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Marco Russ will in der Rückrunde sein Comeback feiern. Foto: Frank Rumpenhorst

Marco Russ will in der Rückrunde sein Comeback feiern. Foto: Frank Rumpenhorst

dpa

Marco Russ will in der Rückrunde sein Comeback feiern. Foto: Frank Rumpenhorst

Abu Dhabi (dpa) - Ein Filigrantechniker war Marco Russ noch nie. Dieser Tage wirkt 31-Jährige von Eintracht Frankfurt auf dem Platz noch ein bisschen hölzerner als früher. Aber der Fußballprofi antizipiert gut bei Trainingsspielen - und das Wichtigste: er kämpft.

Erstmals seit seinem Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining äußerte sich der von einer Krebserkrankung genesene Abwehrspieler zu seinen Comeback-Chancen in der Bundesliga-Rückrunde. «Ja, irgendwann. Ich denke schon, dass ich eine Alternative sein kann», sagte Russ in Abu Dhabi. Einen Zeitplan gebe es aber nicht.

Bei dem 31-Jährigen war im Mai 2016 vor den Relegationsspielen gegen den 1. FC Nürnberg eine Hodenkrebs-Erkrankung diagnostiziert worden. Russ musste operiert werden und zwei Chemobehandlungen über sich ergehen lassen. Am 3. Januar stand er in Frankfurt - nachdem die Ärzte grünes Licht gegeben hatten - beim Vorbereitungsauftakt der Eintracht wieder auf dem Rasen und trainiert seither voll mit. «Im roten Bereich», wie es Sportvorstand Fredi Bobic und Trainer Niko Kovac anerkennend formulieren: «Er ist eben ein Kämpfer.»

«Mein Körper sagt mir: Ich bin noch nicht auf dem Level der Mannschaft», erklärte Russ. «Ich versuche dennoch, alles mitzumachen, und das klappt.» Passen musste er nur einmal, als nach einer einhalbstündigen harten Übungseinheit noch Konditionsübungen anstanden. Sein erstes Etappenziel, am 3. Januar mit den Kollegen zu trainieren, habe er erreicht. Jetzt sei es sein Ziel, wieder auf das Teamniveau zu kommen, «damit ich irgendwann wieder eine Option bin».

Natürlich habe er muskuläre Probleme bei diesen Belastungen, «aber die halten sich im Rahmen, und die haben andere auch». Er gehe jeden Tag an seine Grenze, das helfe seinem Körper - «aber ich höre auch auf ihn». Muskelkater? «Macht mir weniger aus als früher», erklärte der gebürtige Hanauer. «Ich kann das harte Training jetzt sogar genießen.»

Der Leidensweg des robusten Innenverteidigers hat nicht nur die Eintracht-Fans, sondern den deutschen Fußball bewegt. Als sich Russ das erste Mal nach seiner Operation wieder der Öffentlichkeit zeigte, war er sichtlich gezeichnet von seiner Krankheit und der Behandlung. Die Nähe zur Mannschaft suchte der langjährige Eintracht-Profi, der bis auf einen missglückten Ausflug zum VfL Wolfsburg (2011 bis 2013) seit über 20 Jahren für die Frankfurter spielt, aber bald wieder.

Vor allem mit Torjäger Alex Meier und Ersatzkeeper Heinz Lindner habe er oft Kontakt gehabt. Seine Erkenntnis nach der langen Zwangspause: «Gesundheit geht über alles. Fußball ist nicht das Allerwichtigste.»

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