Frankfurts Marco Russ hat so gut wie keinen Zweikampf oder ein Kopfballduell verloren. Foto: Daniel Reinhardt
Frankfurts Marco Russ hat so gut wie keinen Zweikampf oder ein Kopfballduell verloren. Foto: Daniel Reinhardt

Frankfurts Marco Russ hat so gut wie keinen Zweikampf oder ein Kopfballduell verloren. Foto: Daniel Reinhardt

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Frankfurts Marco Russ hat so gut wie keinen Zweikampf oder ein Kopfballduell verloren. Foto: Daniel Reinhardt

Frankfurt/Main (dpa) - So sieht in Frankfurt Erleichterung aus: Vom Mannschaftsarzt bis zur Pressesprecherin umarmte Armin Veh am Samstagabend jeden Einzelnen, der neben ihm am Spielfeldrand stand.

Normalerweise verschwindet der Trainer der Eintracht immer ganz schnell in der Kabine nach einem Spiel, aber was war bei diesem wichtigen 1:0 (1:0)-Sieg gegen Hertha BSC schon normal. Eintracht Frankfurt gewann zum Auftakt der Rückrunde endlich sein erstes Heimspiel in dieser Bundesliga-Saison und verhinderte dadurch auch noch den drohenden Absturz auf den Relegationsplatz.

«Der Heimfluch ist endlich weg», sagte Veh. Er sprach von einem «schmutzigen Sieg» und dem «unheimlichen Druck», unter dem seine Mannschaft nach den Erfolgen der Abstiegskampf-Konkurrenz gestanden hatte. «Auf Dauer ist mir so ein Spiel natürlich zu wenig. Aber wichtig ist heute nur, dass wir gewonnen haben. Fertig. Aus. Punkt!»

Wie Erleichterung klingt, war danach bei jedem einzelnen Spieler herauszuhören. «Von uns sind Riesenlasten abgefallen», meinte Kevin Trapp. Sebastian Jung formulierte das noch drastischer: «Es ist mir scheißegal, wie wir gespielt haben. Hauptsache, wir haben gewonnen.»

Die Art und Weise des Spiels ist in Frankfurt immer ein Thema. In der vergangenen Saison wurde die große Euphorie rund um die Eintracht auch nicht nur durch die reinen Erfolge entfacht, sondern gerade durch ihren schwungvollen, mitreißenden Stil. Den hat die Mannschaft nun spätestens zu Beginn der Rückrunde den rauen Gegebenheiten des Abstiegskampfes angepasst. Die Symbolfigur der neuen, deutlich rustikaleren Eintracht war gegen Hertha nicht mehr Pirmin Schwegler, der große Stratege, oder Alex Meier, der Schütze des entscheidenden 1:0 (36.). Der wichtigste Mann hieß Marco Russ, jener kantige Verteidiger, der kaum einen Zweikampf oder ein Kopfballduell verlor.

«Wir können in dieser Situation nicht mehr so Fußball spielen wie in der Vorsaison», sagte der 28-Jährige. «Es ist ja nicht so, dass wir vor Selbstvertrauen nur so strotzen. Da kann man nicht One-Touch-Football wie bei Bayern erwarten.»

Russ ist in Frankfurt bislang der große Gewinner des neuen Jahres. Veh zieht ihn seit Wochen ganz bewusst dem Brasilianer Anderson vor - auch um damit ein Signal an die Mannschaft zu senden. «Ich mag seine Einstellung, er fällt nicht bei jedem Luftzug um», meinte der Trainer, der allerdings auch ganz genau weiß, dass der Klassenerhalt allein mit gewonnenen Zweikämpfen und Kopfballduellen nicht zu schaffen sein wird. «Wir müssen defensiv so stabil bleiben, aber natürlich in der Offensive wieder besser Fußball spielen», betonte Veh. «Wir dürfen nicht jedes Mal darauf hoffen, dass Alex Meier einen Geistesblitz hat oder der Gegner wieder einen Fehler macht.»

Der Fehler unterlief in diesem Fall Herthas Per Skjelbred, der im Mittelfeld über den Ball säbelte und Meier vor dem 1:0 einen freien Weg zum Tor ermöglichte. Nachdem er diesen Lapsus, einen nicht gegebenen Elfmeter nach einem Foul von Carlos Zambrano (72.) und die wirklich schwache Frankfurter Angriffsleistung gesehen hatte, war dem Berliner Trainer Jos Luhukay nicht ganz klar, wie seine Elf dieses Spiel verlieren konnte. «Frankfurt macht aus ganz wenig viel», sagte er. «Dieses Spiel hätte eigentlich Unentschieden ausgehen müssen.»

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