Im Rampenlicht
Mehmet Ekici hat sich in Nürnberg erstaunlich entwickelt.

Mehmet Ekici hat sich in Nürnberg erstaunlich entwickelt.

dpa

Mehmet Ekici hat sich in Nürnberg erstaunlich entwickelt.

Belek (dpa) - Die Jagd nach Mehmet Ekici beginnt in Belek nach jedem Training des 1. FC Nürnberg. Türkische Journalisten wollen unbedingt ein Interview mit dem Jungstar des Clubs, Zuschauer oder Hotelangestellte ein Foto.

Sechs Fußball-Bundesligisten bereiten sich gerade in dem türkischen Urlaubsort auf die Rückrunde vor, aber die größte Aufmerksamkeit bekommen nicht Schalkes Raúl oder Kölns Lukas Podolski, sondern der erst 20 Jahre alte Ekici und sein Teamkollege Ilkay Gündogan. «Seit seinem Länderspiel-Debüt ist Ekici bei uns berühmt», sagt ein Reporter des TV-Senders TRT. Vor zwei Monaten spielte der offensive Mittelfeldmann zum ersten Mal für die Türkei.

Ekici und Gündogan haben vieles gemeinsam. Sie sind beide gleich alt, wurden als Kinder türkischer Eltern in Deutschland geboren, ragten beide aus einer überraschend starken Nürnberger Mannschaft in der Hinrunde noch einmal heraus und werden am Ende der Saison auch beide nur schwer zu halten sein. Nur in einem unterscheiden sie sich: Gündogan möchte für Deutschland spielen, Ekici für die Türkei.

«Wahnsinn», nennt Ekici den Hype um sich im Land seiner Eltern. Um gleich darauf ganz bescheiden anzumerken: «Ich habe mitbekommen, dass ich jetzt einen Namen habe in der Türkei.»

Die Debatte, für welches Land sich Deutsch-Türken wie die beiden entscheiden, kocht immer wieder hoch in beiden Ländern. Es gibt Beispiele für die deutsche (Özil, Tasci) wie für die türkische (Altintop, Sahin) Wahl. Besonders erregt diskutiert wird, wenn sich Spieler wie Freiburgs Ömer Toprak noch immer nicht entschieden haben oder wie Gündogan lange dafür brauchen. «Auch in meiner Brust schlagen zwei Herzen. Ich bin in Deutschland aufgewachsen, habe aber eine türkische Erziehung genossen», sagte er der «Bild»-Zeitung.

Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader war «von vornherein bewusst», was auf Ekici und Gündogan in der Türkei zukommen würde: «Der Wirbel ist schon sehr, sehr groß». Um die Konzentration auf das Training nicht zu sehr zu stören, ließ der «Club» längere Interviews nur rund um das Testspiel am Mittwoch gegen Genclerbirligi (1:0) zu. «Wir wollen nicht, dass es hier jeden Tag eine Privataudienz gibt», meint Bader.

Seine Toptalente abzuschirmen ist ihm gut gelungen, sie über die Saison hinaus zu halten, wird wesentlich schwerer. Ekici ist nur bis zum 30. Juni vom FC Bayern München ausgeliehen. Weil er in Nürnberg zum Bundesliga- und Nationalspieler geworden ist, glaubt er: «Es wäre für meine Entwicklung sehr gut, ein zweites Jahr zu bleiben.» Vor Mai oder Juni, sagt Bader, würde es dazu aber keine Entscheidung geben.

Gündogan ist zwar bis 2012 an den FCN gebunden, hat aber das Interesse deutlich zahlungskräftigerer Clubs wie Hoffenheim, Hamburg oder Leverkusen geweckt. «Wir haben eine ähnliche Konstellation wie bei Özil und Khedira», erklärt Bader. Eine Ablösesumme könnte er für den Mittelfeldspieler nur noch in diesem Jahr einstreichen. «Wir bemühen uns, den Vertrag zu verlängern, und es macht absolut Sinn, das weiter zu tun», sagt der FCN-Sportvorstand: «Ilkay sieht, dass er hier spielt und die Mannschaft sich entwickelt. Und ein Angebot, bei dem wir nicht weiter zu reden bräuchten, liegt noch nicht auf dem Tisch.»

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