Matthias Sammer war zwischen Hamburger SV und dem DFB hin- und hergerissen.
Matthias Sammer war zwischen Hamburger SV und dem DFB hin- und hergerissen.

Matthias Sammer war zwischen Hamburger SV und dem DFB hin- und hergerissen.

dpa

Matthias Sammer war zwischen Hamburger SV und dem DFB hin- und hergerissen.

Hamburg (dpa) - Die Sammer-Absage traf den Hamburger SV wie ein K.o.-Schlag.

Noch Stunden nach der Mitteilung, dass DFB-Sportdirektor Matthias Sammer den sicher geglaubten Wechsel zum HSV als neue sportliche Lichtgestalt hat platzen lassen, liefen die Mitglieder des Aufsichtsrates orientierungslos durch die Gänge des Stadions. Fassungslosigkeit, Entsetzen bei den einen, große Leere bei den anderen. «Wir sind ratlos», gestand der erst wenige Tage zuvor in den Aufsichtsrat gewählte Ex-Präsident Jürgen Hunke kopfschüttelnd.

Selbst die Spieler, die stets bestreiten, die Vereinspolitik würde die eigenen Leistungen negativ beeinflussen, schienen angegriffen. Gegen die wegen Personalmangels als B-Mannschaft angetretene Frankfurter Eintracht lieferten die Hamburger am Freitagabend eine weitgehend ideenlose Vorstellung. Umso größer die Erleichterung, als Mladen Petric bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause das siegbringende 1:0 erzielte. «Ich habe das Näschen», rühmte sich der Kroate. Zum anderen Top-Thema praktizierte er Meinungsenthaltung: «Ich habe das nicht zu kommentieren.»

Sammer erläuterte seine Absage und gab dem neuen HSV- Aufsichtsratschef Ernst Otto Rieckhoff eine Mitschuld. Der Spitzenfunktionär habe «durch seine Äußerungen einen öffentlichen Druck in die Gespräche gebracht. Es entstand der Eindruck, alles sei bereits beschlossene Sache. Dem war aber nicht so», sagte er der «Bild am Sonntag». Mit dem HSV sei bereits vieles besprochen gewesen, er habe aber noch das Wochenende für Gespräche mit seiner Familie gebraucht, erklärte Sammer. Doch DFB-Präsident Theo Zwanziger habe wegen der Brisanz des Themas auf einer sofortigen Entscheidung bestanden. «Deshalb habe ich mich klar zum DFB bekannt», sagte er.

«Aus Respekt vor Herrn Sammer will ich keine Details nennen», hatte Rieckhoff zuvor erklärt. Der zeitliche Druck kam offensichtlich vom DFB, denn Zwanziger hatte Sammer bis Freitag ein Ultimatum gestellt. Nun schießen die Spekulationen ins Kraut: Sammers Frau habe ein Veto eingelegt, Bayern München wolle ihn als Nachfolger für Louis van Gaal und der DFB sehe ihn als Anwärter auf den Bundestrainer- Posten nach Joachim Löws möglichem Abschied.

Sei es wie es sei, der HSV-Aufsichtsrat steht bis auf die Knochen blamiert da und ist in der schier unendlichen Posse um die vergebliche Suche nach einem Sportchef, in der Sammer als elfter und wohl profiliertester Kandidat gelistet wurde, nicht schuldlos. Das öffentliche Bekenntnis des HSV am 18. Januar zu Sammer und die zugleich geäußerte Hoffnung auf eine in wenigen Tagen perfekte Lösung war ein taktischer Fehler.

Zumal Sammer, so Rieckhoff, bei einem vierstündigen Treffen in Hannover ausdrücklich zugestimmt habe, dass der HSV an die Öffentlichkeit gehen wolle, wenn die zwölf Aufsichtsräte ihren Segen gegeben haben. DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach beschrieb Sammers Wankelmütigkeit bis wenige Minuten vor der Erklärung am Freitag: «Er war hin- und hergerissen.» Fakt ist: Unbeschadet geht auch Sammer aus diesem Dramolett nicht hervor.

Verlierer gibt es nach dem Debakel reichlich: die HSV-Mannschaft mit Trainer Armin Veh, der Aufsichtsrat, Clubchef Hoffmann, Sammer und Noch-Sportchef Bastian Reinhardt. Der will zwar weitermachen, aber geht das überhaupt?

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