Sportdirektor
Matthias Sammer hat sich schnell beim FC Bayern München etabliert. Foto: Andreas Gebert

Matthias Sammer hat sich schnell beim FC Bayern München etabliert. Foto: Andreas Gebert

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Matthias Sammer hat sich schnell beim FC Bayern München etabliert. Foto: Andreas Gebert

Borissow (dpa) - Auf seiner ersten Champions-League-Reise mit dem FC Bayern nahm Matthias Sammer weit vorne im Sonderflieger neben Uli Hoeneß Platz. Die alte und die neue «Abteilung Attacke» beim deutschen Fußball-Rekordmeister - zumindest ist Sammer auf dem Weg dahin.

Auch im Rahmen des Münchner Königsklassen-Spiels beim FC BATE Borissow wurde noch viel über den warnenden Auftritt des neuen Sportvorstands nach dem Bremen-Sieg gesprochen. Sowohl bei den ermahnten Profis als auch bei den Bossen kam Sammers Kritik gut an.

«Ich glaube, er ist ein Mann, der die Gefahr erkennt und auch reagiert», betonte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Trainer Jupp Heynckes allerdings ist nicht ganz glücklich und verwahrte sich gegen den ersten Rundumschlag des neuen Sportdirektors. «Mit der Form, der Art und Weise war ich nicht einverstanden. Das habe ich ihm auch gesagt», sagte Heynckes vor der Partie seines Clubs beim weißrussischen Meister.

Wichtig sei, dass Kritik an der Mannschaft immer konstruktiv, angemessen und nicht übertrieben sei, betonte der Münchner Chefcoach. «Ich finde, dass die Kritik überzogen war. Ich finde auch, wir sollen die Kritik intern machen und nicht extern», betonte Heynckes im Pay-TV-Sender Sky. Sammer hatte die Münchner Fußball-Profis trotz ihres jüngsten 2:0-Sieges in der Bundesliga bei Werder Bremen scharf kritisiert.

Die Frage, wie viel Hoeneß schon in Matthias Sammer stecke, wiegelte der Vorstandschef ab. «Das ist ja schon mal geografisch eine unterschiedliche Herkunft.» Trotz der unterschiedlichen Vita haben die Auftritte von Hoeneß und Sammer Gemeinsamkeiten: Sie polarisieren, sprechen Klartext, sie finden und nutzen die mediale Bühne. Und antizyklisches Warnen, also lieber nach einer Siegesserie als nach einer sportlichen Pleite, hat bei den Münchnern durchaus Tradition.

Anders als der zurückhaltendere Sportdirektor Christian Nerlinger steht Sammer wortreich für seine Positionen ein - für Leidenschaft, Perfektionismus und den Leistungsgedanken. Auch als gebürtiger Dresdner und früherer Dortmund-Meister lebt er das bayerische «Mia san mia» nahezu perfekt vor. «Ich bin immer schon ein Verfechter davon gewesen, dass die wahre Stärke in der eigenen Denkweise und der eigenen Orientierung liegt», betonte der 45-Jährige.

Nach dem «Schleudertrauma» seiner ersten Tage, wie er nach dem Arbeitsbeginn vor rund 100 Tagen wiederholt betonte, schärft Sammer sein Profil an der Säbener Straße. Stets ist er als Beobachter bei den Einheiten dabei. Beim Abschlusstraining im Dynamo-Stadion in Minsk lehnte er mit wachem Blick an einer Werbebande.

Auch wenn sich Hoeneß anders als Rummenigge und Heynckes nicht zu Sammers Auftritt vom Wochenende äußerte, dürfte dieser dem Präsidenten gefallen haben. Hatte doch der Aufsichtsratschef vor Saisonbeginn den Wunsch geäußert, dass künftige «Grundsatzgespräche mit Matthias» statt mit ihm geführt würden. Wie er die Geschäftsführung seiner Wurstfabrik seinem Sohn übertrug, so will er einige wichtige Rekordmeister-Anliegen künftig von Sammer übernommen sehen.

Trotz einiger teurer Spielerkäufe lobte auch Ehrenpräsident Franz Beckenbauer die Verpflichtung Sammers als «die beste Entscheidung seit vielen Jahren». «Matthias hat das Sportdirektoren-Amt beim DFB stark positioniert», betonte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff in der «Bild» (Dienstag) und ergänzte: «Wenn Matthias auf seine manchmal unbequeme Art mit Bayern Erfolg hat, was ihm sehr wünsche, hilft es am Ende der Nationalelf.»

Die Siegermentalität ist Sammer dabei besonders wichtig. Da erkennt er «Reserven im deutschen Fußball. Seit 2001 haben wir keinen internationalen Titel im deutschen Fußball geholt. Wir müssen überlegen, was haben die damals gut gemacht. Die Generationen sind unterschiedlich, aber ich glaube, die Erfolgsformeln sind die gleichen», erklärte Sammer.

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