Der BVB dreht das Spiel gegen den SC Freiburg mit drei Toren in 293 Sekunden. Klopps Rückkehrer trifft beim 5:1 doppelt.

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Dortmunds „Sechser“, Nuri Sahin (2.v.l.), bejubelt Leonardo Bittencourts (l.) ersten Treffer für den BVB.

Dortmunds „Sechser“, Nuri Sahin (2.v.l.), bejubelt Leonardo Bittencourts (l.) ersten Treffer für den BVB.

Fassbender

Dortmunds „Sechser“, Nuri Sahin (2.v.l.), bejubelt Leonardo Bittencourts (l.) ersten Treffer für den BVB.

Dortmund. Nuri Sahin musste seit Januar hinten anstehen. Ganz weit sogar. Hinter Ilkay Gündogan, hinter Sven Bender und hinter Sebastian Kehl. Keine einfache Zeit für den Rückkehrer. „Ich war schon ein bisschen ungeduldig“, gab der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund nach dem 5:1 (3:1)-Erfolg gegen den SC Freiburg zu. Ein Sieg, zu welchem er mit zwei Treffern (44./73.) und einer Torvorbereitung (41.) maßgeblich beigetragen hatte.

Rotterdam, Madrid, Liverpool – Sahin findet sein Glück in Dortmund

Nicht der einmal mehr überragende Robert Lewandowski war der gefragteste Spieler. Auch nicht Leonardo Bittencourt, der sein erstes Tor für den BVB erzielte. Nein, es war Sahin.

Der Sechser, der immer erst in die Ferne schweifen muss (Feyenoord Rotterdam, Real Madrid, FC Liverpool), um nach seiner Rückkehr in den Pott zu merken, was er an den Borussen hat. „Der Knoten ist geplatzt“, sagte er nach seinem starken Auftritt. „Ich war und bin in der Bringschuld.“

Das verletzungsbedingte Fehlen von Bender und Kehl war seine Chance – die er nutzte. Mit zunehmender Sicherheit, mit Präsenz, mit Toren. „Selbstvertrauen ist ein kleines Dreckspflänzchen, das leicht zu zertreten ist“, sagte Trainer Jürgen Klopp über den Seelenzustand des Zugangs, der zunächst einmal für anderthalb Jahre ausgeliehen ist.

Sahin zweifelte wochenlang an sich selbst. An seinen Fähigkeiten, die noch vor zwei Jahren maßgeblich zum Titelgewinn des BVB beigetragen hatten. Am Samstag ließ er sie endlich wieder aufblitzen. Rechtzeitig und rund 50 Minuten lang.

Überragend: Sahin, Lewandowksi Gut: Santana, Blaszczykowski Durchschnittlich: Weidenfeller, Piszczek, Subotic, Schmelzer, Gündogan, Götze, Reus

Überragend:Gut: Baumann, Schmidt Durchschnittlich: Kruse, Caligiuri Enttäuschend: Günter, Krmas, Ginter, Sorg, Flum, Schuster, Terrazzino

Zuvor war Sahin wie seine Mannschaftskameraden gegen laufstarke und mutige Freiburger auf Tauchstation gegangen. Die Folge: ein verdienter 0:1-Rückstand, den Jonathan Schmid nach exzellenter Vorarbeit von Max Kruse herausgeschossen hatte (28.). „Um 16.10 Uhr hätte dieses Endergebnis niemand für möglich gehalten“, gab Klopp zu.

Doch dann folgten 293 Sekunden, in denen der Tabellenzweite den Knoten löste. Lewandowski, Sahin und noch einmal Lewandowski – zur Pause war die Partie im Schnelldurchgang komplett gedreht. „Da haben wir eine große Naivität an den Tag gelegt“, bemängelte Freiburgs Coach Christian Streich, der sich ansonsten über die Transfergerüchte um seine Profis echauffierte.

Sohn Ömer war zum ersten Mal im Stadion

„Unsere Spieler werden angeboten wie auf dem Viehmarkt“, sagte Streich. „In den großen Zeitungen stehen die Ausstiegsklauseln mit Beträgen. Da kommt eine wahnsinnige Unruhe auf.“

Anders als beim BVB, wo die direkte Qualifikation für die Champions League konkrete Formen annimmt. Möglicherweise auch durch Ömers Anwesenheit. „Mein Sohn“, sagte Nuri Sahin, „war zum ersten Mal im Stadion. Da musste ich doch Leistung bringen.“

Klopp hatte an Sahin Fähigkeiten ohnehin keine Zweifel. „Wenn du als guter Klavierspieler mit der Hand aus dem Gips kommst, kannst du auch nicht gleich wieder die Ouvertüre spielen“, sagte der Trainer. Sahins Hände waren immer fit. Die Füße meistens auch. Jetzt scheinen aber vor allem Kopf und Seele des sensiblen Fußballers für weitere Auftritte vor 80 000 Fans gerüstet.

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