Am letzten Spieltag der vergangenen Saison machte der SC Freiburg den Klassenerhalt klar. Der ist auch diese Saison das Ziel – nur diesmal bitte schon früher.

Christian Streich
Christian Streich ist Freiburgs Kult-Trainer. Foto: Federico Gambarini

Christian Streich ist Freiburgs Kult-Trainer. Foto: Federico Gambarini

dpa

Christian Streich ist Freiburgs Kult-Trainer. Foto: Federico Gambarini

Freiburg. Mit dem Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und der TSG Hoffenheim beginnt am Freitag, 24. August, die 56. Saison der Fußball-Bundesliga. Wie gewohnt stellen wir in einer Serie alle 18 Vereine mit ihren Veränderungen, Zielen und Besonderheiten vor. Im vierten Teil beschäftigen wir uns mit dem SC Freiburg, der anders als in der vergangenen Saison, den Klassenerhalt frühzeitig unter Dach und Fach bringen möchte.

Was ist geblieben von der vergangenen Saison?

Erstens Erinnerungen an unglaubliche Nackenschläge, zweitens die Erkenntnis, so Sportdirektor Jochen Saier, „dass wir zu oft nicht den Fußball gezeigt haben, den Trainer und Mannschaft spielen wollten“. Das eine hatte mit dem anderen sehr wohl zu tun. Videobeweisärger mit einem unberechtigten Platzverweis für Söyüncü, einem Elfmeter in der Halbzeitpause in Mainz, dazu Theater um einen Platzverweis von Petersen auf Schalke, bei dem er die erste gelbe Karte nicht registriert hatte, schwere Verletzungen Im Breisgau bahnt sich neuer Offensivdrang an Serie Am letzten Spieltag der vergangenen Saison machte der SC Freiburg den Klassenerhalt klar. Der ist auch diese Saison das Ziel – nur diesmal bitte schon früher. von Leistungsträgern – Christian Streich und sein kickendes Personal wussten manches Mal nicht mehr, wie ihnen geschah. In der Summe führten zu viele Negativerlebnisse dazu, dass die Freiburger bis zum letzten Spieltag im Abstiegskampf kampf waren und so zweckmäßige über attraktive Spielweise stellten. „Aus der Not geboren“, sagt Saier. „Es kann ja nur besser werden“, sagt Mike Frantz.

Wie ist die Stimmung?

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Ausgesprochen gut, auch wenn es mit Caglar Söyüncü und Yoric Ravet zwei Verletzte zu beklagen gibt (beide Muskelfaserriss, Saisonstart unwahrscheinlich). Im Trainingslager in Schruns wurde hart trainiert und die Testspiele brachten beachtliche Ergebnisse, so etwa das 3:0 gegen Swansea City zum Abschluss des Österreich-Trips. Die Tore erzielten mit Tim Kleindienst, Neuzugang Luca Waldschmidt und Nils Petersen drei Angreifer, was eine zuvor schon gemachte Erkenntnis unterstrich: Der SC Freiburg dürfte wieder deutlich offensiver auftreten. Zumal auch Florian Niederlechner wieder zurück ist, der sich im Oktober 2017 im Training einen Kniescheibenbruch zugezogen hatte und seither schmerzlich vermisst worden war.

Muss Nils Petersen wieder auf die Bank?

Vor seiner Knieverletzung war Niederlechner die Nummer eins im Angriff und Petersen saß als Geheimwaffe auf der Bank. Das tat der Stürmer, der in Freiburg Kultstatus genießt, nicht nur klaglos, sondern auch höchst effektiv. „De Nils“, wie sie ihn im Südbadischen nennen, ist zum Rekordjoker geworden. Nach Niederlechners Ausfall musste Petersen von Anfang an ran, und wie er die neue Anforderung meisterte, nötigte höchsten Respekt ab. Die Kilometer, die der 29-Jährige abspulte, brachten selbst Trainer Streich zum Staunen. 15 von 31 Freiburger Toren erzielte Petersen und Streich diktierte den Reportern diesen Satz in die Blöcke: „Also, der Nils, wenn ich über seine Bedeutung für uns reden soll, so viel Handy-Akku haben sie gar nicht, um das aufzuzeichnen.“ Und jetzt? Muss Petersen in die Jokerrolle zurück? Stellt er als Nationalspieler, der er inzwischen ja auch ist, Ansprüche? „Letzte Saison habe ich mir Flo manchmal zurückgewünscht, weil er oft der Dosenöffner war“, sagt Petersen und ergänzt mit Blick auf die neuen Offensivmöglichkeiten: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Der Trainer hat natürlich Überlegungen angestellt, aber nach außen noch nichts anklingen lassen.

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So sieht Karrikaturist Christoph Härringer Christian Streich.

Dominique Heintz vom 1. FC Köln wollte unbedingt zum Sportclub. Der Verteidiger will „eine starke Saison spielen“ und schielt zur Nationalelf. „Der Nils hat gezeigt, dass das beim SC geht“, sagt Heintz, „warum sollte es nicht klappen?“ Jerôme Gondorf, der aus Bremen kam, kann mehrere Positionen im Mittelfeld übernehmen. Und Luca Waldschmidt vom Hamburger SV war schon seit Längerem Wunschkandidat des SCTrainerteams, der Wechsel von Nord nach Süd bietet dem jungen Mann eine echte Entwicklungsperspektive.

Wie sieht es finanziell aus?

Waldschmidt (Hamburger SV/5,0 Millionen Euro), Heintz (1. FC Köln/3,0), Gondorf (Werder Bremen/1,3), Lienhart (nach Leihe gekauft von Real Madrid/2,0), Flekken (MSV Duisburg/800 000), Borrello (1. FC Kaiserslautern/ablösefrei), Frommann, Schlotterbeck (eigene Junioren/SCF II).

Kempf (VfB Stuttgart/ ablösefrei), Ignjovski (1. FC Magdeburg/ 600 000), Gikiewicz (Union Berlin/150 000), Sierro (Leihe FC St. Gallen/100 000), Hufnagel (Unterhaching/ 100 000), Klandt (1. FC Nürnberg/ablösefrei), Niedermeier (Melbourne Victory/ablösefrei), Guédé (SV Sandhausen/ablösefrei), Kapustka (Leicester City/Leihende), Schuster (Karriereende).

Diese Frage beantwortet Sportclub-Geschäftsführer Oliver Leki lächelnd. „Gut“, sagt er und verweist mit Blick auf die Zusammenarbeit mit vielen Sponsoren: „Es existiert eine sehr starke Verwurzelung des Vereins.“ Im Kernmarkt, den Leki mit „200 Kilometer um Freiburg herum“ definiert, sei „aber schon noch Potenzial da“. Es ist eine Aufgabe, die dem Mann Freude macht, nicht zuletzt auch wegen des bereits spürbaren Interesses am neuen Stadion, in dem der SC ab Sommer 2020 kicken will. Die letzte politische Hürde im Gemeinderat wurde vor wenigen Tagen klar genommen.

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