«Abteilung Attacke»
Uli Hoeneß bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München. Foto: Tobias Hase

Uli Hoeneß bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München. Foto: Tobias Hase

dpa

Uli Hoeneß bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des FC Bayern München. Foto: Tobias Hase

München (dpa) - Da war sie noch mal, die «Abteilung Attacke» des FC Bayern. Mit einer kämpferischen und wütenden Rede meldete sich Uli Hoeneß kurz vor dem «schweren Gang» ins Gefängnis nach Monaten des Schweigens im öffentlichen Rampenlicht zurück.

Und die Comeback-Botschaft des 62-Jährigen am Abend der fast einstimmigen Wahl von Karl Hopfner zu seinem Nachfolger als Vereinspräsident war bei aller Emotionalität eine wohlkalkulierte nach innen und außen: Er, Uli Hoeneß, verabschiedet sich mal nur auf Zeit von seinem Lebenswerk. «Das war's noch nicht», lautete der zentrale Vier-Worte-Satz eines einmal mehr denkwürdigen Tages in der 114-jährigen Geschichte des deutschen Fußball-Rekordmeisters.

Hoeneß nutzte die Bühne, das Heimspiel vor fast 1600 Mitgliedern, zu einem lauten Servus, das keines für immer sein muss. Eine Viertelstunde sprach er, frei, emotional, nicht reumütig, sondern adrenalingeladen. Ein Mann, der sieben Wochen nach seiner Verurteilung weiter «am Boden liegt», aber in der ihn schützenden Welt des FC Bayern Luft ablassen musste, eine Abrechnung vor allem mit den Medien starten musste, bevor er in seine Zelle einrückt.

Eine Passage dokumentierte den Einsturz seines Lebens, den er mit der Hinterziehung von fast 30 Millionen Euro an Steuern vor allem selbst zu verantworten hat, besonders: «Ich habe in den letzten Monaten etwas an mir entdeckt, was ich nie hatte: Hass! Hass ist nicht gut! Hass ist kein guter Ratgeber! Hass ist ein Wegbegleiter, und ich hoffe, dass ich in nächsten Monaten dazu komme, dieses Wort wieder aus meinem Kopf rauszubringen. Ich werde mich sehr darum bemühen», sagte Hoeneß.

Familie, Firma, Verein - diese drei Bollwerke gaben und geben ihm Halt. Aber sie genügten nicht als Kraftquelle, um gegen das Urteil vom 13. März in Revision zu gehen, weiter die mediale Verfolgung auszuhalten, die aus seiner Sicht einer Treibjagd glich: «Plötzlich war ich ein Arschloch, ein Schwein, ein Mann, der den Leuten das Geld aus der Tasche zieht, der den Leuten Geld vorenthält», fauchte Hoeneß am Rednerpult. Davor kapitulierte er am Tag nach dem Richterspruch mit dem Verzicht auf Rechtsmittel und dem Rücktritt von seinen geliebten Bayern-Ämtern. «Wir hätten dieses Drama nicht weitere zwölf bis 18 Monate ertragen können», sagte er für sich, seine Frau und für seine zwei Kinder.

Der donnernde Applaus, die «Uli»-Rufe der Mitglieder und Fans, sie bewiesen, dass das gefallene Vorbild Hoeneß in der Bayern-Familie weiterhin als Patron angesehen und respektiert wird. «Viele sagen, Uli Hoeneß hat mit seinem Fehler sein Lebenswerk zerstört. Ich sehe das nicht so», sagte er. Beim Schlusssatz blickte er weit nach vorne: «Ich hoffe sehr, wenn ich zurück bin, wenn dieses Trauma für mich zu Ende ist, dass wir uns in aller Gesundheit wiedersehen.»

Hoeneß ist noch nicht fertig, nicht mit seinem öffentlichen Status, nicht mit dem FC Bayern. Er hat diesen Verein vier Jahrzehnte lang geprägt, «an sagenhaften 53 Titeln» war er als Spieler, Manager, Vorstand und Präsident maßgeblich beteiligt, wie sein Nachfolger verkündete. Der fast einstimmig bis November 2016 gewählte Karl Hopfner verblasste im Verlauf der Versammlung immer mehr, er wirkte am Ende fast wie ein Platzhalter an der Spitze des Clubs. «Ich habe nicht um dieses Amt gebuhlt», erklärte der 61-Jährige.

Ebenso deutlich und ehrlich antwortete Hopfner auf die Frage, ob er im Fall des Falles gegen seinen Vorgänger kandidieren würde. «Ein Antreten gegen Uli Hoeneß kommt für mich nicht infrage», sagte er. «Ich finde es gut, dass Du gesagt hast, ich komme zurück, das freut mich», sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in seinem Redebeitrag gerichtet an seinen Freund Uli Hoeneß.

Zukunftsmusik - Realität werden muss ein Hoeneß-Comeback beim FC Bayern nicht. Erst einmal muss der 62-Jährige ins Gefängnis einrücken - und das schon bald. Er deutete an, dass er den ersten Meistertitel seiner Bayern-Basketballer wohl nicht als freier Mann mitfeiern könnte. «Meine Gedanken sind bei euch, auch wenn ich wahrscheinlich dann nicht mehr ganz dabei sein darf», sagte er mit Blick auf die erst am 8. Juni beginnende Finalserie.

«Ich werde für alles geradestehen», hat er noch gesagt, mit der Haft und mit 30 bis 35 Millionen Euro inklusive Zinsen für den Fiskus. Es bleibt aber abzuwarten, wie die «schwierige Zeit» (Hopfner) in der Justizvollzugsanstalt Landsberg den Menschen Uli H. verändern wird, in welcher Verfassung er ins Leben in Freiheit zurückkehrt. Um den Verein sorge er sich nicht: «Wenn ich den FC Bayern irgendwann hätte malen müssen, dann hätte ich ihn so gemalt, wie er sich jetzt darstellt.» Vor Kraft strotzend, finanziell kerngesund.

Der Club präsentierte sich wieder als Trutzburg gegen äußere Widerstände. Rummenigge verteidigte nach der 0:4-Pleite gegen Real Madrid Mannschaft und Trainer gegen Kritik. «Zwischen Pep Guardiola und dem gesamten FC Bayern passt kein Blatt Papier.» Die Saison sei mit dem überragenden Meistertitel unabhängig vom Ausgang des Pokalendspiels gegen Borussia Dortmund erfolgreich.

«Ich fühle eine gewisse Wut in mir hochsteigen. Es ist keine Wut auf die Mannschaft und erst recht nicht auf unseren Pep. Die tun mir leid, wie sie jetzt Kübel von Häme ertragen müssen, die über sie ausgeschüttelt werden», sagte Rummenigge. Die Abteilung Attacke wird's auch während Hoeneß' Bayern-Auszeit geben.

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