Gläubig
Der Stuttgarter Cacau ist ein sehr gläubiger Mensch. Foto:Caroline Seidel

Der Stuttgarter Cacau ist ein sehr gläubiger Mensch. Foto:Caroline Seidel

dpa

Der Stuttgarter Cacau ist ein sehr gläubiger Mensch. Foto:Caroline Seidel

Mogi das Cruzes (dpa) - Auf diese Reise freut sich Cacau besonders. Nach einem fußballerisch enttäuschenden Jahr macht sich der frühere Nationalstürmer auf den Weg in seine alte Heimat Brasilien.

In Mogi das Cruzes, rund 70 Kilometer von Sao Paulo entfernt, will der 32-Jährige ein von ihm unterstütztes soziales Projekt besuchen. «Ich habe mir damals gedacht, wenn ich einmal oben bin, will ich auch ein bisschen was zurückgeben», erzählte der Angreifer des VfB Stuttgart bei der Präsentation des Konzepts Anfang Dezember. Mit der Gründung einer Fußballschule und dem Bau eines Fußballplatzes sollen Mädchen und Jungen in der kargen Region eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bekommen.

Jerônimo Maria Barreto Claudemir da Silva, wie Cacau mit vollem Namen heißt, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig solche Projekte sind. Seine alleinerziehende Mutter zog ihn und zwei Brüder auf. Geld war kaum vorhanden, auch Cacau hat damals Hilfe bekommen. Nun will er etwas zurückgeben. «Wir wollen den Kindern Selbstbewusstsein geben», erzählte die Nummer 18 der Schwaben, «das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und ihnen Respekt voreinander vermitteln.»

Rund 70 bis 80 Kinder aus der Region sollen ausgewählt und von Sportlehrern betreut werden. Die Jugendlichen sollen im Idealfall selbst zu Coaches ausgebildet werden.

Cacaus Schwägerin und sein Schwippschwager sind vor Ort, um ihm von dem auf zunächst zwei Jahre ausgelegten Projekt regelmäßig zu berichten. «Für mich ist wichtig, dass ich nicht nur Repräsentant bin», meinte der Angreifer, Vater von drei Kindern. Nachhaltigkeit sei ihm wichtig. «Wir teilen die gleichen Ansätze», bekräftigte Christoph Waffenschmidt von World Vision, mit dem das Projekt in die Tat umgesetzt wird.

Dass Cacau einmal in Europa landet, hätte er sich früher wohl kaum träumen lassen. In Brasilien war er als Fußballer schon durch den Rost gefallen, ehe er 1999 mit einer Sambagruppe nach Deutschland kam. «Ich bin ein bisschen mitgereist, habe beim Auf- und Abbauen geholfen», erzählte Cacau, der zwei Patenkinder in Mosambik hat, über seinen Trip in eine bessere Zukunft. «Ich habe aber nicht getanzt», ergänzte er schmunzelnd.

Über den Landesligisten Türkgücü München und das Amateurteam des 1. FC Nürnberg kämpfte sich Cacau weit nach oben. Der Lohn: Meister 2007 mit dem VfB und WM-Dritter 2010 mit dem DFB. Seitdem haben Cacau aber viele Verletzungen zurückgeworfen. Zuletzt ein Muskelbündelriss in der Wade. Sein großes Ziel ist nun das Wintertrainingslager des VfB in Südafrika im Januar. Dort will er wieder angreifen.

Am Ende seiner Fußballerlaufbahn sieht sich Cacau, dessen Vertrag bei den Stuttgartern ausläuft, noch lange nicht. «Ich werde meine Karriere nicht nach dieser Saison beenden», stellte er klar. Cacau hat nach eigener Aussage gelernt, «in schwierigen Situationen» wieder aufzustehen. «Ich hoffe, dass es noch ein paar Jahre geht.» Entweder hier oder auch im Ausland. Seine neue Heimat hat Cacau aber mittlerweile in Deutschland gefunden.

In seiner alten Heimat will er zur WM auf jeden Fall vor Ort sein. Deutschland, Brasilien und Titelverteidiger Spanien sind für ihn die Favoriten. Cacau hofft auf ein Fußball-Spektakel und darauf, dass sich das Land am Zuckerhut voller Gastfreundschaft zeigt.

Die Begleitumstände des Events mit Massenprotesten sieht er mit Sorge, für die friedlichen Demonstranten hat er Verständnis. «Ich habe gelernt, die Veränderung kommt von innen nach außen, nicht von außen nach innen», meinte Cacau auf die Frage, ob die WM das Land tatsächlich nach vorne bringe. Er jedenfalls hofft inständig, dass das Turnier Brasilien einen Impuls gibt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer