Eine Modelleisenbahn liefert den Logengästen Currywürste und Getränke.
Eine Modelleisenbahn liefert den Logengästen Currywürste und Getränke.

Eine Modelleisenbahn liefert den Logengästen Currywürste und Getränke.

dpa

Eine Modelleisenbahn liefert den Logengästen Currywürste und Getränke.

Hamburg (dpa) - Beim FC St. Pauli gibt es die wohl verrückteste Loge der Bundesliga. In einer kleinen Bretterbude mit Wellblechdach in der Fankurve des Millerntor-Stadions zwischen Nord- und Gegentribüne werden jedoch keine VIP-gerechten Spezialitäten wie Lachs-Häppchen oder Schampus gereicht.

Dafür kommt die nicht nur beim Kiez-Club so beliebte Currywurst per Spielzeug-Eisenbahn direkt zum eingefleischten Anhang. In luftiger Höhe stehen 27 Sitz- und 13 Stehplätze zur Verfügung, wobei die in drei Neuner-Reihen platzierten Schalensitze alle mit einem Fässchen Astra-Bier inklusive Zapfhahn ausgestattet sind. Und kleine Flachbildschirme auf den Rückseiten der Sitze dürfen dort natürlich auch nicht fehlen.

«Die Loge ist eine Hommage an den FC St. Pauli, wie wir ihn lieben. Und damit unsere Art, den Verein zu unterstützen», sagte Lars Rühmann, Geschäftsführer der Hamburger Werbeagentur Nordpol, die diese ungewöhnliche Balkon-Loge seit September betreibt. Sie wird «Gegenpol» genannt und passt perfekt zum alternativ angehauchten und als verrucht geltenden Stadtteil mit dem Kiez. Mitarbeiter der auf Kreativ-Werbung bedachten Agentur haben die Container gestaltet. Früher waren dort bei St. Pauli-Spielen der Stadionsprecher und die Polizisten zur Videobewachung untergebracht.

Über 28 Stufen kraxelt der Fan zunächst hoch in den extravaganten «Spiegelsaal». Ein Raum mit unzähligen Zeitungsartikeln, Plakaten und Autogrammkarten, die statt Tapete an der Wand hängen. Über 13 weitere Stufen einer Wendeltreppe gelangt man dann ins Balkon-Zimmer, wo man aufpassen muss, dass man nicht mit der Bimmelbahn kollidiert, wenn die «Braun-Weißen» gerade mit Toren zur Begeisterung Anlass geben.

Der auch «fünfte Tribüne» genannte Verschlag entstand in nur zehn Tagen. Und er sieht durchaus gewollt asbach-uralt aus; so wurden die eigentlich neuen Sitzschalen auf alt getrimmt, da das einfach besser zum normal gebliebenen, statt nobel gewordenen Club passt. Allerdings ist die Tribüne vergänglich. Denn das Nutzungsrecht gilt nur bis zum Beginn des nächsten Bauabschnitts am Millerntor im kommenden Jahr.

Das St. Pauli-Stadion wird schon seit 2006 stufenweise umgebaut. Süd- und Haupttribüne sind fertiggestellt, Gegen- und Nordtribüne sollen folgen. Zugleich entstand zwischen Süd- und neuer Haupttribüne die weltweit erste Kindertagesstätte in einem Fußballstadion für rund 100 Kinder. Ein bisschen anders als die anderen Proficlubs war St. Pauli ja schon immer.

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