Debakel
André Breitenreiter ist von seiner Paderborner Mannschaft enttäuscht. Foto: Frank Rumpenhorst

André Breitenreiter ist von seiner Paderborner Mannschaft enttäuscht. Foto: Frank Rumpenhorst

dpa

André Breitenreiter ist von seiner Paderborner Mannschaft enttäuscht. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main (dpa) - André Breitenreiter wischte sich noch einmal den Mund ab, gratulierte freundlich seinem Kollegen Thomas Schaaf - und zog ein resigniertes Fazit des Paderborner Debakels.

«Wir haben heute gespielt wie ein Absteiger. Da brauchen wir nichts schönzureden», sagte der Trainer des SC Paderborn nach dem 0:4 (0:2) bei Eintracht Frankfurt. Es sei ja «oft oder eigentlich immer so, dass ich zu 100 Prozent meine schützende Hand über die Spieler halte, aber heute kann ich das nicht. Wir waren nicht bereit und in der Lage, uns zu wehren. Das hatte nichts mit erster Bundesliga zu tun.»

Begonnen hat der Absturz des Aufsteigers schon vor viereinhalb Monaten. Von den vergangenen 15 Spielen gewannen die Paderborner nur eines, die entmutigende Bilanz der jüngsten vier Partien lautet: 0 Punkte, 0:15 Tore. Dem Tabellen-16. blieb dank der Freiburger Niederlage in Wolfsburg wenigstens der Sturz auf einen direkten Abstiegsplatz erspart. Aber trotzdem wirkte Breitenreiter an diesem Wochenende zum ersten Mal so, als würde er nicht mehr oder zumindest nicht mehr vorbehaltlos an seine Mannschaft glauben. «Im Moment haben bei uns nur sehr wenig Spieler das Format für die 1. Bundesliga», meinte er in Frankfurt. «Wenn wir so spielen wie heute, werden wir keine Chance in dieser Liga haben.»

Breitenreiter gestikulierte nicht wild herum, als er das sagte, wie einst Giovanni Trapattoni bei seiner legendären Flasche-leer-Rede. In seinen Augen funkelte auch kein Zorn wie vor zweieinhalb Jahren bei Bruno Labbadia und dessen Trainer-sind-nicht-die-Mülleimer-von-allen-Rede. Der 41-Jährige sprach nur ohne jede Erregung in der Stimme aus, was jeder der 46 000 Zuschauer im Stadion zuvor gesehen hatte. Eine Paderborner Mannschaft, die mutig begann und dann nach der Frankfurter Führung durch den 19. Saisontreffer von Alexander Meier (27. Minute) völlig in sich zusammenfiel. Und eine Paderborner Mannschaft, die in dieser Besetzung kaum wettbewerbsfähig ist, seit sie nicht mehr von der Euphorie und dem Selbstvertrauen des Aufstiegs getragen wird.

«Wir sind mit einer Zweitliga-Mannschaft aufgestiegen und haben unseren Kader nur punktuell verstärkt. Jetzt messen wir uns mit etablierten Bundesliga-Spielern. Heute hat man das gut gesehen», erklärte Breitenreiter. «Wie Treibsand» hätte sein Team gewirkt, meinte der frühere Frankfurter Marvin Bakalorz angesichts der Überlegenheit der Eintracht. Marc Stendera (42.), Stefan Aigner (55.) und Nelson Valdez (82.) bei seinem umjubelten Comeback nach sechseinhalb Monaten Verletzungspause schossen die weiteren Tore an diesem Tag. Gegenwehr leistete Paderborn nicht.

Doch wie geht es jetzt weiter mit dem laut Breitenreiter «krassesten Außenseiter der Bundesliga-Geschichte»? Für Paderborn spricht immerhin, dass man der Konkurrenz nach wie vor nicht hoffnungslos hinterherhechelt, wie es die SpVgg Greuther Fürth und Eintracht Braunschweig in den beiden Vorjahren taten. In den letzten neun Saisonspielen geht es zudem noch gegen fast alle direkten Konkurrenten wie Hertha BSC, den SC Freiburg und den VfB Stuttgart.

«Letztlich bleibt uns nur übrig, dass wir arbeiten, gut trainieren und uns im Training die Sicherheit zurückholen, die auf dem Platz momentan nicht vorhanden ist», sagte Breitenreiter. Oder wie es Manager Michael Born ausdrückte: «Die anderen spielen immer noch für uns. Aber irgendwann müssen wir uns auch mal wieder selbst helfen.»

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