Der HSV hat seinen Trainer Armin Veh nach dem Bayern-Debakel beurlaubt.
Der HSV hat seinen Trainer Armin Veh nach dem Bayern-Debakel beurlaubt.

Der HSV hat seinen Trainer Armin Veh nach dem Bayern-Debakel beurlaubt.

dpa

Der HSV hat seinen Trainer Armin Veh nach dem Bayern-Debakel beurlaubt.

Hamburg (dpa) - Der im Personal-Chaos versunkene Hamburger SV hat zum letzten Mittel gegriffen und will mit der Beurlaubung von Trainer Armin Veh den Sturz ins Bodenlose verhindern.

Einen Tag nach dem 0:6-Debakel bei Rekordmeister Bayern München trennte sich der Fußball-Bundesligist vom Chefcoach und beorderte seinen Assistenten Michael Oenning in die Verantwortung. Neuer Co-Trainer wird der bisherige Regionalliga-Coach Rodolfo Esteban Cardoso, der von 1996 bis 2004 im Hamburger Profi-Team gespielt hatte. Neben Veh musste auch Co-Trainer Reiner Geyer den Verein verlassen.

«Nach der Bekanntgabe seines Abschiedes zum Saisonende und den Eindrücken der vergangenen beiden Spiele haben wir uns entschieden, schon jetzt einen Schnitt zu machen und uns von Armin Veh zu trennen», sagte Sportchef Bastian Reinhardt. Oenning, der 45 Jahre alte Ex-Trainer des 1. FC Nürnberg, habe die Chance, sich auch für die nächste Saison zu empfehlen. «Es sind noch acht Spiele bis Saisonende. Wir wollen nichts herschenken», sagte Reinhardt.

Der Veh-Beurlaubung vorausgegangen waren die desaströse Sportchef-Suche und die Dauer-Querelen um Vorstandschef Bernd Hoffmann, der spätestens zum Jahresende gehen muss. Günter Netzer, ehemaliger Manager des HSV, kritisierte seinen früheren Verein in der «Bild am Sonntag» «erbärmlich und unwürdig» sowie als «Ansammlung sportlicher Inkompetenz». Zugleich sprach er von «Eitelkeiten und Selbstüberschätzung». Das Team sei lediglich ein «Spiegelbild dessen, was die Vereinsführung vorlebt».

Veh ist bereits der achte Trainer in den acht Jahren unter der Ägide des Vereinsvorsitzenden Hoffmann, der den Verein vorzeitig verlässt. Torhüter Frank Rost, ohnehin für Klartext bekannt, redete sich nach dem Debakel in München den Frust von der Seele und attackierte insbesondere Hoffmann. «Beim HSV ist vieles ringsherum im Argen, weil die Dinge ausgesessen und nicht geregelt werden», sagte er in «Liga total». Von Hoffmann vermisse er Rückendeckung und das Vorleben von Werten.

«Ich muss die Dinge aktiv regeln - und nicht aussitzen. Stellen Sie sich mal vor, jeder Spieler, bei dem der Vertrag ausläuft, macht jetzt Urlaub», sagte Rost giftig in Anspielung auf den Skiurlaub des Vereinschefs, den dieser wegen der Veh-Beurlaubung unterbrochen hatte. Auch die Verpflichtung von Torhüter Jaroslav Drobny sei nur vollzogen worden, um ihn zu maßregeln, geißelte Rost.

«Ich habe die Äußerungen zur Kenntnis genommen», erwiderte Hoffmann zerknirscht. Mit dem 37 Jahre alten Torhüter will der Vorstand in den nächsten Tagen ein Gespräch führen. «Bei allem Verständnis für Frank Rost kann es nicht sein, dass er immer dazu beiträgt, diesen Verein zu beschädigen und Öl ins Feuer zu gießen», sagte Reinhardt.

Beim HSV geht es seit Monaten drunter und drüber. Erst sorgte die schier unendliche Suche nach einem neuen Sportchef für permanente Unruhe und erreichte mit der plötzlichen Absage von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer ihren unrühmlichen Höhepunkt, dann verlängerte der Aufsichtsrat die zum Jahresende auslaufenden Verträge mit Hoffmann und seiner Vertrauten Katja Kraus nicht, daraufhin folgten Morddrohungen an den Aufsichtsrat, und schließlich gab nur zwei Tage später auch Trainer Veh seinen Rückzug zum Saisonende bekannt. Dass es viel schneller gehen würde, wusste er zu dem Zeitpunkt noch nicht. Um 10.22 Uhr verließ er wortlos das Trainingsgelände.

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