Jürgen Klopp über die Ziele der Rückrunde, sein Verhältnis zur Presse und die übermächtigen Bayern.

Interview
Blickt trotz Platz vier für den BVB nach der Hinrunde optimistisch in die Zukunft: Jürgen Klopp.

Blickt trotz Platz vier für den BVB nach der Hinrunde optimistisch in die Zukunft: Jürgen Klopp.

dpa

Blickt trotz Platz vier für den BVB nach der Hinrunde optimistisch in die Zukunft: Jürgen Klopp.

La Manga. Die Hinrunde in der Bundesliga-Saison war für Borussia Dortmund ernüchternd. Trainer Jürgen Klopp hat nicht nur das Verletzungspech und der vierte Rang zugesetzt, sondern auch die öffentliche Wahrnehmung. Im Interview erklärte der 46-Jährige, dass er über sich nachgedacht habe. Und er zeigte sich überzeugt, dass sein Team angreifen wird.

Herr Klopp, sind Sie durch die wenig erfreuliche Schlussphase in der Hinrunde dünnhäutiger geworden?

Jürgen Klopp: Dass ich wie jeder Mensch nach Niederlagen ein bisschen schlechter drauf bin als nach Siegen, liegt in der Natur der Sache. Ich fand mich aber nicht dünnhäutig. Aufgrund unterschiedlichster Dinge, die passiert sind, hatte ich mein Verständnis für die Medienschaffenden anscheinend mal abgelegt und war sehr direkt. Ich habe darüber nachgedacht. Jetzt ist alles wieder gut.

Welche Ziele haben Sie?

Klopp: Wenn wir am Saisonende Zweiter werden sollten, hole ich mir einen Lastwagen, fahr durch den Garten und freue mich. Was den DFB-Pokal angeht, gibt es keine Limits. In der Champions League sind wir nicht gerade der Titelfavorit, aber das waren wir letztes Jahr auch nicht und sind trotzdem ins Finale gerutscht. Ich wünsche mir, dass Ende Mai alle BVB-Fans mit einem Strahlen auf die Saison zurückblicken.

„Zlatan Ibrahimovic? Es gibt gar keine Chance, dass wir so einen Spieler mal verpflichten.“

Jürgen Klopp

16. Juni 1967 (46 Jahre alt)

in zweiter Ehe verheiratet, ein Sohn

Als Spieler von 1990 bis 2001 bei Mainz 05; 2001 bis 2008 Trainer in Mainz; seit 2008 Trainer bei Borussia Dortmund.

Deutscher Meister 2011, 2012, DFB-Pokal-Sieger 2012 mit Borussia Dortmund.

Die Konkurrenz in der Bundesliga ist groß, Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach stehen vor Dortmund.

Klopp: Platz zwei in der Liga ist superschwer. Wir sind nun wieder in der Rolle des Jägers und gehen vollgeladen in die Rückrunde.

Wie kann man eine Mannschaft motivieren, wenn sie weiß, dass es nur noch um Platz zwei in der Bundesliga geht?

Klopp: Wie könnte ein Mensch sich hinstellen und sagen: Für Platz zwei bin ich nicht bereit, etwas zu investieren. Das empfinde ich als dämlich.

Aber es ist doch eine Frage des gestiegenen Erwartungsdrucks, oder nicht?

Klopp: Nein, das ist eine Frage der gestiegenen Erwartungshaltung. Wir haben die Bayern mit unseren Titeln bis zur Weißglut gereizt, und sie haben mit allem zurückgeschossen, mit dem man zurückschießen kann.

Wie kann man mit Bayern München wieder auf Augenhöhe agieren?

Klopp: In einem Spiel können wir das schaffen. Aber die Bayern haben die allergrößten Möglichkeiten auf das zu reagieren, was passieren kann. Es ist eine Topmannschaft mit einer Breite, die ihresgleichen auf diesem Planeten sucht. Das macht es für alle Mannschaften, die mit ihr im ständigen Wettbewerb stehen, so schwer. Diesen Wettkampf kann man auf Dauer nicht gewinnen.

Offenbar auch nicht auf dem Transfermarkt. Aber aufgrund der Erfolge muss Dortmund mehr investieren, um Robert Lewandowskis Abgang nach München zu kompensieren. Wie schwer wird das?

Klopp: Personal zu finden, ist immer schwer und für den BVB sicher auch nicht leichter geworden. Dass wir ein paar gute Transfers in den vergangenen Jahren gemacht haben, ist offenkundig. Wenn wir jetzt irgendwo ankommen, wird nicht nur der Spieler teurer, sondern auch die Interessenten-Gruppe größer, die wir hinterher ziehen.

Zlatan Ibrahimovic hatte sich scherzhaft auf der Weltfußballer-Wahl für Borussia Dortmund ins Gespräch gebracht . . .

Klopp: Ich mag ihn, ich mag seine Extravaganzen, er ist ein überragender Fußballer. Es gibt allerdings gar keine Chance, dass wir so einen Spieler mal verpflichten. Aber er hat mir gesagt, dass es ihm Spaß macht, uns Fußball spielen zu sehen. Früher wusste er wahrscheinlich gar nicht, dass es in Dortmund einen Fußball-Verein gibt. Jetzt weiß er das, und er findet ihn auch noch cool. Damit ist alles gesagt.

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