Verstimmt
Ex-Manager Jan Schindelmeiser (l) neben Mäzen Dietmar Hopp.

Ex-Manager Jan Schindelmeiser (l) neben Mäzen Dietmar Hopp.

dpa

Ex-Manager Jan Schindelmeiser (l) neben Mäzen Dietmar Hopp.

Frankfurt/Main (dpa) - Hoffenheims Ex-Manager Jan Schindelmeiser hat die Verantwortung für die finanzielle Schieflage des Fußball-Bundesligisten abgelehnt. «Die Vorwürfe sind absurd. Sie gehen komplett an der Wirklichkeit vorbei», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp hatte dem 47-Jährigen vorgehalten, dem Verein mit zu hoch dotierten Spielerverträgen «beinahe den Hals gebrochen» zu haben.

Ziel sei es auch gewesen, «einen Transferüberschuss für die nächsten Jahre zu generieren. Das ist aufgegangen», sagte Schindelmeiser. Die teuren Verkäufe von Carlos Eduardo für rund 20 Millionen Euro und jüngst Luiz Gustavo für angeblich mindestens 17 Millionen hätten die besser dotierten Verträge überkompensiert und würden zeigen, «dass der Weg gerade im Rückblick richtig war».

Auch für die Angreifer Demba Ba und Vedad Ibisevic hätten Angebote über 15 und neun Millionen Euro vorgelegen - deutlich mehr als sie bei ihrer Verpflichtung gekostet hatten. Solche Transfers seien ohne die verlängerten Verträge nicht möglich gewesen. Das Interesse anderer Vereine führe aber eben dazu, dass Arbeitspapiere zu besseren Konditionen für die Spieler abgeschlossen würden.

Auch Ex-Trainer Ralf Rangnick betonte die Wertsteigerung der Hoffenheimer Profis: «Würde man den gesamten Kader verkaufen, ergäbe sich ein deutliches Transferplus», sagte er der «Süddeutschen Zeitung». Rangnick war nach Unstimmigkeiten über den Verkauf von Luiz Gustavo zurückgetreten. Hopp hatte mit Manager Ernst Tanner und ohne Rangnicks Wissen mit dem FC Bayern über den Transfer verhandelt. «Diese Reise nach München war ein Auslöser», sagt der 52-Jährige. Die Vorgänge, die zu seinem Rücktritt führten, täten dem Mäzen mittlerweile sogar selbst leid, meinte Rangnick.

Einen gezielten Verkauf, um den Trainer loszuwerden, vermutet Rangnick aber nicht. «Mobbing schließe ich völlig aus. Dieses Gefühl hatte ich zu keiner Sekunde», sagte er. Hopp, der 99 Prozent des Club-Stammkapitals hält, schaue aber mehr denn je auf die Einnahmeseite. «So ergaben sich nun doch verschiedene Sichtweisen zur Ausrichtung des Clubs.»

Rückblickend sei der Abschied vielleicht sogar unnötig gewesen, wenn Hopp geahnt hätte, dass der Trainer einem Transfer im Winter zugestimmt hätte. Der SAP-Gründer zahlt dem Fußball-Lehrer noch bis zum Sommer ein halbes Jahresgehalt von einer Million Euro. Verstöße Hopps gegen die 50+1-Regel schloss Rangnick indes aus: «Ich kann absolut versichern, dass er bis dato an keinen Transfergesprächen teilgenommen hat.»

Schindelmeiser hatte sich von Hopps Vorwürfen überrascht gezeigt, weil er über die Vertragsverhandlungen informiert gewesen sei. Beide hätten inzwischen telefoniert, sagte Schindelmeiser. Das Gespräch sei eher von Sympathie geprägt gewesen. Möglicherweise fühle sich der 70- Jährige durch den Gustavo-Transfer unter Rechtfertigungsdruck und erkläre den Wechsel mit Verlusten aus der Vergangenheit.

Hopp, der die Rhein-Neckar-Arena dem Verein überschreiben will, relativierte seine Kritik derweil. Man müsse mit mehr Augenmaß an Verpflichtungen gehen, sagte er der «Bild»-Zeitung. Auch er habe Fehler gemacht: «Ich bin selbst schuld, hätte mich mehr kümmern müssen. Die Kosten sind uns weggelaufen.» Hopp hatte eingeräumt, schon 240 Millionen Euro und damit mehr als bislang angenommen in den Verein investiert zu haben. In der «Sport-Bild» erklärte er: «Vielleicht ist es das Beste, wenn man mich zum Geschäftsführer des Vereins macht - ohne Aufgabengebiet und ohne Bezüge.» Dann wäre das 50+1-Thema vom Tisch.

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