Unter Druck
HSV-Trainer Armin Veh ist mit dem Spiel seiner Mannschaft nicht zufrieden.

HSV-Trainer Armin Veh ist mit dem Spiel seiner Mannschaft nicht zufrieden.

dpa

HSV-Trainer Armin Veh ist mit dem Spiel seiner Mannschaft nicht zufrieden.

Leipzig (dpa) - Hohe Ansprüche, kleiner Ertrag: Der «Club der Sorgenkinder» aus Hamburg, Stuttgart, Wolfsburg und Bremen hinkt nach einer Bundesliga-Hinrunde zum Vergessen den eigenen Erwartungen meilenweit hinterher.

Doch nur der auf den vorletzten Tabellenplatz abgestürzte VfB Stuttgart hat aus der Talfahrt drastische Konsequenzen gezogen und bereits zweimal den Fußball-Trainer gewechselt. Beim Hamburger SV entzündet sich die Kritik vor allem an Clubchef Bernd Hoffmann, beim VfL Wolfsburg gerät Coach Steve McClaren immer mehr unter Druck. Einzig beim Nordrivalen Werder Bremen hat sich trotz der Niederlage in Dortmund die Lage beruhigt.

Als Mutmacher kann den strauchelnden Vier der katastrophal gestartete FC Schalke 04 dienen. Der Champions-League-Teilnehmer berappelt sich in der Liga allmählich und konnte dank des 1:0 beim FSV Mainz 05 einen Sprung von Platz 15 auf zehn hinlegen.

Von einer solchen Situation können die Stuttgarter nur Träumen. Die Schwaben haben in einer ihrer größten Krisen ein Zeichen gesetzt: Bruno Labbadia ersetzte Jens Keller auf der Trainerbank. Der 44-Jährige soll den Tabellen-17. vor dem ersten Bundesliga-Abstieg seit 1975 bewahren. «Wir sehen nur das Ziel, am letzten Spieltag in der Bundesliga zu bleiben», sagt Labbadia.

Als «Altersheim» («Bild») wird sein ehemaliger Club, der Hamburger SV, veräppelt: Das Gros der Leistungsträger scheint über den Zenit hinaus zu sein. Deshalb wird von Trainer Armin Veh der Umbruch beim Tabellenneunten verlangt. Der ehemalige Stuttgarter Meistercoach ist sich der prekären Lage bewusst. «Wir stecken in einer schweren Krise, und es besteht die Gefahr einer Spirale», sagt Veh. Unmut entlädt sich daher auch in Richtung Clubchef Hoffmann. Einige HSV-Anhänger fordern wieder heftiger dessen Abschied.

140 Kilometer weiter südlich herrscht in Wolfsburg Depression: Der Meister von 2009 steht nur drei Punkte vor dem Relegationsplatz. Manager Dieter Hoeneß will aber trotz der Flaute an McClaren festhalten - nicht zuletzt, weil er ihn im Sommer beim Finanzier Volkswagen durchgesetzt hatte. Die Konzernbosse sind aber für ihre Ungeduld bekannt. Ihr Anspruch: Der VfL gehört in die Champions League. Hoeneß räumt jedoch ein: «Im Moment von der Europa League zu sprechen, wäre vermessen.» Wichtig für McClaren wäre aber sicher, die letzten Heimspiele 2010 gegen Hoffenheim (Liga) und Cottbus (DFB- Pokal) erfolgreich zu bestreiten.

Anschließend soll in der Winterpause die Lage analysiert werden. Brandherde gibt es genug: Die «Wölfe» tun sich gegen bissige Konkurrenten schwer, Spielmacher Diego agiert wie ein Fremdkörper und auch die Diskussion um einen möglichen Abgang von Kapitän Edin Dzeko stört immer wieder den Betriebsfrieden. «Ihm fehlt ein bisschen die Leichtigkeit», sagt Hoeneß.

Im Pokal ausgeschieden, im Europapokal raus und in der Bundesliga nur auf Rang zwölf: Auch die Bremer sind in Schieflage geraten. Dennoch sagt Clubchef Klaus Allofs: «Der Blick bleibt nach oben gerichtet. An unserem Ziel Europa League hat sich nichts verändert.» Werder bleibt also ruhig, lässt sich auf keine Diskussion über Trainer Thomas Schaaf ein. Mit dem Sieg gegen Inter Mailand gab es zum Abschluss der Champions League ein Hoffnungszeichen.

Große Stücke hält Werder auf die vielen Verletzten um Naldo, der noch kein Saisonspiel absolviert hat. Nach der Winterpause sollen sie wieder einsatzfähig sein. Dann will Bremen eine Aufholjagd starten. Das eint den «Club der Sorgenkinder»: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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