Pressekonferenz
Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bei der Pressekonferenz.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bei der Pressekonferenz.

Schalkes Torhüter Manuel Neuer hat anscheinend Spaß beim Training.

Manuel Neuer (l) und Raúl während einer Übung.

Seppo Eichkorn nimmt die Zeit.

Der bisherige Co-Trainer Seppo Eichkorn (M) nimmt die Spieler gleich hart ran.

Seppo Eichkorn (M), Konditionstrainer Markus Zetlmeisl (l) und Torwarttrainer Bernd Dreher leiten das Training.

Das Kapitel Schalke 04 ist für Felix Magath trotz sportlicher Erfolge beendet.

dpa, Bild 1 von 7

Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies bei der Pressekonferenz.

Gelsenkirchen (dpa) - Die einstige Traumehe zwischen Felix Magath und dem FC Schalke 04 liegt endgültig in Trümmern, im millionenschweren Scheidungskrieg sind nun die Anwälte gefordert.

Während beide Parteien schon am Tag der Trennung öffentlich juristische Streitigkeiten austrugen, kristallisierte sich der mögliche Nachfolger für den Alleinherrscher Magath heraus.

«Es gab Gespräche», sagte Ralf Rangnick am Mittwochabend der Nachrichtenagentur dpa. Auf die Frage, wann eine Entscheidung über ein mögliches Engagement fallen werde, sagte der 52-Jährige: «Das weiß ich nicht.» Der zur Zeit vereinslose Taktik-Tüftler, von September 2004 bis Dezember 2005 schon einmal Trainer der Königsblauen, hat gute Chancen, Magaths Erbe anzutreten.

Denn nach dem gescheiterten Experiment mit dem umstrittenen Magath setzt Schalke auf Altbewährtes. Mit dem kolportierten Nachfolger Rangnick und Horst Heldt als neuem starken Mann will der Traditionsverein die zerrüttete Schalke-Familie neu ordnen und wieder einen. Magath, Trainer, Manager und Vorstandsmitglied in Personalunion, hat nach Angaben seines Anwalts von der Demission aus der Presse erfahren.

Magaths Abgang war um 10.48 Uhr beschlossene Sache, informiert war er offiziell nach Angaben seines Medienanwalts Ralf Höcker aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht. «Dass Schalke sich jetzt von Herrn Magath getrennt haben will, mussten wir leider über die Medien erfahren. Bei uns hat sich der Verein bisher nicht gemeldet. Wir warten gespannt auf die Begründung der Kündigung, die man uns bisher vorenthalten hat», sagte Höcker.

Am Nachmittag erklärte der Medienanwalt, dass Magath die Abberufung als Vorstand zum Anlass genommen habe, seinen Anstellungsvertrag mit sofortiger Wirkung zu kündigen. «Herr Magath hat dem Verein die Kündigung bereits schriftlich erklärt», sagte Höcker. In der Erklärung des Rechtsanwalts ließ Magath mitteilen: «Ich bedauere sehr, dass meine erfolgreiche Tätigkeit für Schalke 04 ein solch unschönes Ende nehmen musste». Magath soll dabei von einem sogenannten Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht haben.

Im juristischen Kleinkrieg, bei dem es auch um Abfindungen in Millionenhöhe geht, teilte Schalke wiederum später mit: «Wir haben unsere Erklärung, dass es sehr gute Gründe für unsere Kündigung gibt, mit Bedacht gewählt. Durch das heutige Verhalten von Felix Magath fühlen wir uns bestätigt und stellen fest, dass er keine Ansprüche mehr gegen den FC Schalke 04 hat.»

Die Trainingsleitung übernahm vorerst der bisherige Co-Trainer Seppo Eichkorn, der auch am Sonntag beim Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen in der Verantwortung steht.

Als der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 Magath am Mittwochmorgen wie erwartet den Stuhl vor die Tür stellte, war der große Zampano auf Tauchstation. «Aus Sicht des FC Schalke 04 gibt es sehr gute Gründe für diese Trennung. Wir werden diese in der Öffentlichkeit nicht kommunizieren, weil nun ein juristisches Verfahren bevorsteht. Wir sehen diesem Verfahren sehr gelassen entgegen», kommentierte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies die Kampf-Scheidung, die seinen Club zwischen zwölf und 20 Millionen Euro Abfindung kosten könnte. «Kaiser und Könige sind gestorben, aber beim FC Schalke wird immer noch Fußball gespielt», so der Fleischfabrikant weiter.

Die Management- und Vorstandsaufgaben von Magath übernehmen Horst Heldt (Vorstand Sport und Kommunikation) und Vorstandsmitglied Peter Peters (Finanzen, Organisation und Marketing). Zur Trainersuche sagte Tönnies: «Wir kehren zu dem in der Bundesliga bewährten Modell zurück, dass der Vorstand Sport über den Trainer entscheidet. Der Aufsichtsrat hat den Vorstand beauftragt, eine Toplösung zu finden.»

Bei der Aufsichtsratssitzung am Morgen war Magath entgegen seiner Ankündigung schon nicht mehr anwesend. Dies habe keinen Sinn ergeben, meinte sein Medienanwalt Höcker. Der Verein habe Magath nur eine unvollständige, stichwortartige Tagesordnung des Treffens geschickt. Magath wird unter anderem vorgeworfen, bei einigen Transfers mit einem Volumen von mehr als 300 000 Euro nicht die erforderliche Genehmigung des Aufsichtsrats eingeholt zu haben.

Tönnies betonte, dass die Entscheidung nicht aus sportlichen Gründen gefallen sei. «Es gab in den letzten Tagen ein Schlüsselerlebnis, das mich um 180 Grad hat drehen lassen. Wenn Felix Magath behauptet, dass der Verein jetzt wirtschaftlich besser dasteht als vor seiner Amtszeit, dann hat er wohl nicht ganz genau hingeguckt. Wir haben Revisionen gemacht und dabei Dinge nicht so vorgefunden, wie wir sie vorfinden müssen», sagte Tönnies.

Schalke hatte den 57 Jahren alten Fußball-Lehrer im Sommer 2009 verpflichtet, um den Club nach über 50 Jahren wieder zu einer deutschen Meisterschaft zu führen. Der als Trainer, Manager und Vorstandsmitglied engagierte Magath veränderte die Mannschaft radikal, kaufte und verkaufte zu hohen Preisen. Zumindest der Erfolg konnte sich sehen lassen: Platz zwei nach der ersten Saison und der damit verbundene Einzug in die Champions League. In dieser Spielzeit stehen die Schalker sogar als einziger deutscher Vertreter im Viertelfinale der Königsklasse. Dazu schaffte der Club den Einzug ins Pokalfinale gegen den Zweitligisten MSV Duisburg.

Die Fans waren hin- und hergerissen. Proteste gegen den Trainer und Zuspruch hielten sich die Waage. Bei den Spielern soll die Wertschätzung gegenüber Magath zuletzt nicht mehr allzu groß gewesen sein. Vor allem die Art der Kommunikation zwischen Trainer und Profis, aber auch zwischen Trainer und Vereinsangestellten wurde immer wieder angeprangert. Schalke-Profi Christoph Metzelder sagte nach der Trennung von Magath: «Die Demission eines Trainers ist für die Mannschaft immer eine gefühlte Niederlage.»

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