Schalkes Manager Horst Heldt über den Konsolidierungskurs des Clubs und seine Trainerwahl Jens Keller.

„Wir sind eben nicht arm wie eine Kirchenmaus“: Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04.
„Wir sind eben nicht arm wie eine Kirchenmaus“: Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04.

„Wir sind eben nicht arm wie eine Kirchenmaus“: Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04.

dpa

„Wir sind eben nicht arm wie eine Kirchenmaus“: Horst Heldt, Manager des FC Schalke 04.

Gelsenkirchen. Fußball-Bundesligist FC Schalke 04 steht unter Druck. Nach dem Trainerwechsel von Huub Stevens zu Jens Keller sind die Zweifel im Umfeld des Clubs groß, das Ziel Champions League zu erreichen. Manager Horst Heldt spricht im Interview über den schmalen Grat, auf dem der Verein wandelt.

Herr Heldt, wird Ihnen angst und bange, wenn sie sehen, wie viele Millionen Euro etwa der FC Bayern im vergangenen halben Jahr in seine Mannschaft investiert hat?

Horst Heldt: Nein, eigentlich nicht. Die Bayern planen mit einem neuen Investor und verkaufen dafür wieder Anteile, aber das ist auch nur begrenzt möglich. Aber wir müssen akzeptieren, dass die Münchner einfach andere Voraussetzungen haben.

Der FC Schalke 04 muss aufgrund seiner finanziellen Situation regelmäßig in die Champions League einziehen. Wie sehr steht der Club unter Druck?

Heldt: Finanziell gar nicht, aus sportlicher Sicht haben wir hohe Ansprüche. Aus wirtschaftlicher Sicht haben wir uns zum Ziel gesetzt, den Club zu konsolidieren. Dabei helfen zusätzliche Einnahmen, also Geld, das wir in die Tilgung stecken können. Wenn Wolfsburg, Hoffenheim oder die Bayern die Schatulle aufmachen, können wir nicht mithalten.

Geboren 9. Dezember 1969 in Königswinter

 

Vereine als Spieler: 1. FC Köln, 1860 München, Eintracht Frankfurt, Sturm Graz, VfB Stuttgart

 

Vereine als Sportdirektor: VfB Stuttgart, seit 2010 beim FC Schalke 04

Ist eine neue Bescheidenheit auf Schalke eingekehrt?

Heldt: Wir wollen unsere Identität behalten. Wir sind ein eingetragener Verein und wollen das auch bleiben. Das reglementiert allerdings unser Handeln. Aber wir wollen hier keinen Scheich oder einen unzuverlässigen Investor haben. Das ist ja fast schon einzigartig in der Bundesliga.

Trotzdem investiert der Verein in Spieler. Der Weg ist nicht eindeutig zu charakterisieren.

Heldt: Wir sind eben nicht arm wie eine Kirchenmaus und haben wie andere Top-Clubs einen hohen Standard. Aber zu konsolidieren und eine sportlich gute Mannschaft auf die Beine zu stellen, das bleibt ein schmaler Grat. Andere Clubs machen in dieser Hinsicht auch einen guten Job. Fünf Millionen Euro im Etat machen sportlich kaum einen Unterschied. Es gibt keine Erfolgsgarantie. Es sei denn, ich investiere deutlich mehr, wie es die Bayern machen.

„Ich gebe gerne Leuten eine Chance, die Qualität haben.“

Borussia Dortmund ist ein Gegenbeispiel für diese These. Was macht der BVB besser?

Heldt: Dortmund hat vieles richtig gemacht in Sachen Investitionen und Transfers. Das erkennt jeder an. Aber es gab auch mal andere Zeiten beim BVB. Allerdings bin ich sicher, dass die Dortmunder mit ihren Personalkosten auch nicht so weit weg sind von unserem Niveau.

Ist Schalke 04 in einer Phase, in der entschieden wird, ob die Mannschaft auch in Zukunft im Spitzenbereich der Bundesliga mitspielen kann?

Heldt: Fakt ist: Nicht nur die anderen Vereine, auch wir haben investiert. Wir haben etliche Verträge verlängert, zum Beispiel mit Klaas-Jan Huntelaar und eine international erfolgreiche Mannschaft zusammengestellt.

Sie haben vor einem halben Jahr gesagt, es muss kein Traum bleiben, mit Schalke Deutscher Meister zu werden.

Heldt: Sicher kann das passieren. Aber es wird natürlich schwieriger, wenn man sieht, dass etwa der FC Bayern rund 70 Millionen Euro allein in diese Saison investiert hat. Wir werden unseren Konsolidierungskurs nicht aufs Spiel setzen, um unbedingt Meister zu werden. Wir können davon träumen, aber der Verein darf nur für dieses eine Ziel nicht ins Bodenlose fallen.

Es gibt Stimmen, die sagen, dass Ihre Wahl, Jens Keller als Trainer zu berufen, aus ihren Verbindungen zum VfB Stuttgart zustande gekommen ist.

Heldt: Das ist Quatsch. Wir haben diese Entscheidung gemeinsam in den Gremien gefällt. Man vergibt doch in Unternehmen keine Führungspositionen aufgrund von persönlichen Vorlieben. Es geht doch vor allem um die Qualifikation desjenigen. Zwar ist Sympathie nicht hinderlich, aber doch lange nicht das Entscheidende.

Haben Sie so viel Skepsis erwartet?

Heldt: Skepsis darf jeder haben, aber eine solch negative Berichterstattung noch vor dem ersten Bundesligaspiel, das habe ich in der Form noch nicht erlebt. Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar.

Wie gehen Sie mit dieser Kritik an Jens Keller um?

Heldt: Ich habe darüber nachgedacht, finde aber keine Gründe, die das rechtfertigen. Deshalb müssen wir uns auf die Dinge auf dem Fußballplatz konzentrieren. Damit ist uns mehr geholfen.

Würden Sie gerne mit Keller über die Saison hinaus arbeiten?

Heldt: Jens Keller steht am Anfang seiner Trainerkarriere. Ich gebe gerne Leuten eine Chance, die Qualität haben. Es gibt über die Saison hinaus die Möglichkeit, dass er weitermacht. Er ist unsere erste Wahl. Wir werden beobachten, ob die Mannschaft sich weiterentwickelt. Das hängt nicht nur vom Saisonergebnis ab.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer