Ausgebootet
Michael Thurk (r) wurde beim FC Augsburg suspendiert.

Michael Thurk (r) wurde beim FC Augsburg suspendiert.

dpa

Michael Thurk (r) wurde beim FC Augsburg suspendiert.

Augsburg (dpa) - Der Publikumsliebling steht im Abseits, die empörten Fans laufen Sturm: Der Fall Michael Thurk hat Aufsteiger FC Augsburg unmittelbar vor dem großen Abenteuer Fußball-Bundesliga in ein Tollhaus verwandelt.

Die Euphorie beim 51. Bundesliga-Club ist vor dem Heimauftakt gegen den SC Freiburg erst einmal dahin, der Verein muss sich intensiv um Schadensbegrenzung bemühen. «Die getroffene Entscheidung ist sicherlich der unbequemere Weg, den die sportliche Leitung beschreitet, aber aus unserer Sicht notwendig», erklärte der Verein in einem Schreiben an seine Fanclubs und beschwor inständig «den Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft».

Lange glich die Vorbereitung der Mannschaft von Trainer Jos Luhukay einem schwäbischen Sommertraum. Woche für Woche konnte der Bundesliga-Aufsteiger Rekorde vermelden, erst verdoppelte sich die Zahl der Mitglieder, dann wurde mit 17 500 abgesetzten Saisontickets ein Dauerkarten-Rekord verbucht. Mühevoll, aber letztlich erfolgreich wurde auch Rot-Weiß Oberhausen als erste Hürde im DFB-Pokal genommen. Ohne Thurk.

Doch seit Montag überschlagen sich beim Traditionsclub, für den einst Größen wie Helmut Haller und Bernd Schuster spielten, die Ereignisse. Völlig überraschend wurde Thurk vom «Trainings- und Spielbetrieb freigestellt», zur Begründung führte Trainer Jos Luhukay «in erster Linie sportliche Gründe» an. Anders als in der 2. Liga will der FCA im Oberhaus mit nur einem zentralen Stürmer bestehen. «Diese Position kann Michael Thurk (auch nach eigener Einschätzung) nicht ausfüllen», schrieben Luhukay und Manager Andreas Rettig in dem Brief an die Fanclubs, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Viel entscheidender für die überraschende Trennung vom 35-Jährigen scheint aber zu sein, dass die Vereinsführung in dem Bankdrücker Thurk einen Unruheherd sah. In der Vergangenheit habe es mit dem Stürmer «zum Teil gravierende Meinungsverschiedenheiten» gegeben, gestand der Verein in dem Brief und begründete die Ausbootung. «Da nun, nicht zuletzt auch aufgrund der gemachten Erfahrungen, bei Nichtberücksichtigung von Michael Thurk die (...) wichtigen Voraussetzungen für den Klassenerhalt wie Teamgeist und Zusammenhalt gefährdet sind, war dieser Schritt unausweichlich.»

Dies sehen viele Fans aber ganz und gar nicht so. «Es gab Kritik, es gab sogar einige Kritik», räumte am Mittwoch Vereinssprecher Dominik Schmitz ein. Unterstützung erhält der geschasste Torjäger auch im Internet, wo FCA-Fans via Facebook eine Rückkehr des Routiniers fordern. «Das ist natürlich ein schönes Gefühl für mich, dass ich in dieser Situation nicht alleine bin», sagte Thurk dem Lokalsender «Radio Fantasy».

Zunächst erwog Thurk sogar, gegen seine Freistellung vor Gericht zu ziehen. «Aber ich bin von dem Gedanken abgekommen», sagte er am Mittwoch dem Lokalsender. «Ich werde das nicht wahrnehmen, weil ich eben eine zu schöne Zeit hier hatte und nichts kaputt machen möchte mit einem Gang vor das Arbeitsgericht.» Doch Aufgeben will der Routinier, dessen Vertrag noch bis zum Saisonende läuft, nicht: Ein Vereinswechsel komme für ihn nicht infrage, er werde sich nun allein fithalten und auf seine Chance warten.

Dies birgt für den Neuling - im Misserfolgsfall - große Gefahren. Mit jeder vergebenen Torchance seiner ehemaligen Kollegen dürften die Rufe nach dem Torgaranten immer lauter werden. Dem FC Augsburg steht in seiner ersten Bundesliga-Saison mit der Causa Thurk eine unendliche Geschichte ins Haus.

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