Kölns Torwart Thomas Kessler jubelt über den Derbysieg.
Kölns Torwart Thomas Kessler jubelt über den Derbysieg.

Kölns Torwart Thomas Kessler jubelt über den Derbysieg.

Jonas Güttler

Kölns Torwart Thomas Kessler jubelt über den Derbysieg.

Mönchengladbach. Normalerweise gehört Thomas Kessler nach Spielen des 1. FC Köln nicht zu den gefragtesten Gesprächspartnern. Meist fristet der 30-Jährige das typische Ersatztorhüter-Dasein und huscht von den Reportern unbeachtet im Rücken seiner Kollegen in die Kabine. Da war es umso verständlicher, dass sich Kessler dieses Mal besonders viel Zeit nahm, all die Fragen zu beantworten. Noch auf dem Rasen gab er ein Fernseh-Interview, gefolgt von dem beim Kölner Vereins-TV, ehe er sich den schreibenden und Hörfunk-Journalisten widmete.

Es war ein besonderer Tag für den Mann, der wegen der Knieverletzung von Stammkeeper Timo Horn mal wieder auflaufen durfte. Und zwar „nicht am 34. Spieltag in Dortmund, wo es für beide um nichts mehr geht, sondern im Derby gegen Gladbach“, wie er stolz feststellte. Dass der FC bei der Borussia auch noch 2:1 gewann und seinen Platz in der Spitzengruppe der Bundesliga festigte, ließ Kessler grundsätzlich werden: „Es gibt nicht viele schönere Tage, die man als Kölner erleben kann.“ Nun sind solche Sätze aus dem Mund von Profifußballern immer mit Vorsicht zu genießen.

Kessler ist allerdings unverdächtig, sich bei den FC-Anhängern anbiedern zu wollen, gehört er doch zu einer aussterbenden Spezies im bezahlten Sport: Kessler ist gebürtiger Kölner und trug das FC-Trikot bereits in der Jugend.

Damals war ihm eine große Karriere prognostiziert worden. Von der U 16 bis zur U 18 spielte er gar für die Nationalmannschaft, doch der komplette Durchbruch im Profibereich glückte ihm nie. 2010 wurde er in die zweite Liga nach St. Pauli verliehen, ein Jahr später zur damals ebenfalls zweitklassigen Eintracht nach Frankfurt. Richtig glücklich wurde er nirgendwo und kehrte 2012 zum gerade abgestiegenen FC zurück. Doch auch in der Heimat fand er sich hinter dem aufstrebenden Timo Horn auf der Bank wieder.

Nun, im Moment des vielleicht größten Spiels seiner Karriere, blickte er zurück: „Als ich vor vier Jahren zurückgekommen bin, war der Verein gefühlt im Mittelmaß der zweiten Liga, keiner wusste so richtig, was hier passiert. Und jetzt stehen wir vier Jahre später hier, haben nach elf Spielen 21 Punkte in der Bundesliga – und ich durfte heute ein Derby spielen“, sagte Kessler und empfand das „als Belohnung für meine Arbeit“. Er nehme die Rolle „im zweiten Glied“ zwar an, „aber heute war es schön, auch mal im ersten zu stehen.“ Und damit von Beginn an im Mittelpunkt.

Keine fünf Minuten waren gespielt, da musste Kessler einen gefährlichen Schuss nach einem Alleingang von Thorgan Hazard entschärfen. Am Gegentor von Lars Stindl (32.) war er machtlos, nach der Pause hielt er erneut stark gegen Oscar Wendt (67.) und überragend gegen Fabian Johnson (78.), der frei vor ihm aufgetaucht war. Selbst FC-Trainer Peter Stöger, sonst kein Freund der öffentlichen Einzelkritik, nannte den „guten Torhüter“ als einen Grund für den Sieg.

Dass der neben Kesslers Paraden auch von den Launen des Fußballgotts abhing, wollte hinterher kein Kölner verhehlen. Vor der Pause hätten die Gladbacher viel mehr aus ihrer Überlegenheit machen müssen. Zudem hätte FC-Kapitän Matthias Lehmann (schied später mit einer Teilruptur des Innenbandes aus und fällt sechs Wochen aus) nach der harten Attacke gegen Dahoud vom Platz fliegen können, nach dem Zweikampf zwischen Dominique Heintz und Hazard war ein Elfmeter für die Borussia möglich.

Erst im zweiten Durchgang wachten die Gäste auf und hatten erneut Glück – beide Treffer fielen aus dem Nichts. Modeste wurde bei seinem Tor von Vestergaard angeköpft (59.), in der Nachspielzeit drosch Risse einen 34-Meter-Freistoß ins Tor. „Manchmal gibt es solche Tage, an denen zwei glückliche Dinger reichen“, sagte der Siegtorschütze. So durfte Kessler beseelt in die Kabine gehen, dieses Mal als Letzter.

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