Ob als Spieler, Manager oder Präsident: Für Uli Hoeneß gab es als personifiziertem FC Bayern Titel ohne Ende. Dazu formte er aus einem Bundesligisten mit Schulden ein florierendes Millionen-Unternehmen. Seinen 60. Geburtstag am kommenden Donnerstag feiert er in Deutschland, ins Trainingslager reiste er nicht mit.

Uli Hoeneß will "ein sehr aktiver Sechzigjähriger" sein.
Uli Hoeneß will "ein sehr aktiver Sechzigjähriger" sein.

Uli Hoeneß will "ein sehr aktiver Sechzigjähriger" sein.

Peter Steffen

Uli Hoeneß will "ein sehr aktiver Sechzigjähriger" sein.

München (dpa). Dass einem im Leben nichts geschenkt wird, lernte Uli Hoeneß bereits in frühester Kindheit. «Ich habe meinen Vater erlebt, wie der morgens um drei Uhr in der Wurstküche unserer kleinen Metzgerei war, meine Mutter, die uns das Frühstück gemacht hat und dann im Laden als Verkäuferin war - und am Wochenende hat sie noch die Buchhaltung gemacht», erinnerte sich der Präsident des FC Bayern München kurz vor seinem 60. Geburtstag an diesem Donnerstag (5. Januar): «Und wenn bei uns an Weihnachten von zehn Gänsen zwei nicht verkauft wurden, dann war der Heiligabend nicht so lustig. Das hat mich schon geprägt, dieses Bewusstsein, dass man hart arbeiten muss, wenn man was erreichen will.»

Erreicht hat Hoeneß in seinem Leben viel - und der FC Bayern wäre ohne ihn nicht das, was er heute ist: Die Nummer 1 in Deutschland und ein Top-Club in Europa. Als Spieler, Manager und als Präsident waren und sind Titel und gute Zahlen unter der Regie des «barocken Kraftprotzes» (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) garantiert. 20-mal deutscher Meister, 11-mal DFB-Pokalsieger, Gewinner der Champions League und des Europapokals der Landesmeister, Weltpokalsieger, UEFA-Cup-Sieger - so lautet die Titelbilanz des früheren Europa- und Weltmeisters. Mit 27 Jahren musste er seine Fußball-Karriere wegen Kniebeschwerden beenden. Letztlich ein riesengroßes Glück für den deutschen Rekordmeister, denn sonst hätte es die Manager-Ära in dieser Form wohl nie gegeben.

42 Jahre im Dienst der FCB, eine «Symbiose», wie Hoeneß selbst das Verhältnis zwischen ihm und seinem Verein beschreibt. Im reifen Funktionärsalter blickt er stolz auf das Erreichte zurück. «Der FC Bayern ist ein gesellschaftliches Ereignis», schwärmte der Präsident, der sich selbst gesellschaftlich oft zu Wort meldet. Sei es mit Kritik an Spekulanten oder mit Lob für Kanzlerin Angela Merkel.

Im November 2009 wurde er mit 99,3 Prozent der Stimmen nach 30 Managerjahren im neuen Amt inthronisiert. «Wenn ich das heute hier so sehe, dann sind natürlich viele Dinge verwirklicht worden, wie ich mir einen Fußballverein vorstelle», betonte der Mr. FC Bayern und verweist auf die vereinseigene Arena und das Vereinsgelände an der Säbener Straße in München. «In den 70er Jahren war da im Winter kein Grashalm. Umgezogen hat man sich in der Holzhütte beim Opa Remm, der uns mit seinem Stumpen die Schuhe geputzt hat», erzählte Hoeneß.

Auf dem Weg des FC Bayern von einem verschuldeten Bundesligisten hin zu einem der reichsten Clubs Europas mit einem Konzernumsatz von zuletzt 328,5 Millionen Euro waren neben Arbeitseifer auch harte Bandagen gefragt. «Als ich so ein junger Manager war, hab' ich schon meine Ellbogen ausgefahren, ich musste ja den Verein mit Zähnen und Klauen verteidigen. Auf dem Weg nach oben gab es auch Späne», räumte Hoeneß kurz vor dem runden Geburtstag ein. Aber «unmenschlich» sei es nie gewesen, meinte der Freund der Streitkultur, der im deutschen Fußball wie wohl kein anderer auch polarisiert.

Die meisten Menschen, die die Bayern-Ikone auf dem Lebensweg trafen, schwärmen von dieser in den höchsten Tönen. Er selbst habe «keine Handvoll Menschen kennengelernt, mit denen ich nichts mehr zu tun haben will», betonte der gebürtige Ulmer. Einer ist der frühere Bremer Manager Willi Lemke, den Hoeneß immer noch als «total uneinsichtig» betrachtet. Auch bei Fußball-Trainer Christoph Daum hat der 59-Jährige keine Lust auf ein größeres Gespräch.

Die Affäre Daum war die vielleicht einzige Sache, die dem mehrmaligen Manager des Jahres zeitweise über den Kopf wuchs. «Ich bin damals zwei Tage weggeflogen, und als ich in Marbella war, um das Trainingslager auszusuchen, habe ich plötzlich gemerkt, hoppla, die Sache ist total aus dem Ruder gelaufen. Als ich dann versucht habe, das Rad anzuhalten, ging es nicht mehr», erinnerte sich Hoeneß. Glücklicherweise für den Bayern-Manager ließ Daum die für ihn verheerende Haarprobe vornehmen.

Besondere Ziele hat Hoeneß nicht mehr, eine Verbandszukunft in DFB, UEFA, FIFA oder DFL schließt er aus. «Eine unvollendete Symphonie ist nicht in meinem Repertoire», sagte der Vater zweier Kinder, ein Enkelkind hat er zudem. An Ruhestand denkt er nicht. «Ich will versuchen, ein sehr aktiver Sechziger zu sein, besser gesagt, ein aktiver Sechzigjähriger zu sein.» Zum Leidwesen seiner Ehefrau, die sich die Nach-Manager-Zeit «ein bisschen anders vorgestellt» habe.

Die Zahl der Gratulanten wird am Ehrentag, der in Deutschland und nicht mit dem Team im Trainingslager in Doha begangen wird, und bei der großen Feier des Vereins am 13. Januar riesig sein. «Uli ist eine Art Feierbiest», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Schon jetzt meldeten sich Günter Netzer mit Bewunderung und gar Intimfeind Lemke mit Anerkennung zu Wort.

Lobeshymnen im eigenen Verein gibt es sowieso. «Uli Hoeneß ist eine außergewöhnliche Figur beim FC Bayern und hat einen extrem großen Beitrag dazugeleistet, dass dieser Club wirklich jetzt wunderbar in der Fußballwelt dasteht», sagte Rummenigge und beschrieb den langjährigen Manager als einen Menschen, «der den Club hochemotional sieht und geführt hat».

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer