmarke United konnte sich Ferguson derartige Maßnahmen erlauben. Der Handlungsspielraum der Clubs ist aber doch sehr begrenzt.
So weist Wolfsburgs Manager Klaus Allofs auch nach dem tragischen Unfalltod von Junior Malanda jegliche Kritik zurück. Zuvor hatte dessen Berater Peter Smeets Vorwürfe gegen den VfL erhoben. «Das Problem liegt vor allem bei den Vereinen. Sie schauen weg oder wagen es nicht, streng zu sein, aus Angst, dass ihr Spitzentalent sich etwas anderes sucht.» Der Spieleragent untermauerte seine These: Der Wagen des erst 20 Jahre alten Belgiers sei in dem halben Jahr vor dem Unfall am vergangenen Samstag zehnmal mit einer Geschwindigkeit von mehr als 200 Stundenkilometern geblitzt worden - dabei habe der Profi «fast nie» am Steuer gesessen. Allofs verweist indes darauf, dass der Verein die Spieler mit einem der sichersten Autos ausgestattet habe. Zuletzt sorgten junge Fußballer immer wieder für Schlagzeilen. Der eine fährt jahrelang ohne Führerschein mit dem Auto, der andere ist mit einem Luxus-Mercedes unterwegs - und mit dem baut er gleich einen Unfall. Sind die Vereine bei derartigen Fällen in der Mitverantwortung? Der Oldenburger Sportsoziologe Thomas Alkemeyer hält die Vorwürfe vom Malanda-Manager für wenig plausibel. «Ich glaube nicht, dass das ein Sanktionsproblem ist», sagt der Experte. «Das ist - wenn überhaupt - ein Problem mangelnder Sensibilität und Aufmerksamkeit für die Lage, in die gerade junge Spieler hineingeraten.» Das Fußballgeschäft sei für die jungen Talente eine «Parallelwelt», die sie zu Werbehelden und Popstars stilisiere. Schnelle Sportwagen in der Garage, riesige Summen auf dem Konto und jede Menge falsche Freunde im Gepäck: «Natürlich birgt das die Gefahr, dass sie abheben», meint der Sportsoziologe. Abgehoben - so wirkt es beispielsweise, wenn der 18 Jahre alte Donis Avdijaj vom FC Schalke 04 mit einem 564 PS starken Mercedes unterwegs ist. Der Führerschein-Neubesitzer wurde durch seine angebliche Ausstiegsklausel von 49 Millionen Euro im Vertrag berühmt. Das Luxusauto leistete sich der Teenager Medienberichten zufolge von seinem ersten Profigehalt bei Schalke. Es dauerte nicht lange bis zum ersten Crash. Auch der Fall Marco Reus erlaubte jüngst einen Einblick in die Parallelwelt junger Fußballer. Mindestens vier Jahre fuhr der junge Superstar von Borussia Dortmund ohne Führerschein. «Natürlich wusste ich nicht, dass er keinen Führerschein hat. Ich bin davon ausgegangen, dass er wie jeder normale junge Mensch mit 18, 19 den Führerschein macht», sagte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl im ZDF-«Sportstudio». Eine Schuld beim Verein sah Eberl nicht. Reus spielte zwischen 2009 und 2012 bei Gladbach. Doch stehen Vereine nicht in der Pflicht, gerade ihre jungen Spieler vor solchen Fehltritten zu schützen? Soziologe Alkemeyer schreibt ihnen zumindest eine gewisse Haftung zu: «Die Verantwortung, die Spieler nicht die Bodenhaftung verlieren zu lassen. Sie nicht abheben zu lassen, sondern beratend und schützend tätig zu werden und vielleicht auch mal ein ernstes Wort mit ihnen zu reden.» Doch ganz könne man die Spieler nie vor Fehltritten schützen. Gregor Reiter, Chef der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV), will den Vereinen nicht die Schuld für die Fehltritte ihrer Spieler geben: «Gerade den Beratern wird ja immer wieder gerne vorgeworfen, sie würden ihre Klienten zu sehr behüten und ihnen zu viel abnehmen», berichtet Reiter. «Deshalb wäre es verfehlt, wenn wir diesen Schwarzen Peter nun an die Vereine weiterreichen.» Auf das Privatleben der Spieler würden weder Verein noch Berater Einfluss haben. «Berater sollten Hilfestellungen geben, doch Entscheidungen können die Spieler gerne auch selbst treffen.» Soziologe Alkemeyer findet strengere Kontrolle und Strafen für Spieler nicht immer sinnvoll. «Verbote und starke Kontrollen bewirken oftmals das Gegenteil», sagt der Experte. Dass Cristiano Ronaldo in seiner Zeit bei Manchester United einen Ferrari zerlegt hat, konnte Ferguson jedenfalls nicht verhindern.

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