Immer mehr Menschen arbeiten für den 1. FC Köln. Es ist eng. Zu eng? Das ist nur ein Thema im Gespräch mit Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport.

Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport des Fußball-Erstligisten 1. FC Köln.
Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport des Fußball-Erstligisten 1. FC Köln.

Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport des Fußball-Erstligisten 1. FC Köln.

Jörg Schmadtke, Geschäftsführer Sport des Fußball-Erstligisten 1. FC Köln.

Köln. Am Geißbockheim geht es betriebsam zu. Immer mehr Menschen arbeiten für den Verein. Es ist eng. Zu eng? Das ist nur ein Thema im Gespräch mit Jörg Schmadtke, dem Geschäftsführer Sport des 1. FC Köln.

Herr Schmadtke, ist das Pokalspiel beim Leher TS reine Pflichtaufgabe?

Schmadtke: Am Ende muss man es bei einem Fünftligisten so nennen. Trotzdem geht nichts im Vorbeigehen. Ich würde mir wünschen, dass wir das souverän hinbekommen. Da kann ich auch nichts anderes erzählen. Es liegt nur an uns, wie kompliziert wir die Aufgabe werden lassen.

Herr Schmadtke, seit Sie in Köln sind, geht es bergauf. Das war auch in Aachen oder Hannover zuvor so. Ist Erfolg planbar?

Schmadtke: In der Theorie planbar, in der Praxis natürlich nicht, weil es viel zu viele Unwägbarkeiten gibt. Wir wissen, dass wir Fünfter geworden sind, weil drei oder vier andere Vereine geschwächelt haben. Wir können keine fünften Plätze planen. Wir planen eine gewisse Stabilität in der ersten Liga. Die bekommen wir hin: Wir waren nicht ein Mal auf einem Abstiegsplatz seit dem Aufstieg 2014.

Welche Voraussetzungen treffen Sie an, die eine Entwicklung logisch machen?

Schmadtke: Eine unaufgeregte Führung, ein Trainer-Team, das sich ohne Hirngespinste am Machbaren orientiert. Eine Mannschaft, die leistungsorientiert und willig ist. Und begeisterungsfähige Fans, die uns wirklich total unterstützen.

Ist das übertragbar?

Schmadtke: Jeder Club hat seine eigene DNA, und man wird sein Wirken immer auch an dieser speziellen DNA ausrichten müssen. Das ist Reiz und Schwierigkeit. Du kannst nicht mit einer Blaupause kommen.

Was haben Sie von ihren Erfahrungen mit Hannover 96 in der Europa League mitgenommen, die jetzt helfen?

Schmadtke: Zuerst die Erkenntnis, dass der Flughafen Köln wie der in Hannover keinem Nachtflugverbot unterliegt und wir anstreben, immer sofort nach Spielen in der Europa League zurückzufliegen. Damit habe ich in Hannover gute Erfahrungen gemacht.

Was verändert sich für die Mannschaft?

Schmadtke: Wir haben jetzt einen etwas größeren Kader. Das Trainerteam hat mehr Wert auf Kraft-Einheiten gelegt, weil dazu in der Saison kaum mehr Zeit bleibt. Aber: Die Bundesliga ist unser täglich Brot. Wir bereiten uns nicht auf eine Europa League-Saison, sondern auf eine Bundesliga-Saison vor. Plus Europa League. Das ist der Unterschied.

Im Finanz- und Transferwahn diagnostizieren viele, dass sich der Fußball kaputt macht. Der FC läuft aber auf 100000 Mitglieder zu, das Stadion ist voll. Gehen Sie die Diagnose mit?

Schmadtke: Ich sehe hier im Moment keine Blase entstehen. Vor allen Dingen in Deutschland nicht, weil wir hier durch das Lizenzierungsverfahren eine Balance haben, die Einnahmen und Ausgaben sehr nahe beieinander hält. Was natürlich entstehen kann, ist, dass man sich über diese enormen Zahlen vom Fan entfremdet. Da muss man aufpassen und wirklich sensibel sein. Diese Sensibilität haben wir.

Haben die alle?

Schmadtke: Ja, das glaube ich schon. Natürlich sind 222 Millionen Euro eine unfassbare Zahl. Viele wissen nicht, wie viele Nullen diese Zahl hat. Aber: Es gibt eine Forderung, und jemand bedient die. Das ist der Markt. Dieses viele Geld ist eine moralische Herausforderung. Man muss die Wertigkeit von Geld noch wahrnehmen, und zwar die Wertigkeit, die draußen in der Welt herrscht.

„Ich habe früher davon geträumt, Trainer zu werden.“

Fühlt sich doch an wie ein Managerspiel, oder?

Schmadtke: Man könnte das Gefühl haben, dass das ein virtuelles Spiel mit Plastikgeld ist. Genau darauf müssen wir aufpassen, dass sich dieser Eindruck nicht verfestigt.

Bekommt die Transfereinnahme extreme Bedeutung?

Schmadtke: Es ist schwierig darüber zu reden, weil es oft auch nicht differenziert genug betrachtet wird. Natürlich bin ich auch Profiteur dieser Entwicklung. Es geht ja auch um unser Geld, das sich dem Markt anpasst. Da könnten Kritiker sagen: Warum beschwert er sich? Aber: Ich beschwere mich nicht. Trotzdem nehme ich mir heraus, die Entwicklung auch kritisch zu betrachten.

War der Transfer von Anthony Modeste das komplizierteste, was sie je verhandelt haben?

Schmadtke: Ja, das war es. Und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen. Aber am Ende haben wir es hinbekommen.

Und das Geld auch erhalten?

Schmadtke: Ja.

Wollten sie Modeste von Anfang an in diesem Sommer verkaufen?

Schmadtke: Nein.

Jetzt ist Cordoba da. Wird er ein neuer Modeste?

Schmadtke: Jhon ist ein anderer Spieler, der Vergleich ist ungerecht. Er ist jung, sehr robust, sehr fleißig. Er hat zugegebenermaßen in der Vergangenheit nicht die Quote gehabt, die Toni hier hatte.

Die hatte Modeste auch nicht, bevor er kam.

Schmadtke: Das wird hier aber immer vergessen. Wir hatten eine ähnliche Diskussion, als wir Ujah verkauft haben. Ihr verkauft zehn Tore und holt von der Bank, hieß es. Jetzt ist Modeste weg und wir holen einen Stürmer, der weniger Tore geschossen hat. Wir sind davon überzeugt, dass Cordoba gut zu unserer Art des Spiels passen und effektiv sein wird.

Wollen Sie noch nachlegen?

Schmadtke: Wir hätten noch Möglichkeiten zu agieren. Wenn sich etwas ergibt, das für alle Sinn macht, könnten wir noch mal handeln.

Ist Peter Stöger für Sie ein ganz normaler Trainer?

Schmadtke: Peter zeichnen Dinge aus, die ich als sehr angenehm empfinde. Er baut nie großen Druck auf. Das sieht intern auch mal anders aus, aber das ist auch in Ordnung. Er kommt meinen Gedankenwelten damit sehr nahe. Wir betrachten und bewerten Fußball sehr ähnlich. Es macht Spaß.

Sind Sie Freunde?

Schmadtke: Wir haben zumindest eine Verbindung, die von großem Vertrauen getragen ist. Wie definieren Sie denn Freundschaft in dem Geschäft?

Manche sagen, von Freundschaften sollte man in diesem Geschäft absehen. Sonst müssten Sie vielleicht mal Ihren Freund entlassen.

Schmadtke: Ja, aber sachlich fachliche Dinge sind das eine. Und eine innere Bindung zu jemandem zu haben, ist das andere.

Das können Sie trennen?

Schmadtke: Ich bin darum bemüht. Aber ich will nicht verhehlen, dass das mal leichter und mal schwerer sein kann. Freundschaft würde wohl auch bedeuten, dass wir uns gegenseitig zum Geburtstag besuchen oder zusammen in den Urlaub fahren. Das machen wir alles nicht. Und trotzdem haben wir eine enge, vertrauensvolle Bindung. Es geht in die Richtung, ist aber keine klassische Freundschaft.

Haben Sie mal Sorge gehabt, dass Stöger geht, als Dortmund gebaggert hat?

Schmadtke: Nein.

Warum nicht?

Schmadtke: Weil wir auch da immer in engem Austausch sind. Ich wusste, wie brenzlig die Situation einzuschätzen war.

Wenn man Ihre eigene Karriere betrachtet, ging es immer aufwärts. Wie haben Sie sich verändert, wie hat das Geschäft Sie zu Veränderung gezwungen?

Schmadtke: Ich habe deutlich mehr Erfahrung als vor 16 Jahren. Deshalb bin ich gelassener. Meistens (lacht). Das Geschäft ist gläserner geworden. Allein, wenn Sie sich das Scouting ansehen: 2001 bin ich als Sportdirektor allein durch die Gegend gereist und habe mir extrem viele Spiele angeschaut. Es gab in Aachen sonst niemanden dafür. Das brauche ich heute nicht mehr in dem Maße. Ich setze mich an den Rechner und habe in zwei Minuten Ergebnisse und Infos aus China und Vietnam. Und: Zahlen haben sich verändert.

„Die letzte Ausfahrt nehmen wir in Düsseldorf.“

Machen Sie Ihren Traumjob?

Schmadtke: Wahrscheinlich ist das so. Ich habe früher davon geträumt, Trainer zu werden (lacht). Aber dann hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ich am Schreibtisch besser aufgehoben bin.

Geht Lob an Ihnen vorbei?

Schmadtke: (lacht) Ich habe mir zu Hause extra einen großen Spiegel einbauen lassen, damit ich mir selbst auf die Schulter klopfen kann. Nein, Spaß beiseite: Ich weiß, dass der Erfolg von gestern die Hypothek ist, die du morgen erfüllen musst. Meine Vergangenheit führt nicht dazu, dass ich selbstgefällig werde. Das werden Mitarbeiter vielleicht anders sehen (lacht). Ich habe noch nie etwas davon gehalten, sich ein Denkmal zu bauen: Heute Denkmal, morgen wird’s angepinkelt.

Können Sie mal deutlich machen, warum Sie ein neues Stadion wollen?

Schmadtke: Wir haben ein Stadion für 50 000 Zuschauer und müssen zehn Prozent an den Gegner abgeben. 45 000 Fans also können bedient werden, wir haben 95 000 Mitglieder und laufen Richtung 10 0000. Wir können unsere Fans also gar nicht bedienen. Jetzt läuft die Machbarkeitsstudie, die zeitnah vorgestellt wird: Kann man unser Stadion ausbauen? Wenn ja, auf welche Kapazität? Darüber hinaus gehört es dazu, als Vereinsverantwortliche über Alternativen wie einen Neubau nachzudenken. Klar ist: Es würde uns nichts nutzen, wenn unser Stadion um 3000 Zuschauer zu erweitern wäre.

Wie stehen Sie emotional zu der Abwägung?

Schmadtke: Dieses Müngersdorfer Stadion ist emotional aufgeladen. Das ist der Standort seit Clubgründung. Und in Köln emotional aufgeladen zu sein, ist noch mal was anderes als woanders. Das werden wir auch berücksichtigen.

Werden Sie die Umsetzung des Stadionprojekts im Amt erleben?

Schmadtke: Es wäre schlecht, wenn ich das nicht erleben würde. Mein Vertrag läuft bis 2023, in dem Zeitrahmen sollte das schon über die Bühne gehen. Wir haben im Moment viele spannende Projekte, es geht ja auch um unser Trainingsgelände. Auch das ist emotionsgeladen, weil hier am Geißbockheim zwar eine gewisse Patina angesetzt hat, aber eben auch Franz Kremer und Hennes Weisweiler gewirkt haben. Emotionen und Machbarkeiten müssen wir den Entwicklungsmöglichkeiten gegenüberstellen.

Bei Olympia-Plänen für 2032 in der Rhein-Ruhr-Region wird über ein Olympiastadion in Köln spekuliert.

Schmadtke: Das ist doch klar, es gibt in Nordrhein-Westfalen nun mal kein Olympiastadion. Auch das wurde mal in den Raum geworfen. Allerdings könnte das nur eine Überlegung sein, wenn man über einen neuen Standort redet.

Wo sehen Sie den FC in drei Jahren?

Schmadtke: Hoffentlich entschuldet als stabile, ernstzunehmende Größe in der 1. Liga.

Und sich selbst? Wo soll es noch hingehen?

Schmadtke: Was danach kommt? Der große Urlaub, die Rente. Bis 2023 läuft der Vertrag, dann bin 59 Jahre alt. Ob ich dann noch Lust habe, diesen zeitaufwendigen Job zu machen und mich mit 18-Jährigen auseinanderzusetzen, das weiß ich jetzt noch nicht. Dafür ist das Leben zu bunt.

Und die Rente wird wieder in Düsseldorf verlebt?

Schmadtke: Wir haben ja unseren Lebensmittelpunkt schon wieder nach Düsseldorf verlegt. In Köln haben wir nichts gefunden, was unseren Vorstellungen entspricht – in Düsseldorf sind wir dann fündig geworden. Damit ist auch klar, dass wir dort die letzte Ausfahrt nehmen (lacht).

Und dort vorher noch Karneval feiern.

Schmadtke: Dafür kann man auch nach Köln fahren.

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