Doppelgänger
Sven Bender (oben) springt höher als sein Zwillingsbruder Lars Bender.

Sven Bender (oben) springt höher als sein Zwillingsbruder Lars Bender.

Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack nahm zuerst auf der Bank Platz.

Mario Götze (M.) lässt sich für sein Tor zum 3:0 feiern.

Leverkusens Renato Augusto (r) und Dortmunds Nuri Sahin im Laufduell.

Die Leverkusener um Stefan Kießling gerieten oft ins Straucheln.

Kevin Großkreutz (M.) erzielte zwei Treffer für den BVB.

dpa, Bild 1 von 6

Sven Bender (oben) springt höher als sein Zwillingsbruder Lars Bender.

Leverkusen (dpa) - Vor dem Start in die Rückrunde gab es mutige Kampfansagen der Verfolger aus Leverkusen und München, nach dem Spieltag die kleinlaute Kapitulation. Die angekündigte Jagd auf Borussia Dortmund scheint zu Ende, ehe sie richtig begonnen hat.

Alle Hoffnungen auf einen Einbruch des Herbstmeisters entpuppten sich als Wunschdenken. Genüsslich verfolgten die «Unglaublichen» einen Tag nach dem famosen 3:1 (0:0) in Leverkusen die Patzer der weiteren Titel-Konkurrenten Mainz 05 und FC Bayern. Mit einem Dauergrinsen kommentierte Doppeltorschütze Kevin Großkreutz den Ausbau der Tabellenführung: «Alle haben uns kleingeredet, aber wir lassen uns nicht klein machen.»

Erste Glückwünsche zur Meisterschaft wollte Hans-Joachim Watzke trotz der exzellenten Ausgangslage jedoch noch nicht annehmen. «Mit 46 Punkten hat noch nie ein Team den Titel gewonnen», entgegnete der BVB-Geschäftsführer. Mit sage und schreibe 13 Zählern führt das Team der Superlative die Tabelle vor Mainz und Leverkusen an, Titelverteidiger München liegt gar 16 Punkte zurück. Die Verwunderung über diese Abstände hielt sich bei Manndecker Neven Subotic in Grenzen: «Wir wussten aus der Hinrunde, dass wir neue Maßstäbe setzen können.»

Allein die Auswärtsbilanz der Borussia ist atemberaubend. Wer neun von zehn Spielen in der Fremde gewinnt, dürfte auf dem Weg zum Titel kaum noch zu stoppen sein. Selbst den Ausfall des für den Asien Cup abgestellten Mittelfeldspielers Shinji Kagawa meisterte der BVB ohne Probleme. In die Rolle des Japaners schlüpfte der erst 18 Jahre alte Jungnationalspieler Mario Götze. Die Erleichterung über den Traumstart ins neue Jahr und ein Wochenende nach Maß stand Trainer Klopp ins Gesicht geschrieben: «Es gab eine gute Nachricht: Wir sind wieder da - und spielen genauso gut wie in der Hinrunde.»

Binnen weniger Minuten riss seine abermals erstaunlich souveräne Rasselbande den Tabellendritten aus allen Träumen von einer Aufholjagd. Nach den Treffern von Kevin Großkreutz (49./53.) und Götze (55.) feierten die BVB-Fans auf der Tribüne bereits überschwänglich die Meisterschaft. Selbst der ansonsten als eher nüchterner Analytiker bekannte BVB-Präsident Reinhard Rauball geriet ins Schwärmen: «Und dann kamen diese unglaublichen sechs, sieben Minuten nach der Pause. So etwas habe ich eigentlich noch gar nicht erlebt. Wir haben denen die richtige Antwort gegeben, die heute etwas ganz anderes erwartet hatten.»

Woche für Woche setzen die Himmelstürmer vermeintliche Gesetzmäßigkeiten außer Kraft. Allen Prognosen zum Trotz, nach denen eine solch junge Mannschaft dem immensen Druck nicht standhalten kann und dem eigenen kräftezehrenden Spielstil zum Opfer fallen wird, stürmt die Borussia von Sieg zu Sieg. «Ich wüsste nicht, warum wir einen Einbruch erleben sollten», sagte Taktgeber Nuri Sahin.

In der Winterpause sammelten die Profis neue Kraft. So avancierte der am Ende der Hinrunde völlig ausgelaugte Großkreutz zum umjubelten Matchwinner. Es war ein Doppelschlag mit Ansage: «Kevin hat mir einen Tag vorher auf dem Zimmer erzählt, morgen mache ich zwei Kisten», verriet der zur Halbzeit verletzt ausgewechselte Sven Bender.

Die Gefahr, dass die Mannschaft angesichts der komfortablen Tabellenführung nun abheben könnte, hält Michael Zorc für gering. «Dieses Team muss man nicht auf dem Boden halten, das Umfeld können wir nicht auf dem Boden halten - also machen wir einfach so weiter wie bisher», sagte der Sportdirektor.

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