Gerettet
Karim Bellarabi, Lars Bender und Roberto Hilbert gehen nicht ohne Punkt nach Hause. Foto: Federico Gambarini

Karim Bellarabi, Lars Bender und Roberto Hilbert gehen nicht ohne Punkt nach Hause. Foto: Federico Gambarini

dpa

Karim Bellarabi, Lars Bender und Roberto Hilbert gehen nicht ohne Punkt nach Hause. Foto: Federico Gambarini

Leverkusen (dpa) - Ausgelaugt, erschöpft, müde. Nur mit letzter Kraft konnten Bayer Leverkusens Spieler gegen Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn noch einen Punkt retten.

«Wir haben nicht immer so diszipliniert und intelligent gespielt, wie wir das können», urteilte Bayer-Chefcoach Roger Schmidt, «aber weil wir am Ende das 2:2 erzielt haben, war doch nicht alles schlecht.» Die Frage ist nur, hält die brillant in die Saison gestartete Werkself die hohe Belastung ihres aufwendigen, dynamischen Turbo-Fußballs aus?

Der gelernte Maschinenbauer Schmidt fürchtet nicht, dass Bayer 04 mit seinem anspruchsvollen System in der Sackgasse landet. Vielmehr ist für ihn die hohe Spielfrequenz von zuletzt sieben Spielen in 23 Tagen die Ursache für die Schlappheit. «Alle drei Tage zu spielen, ist für junge Spieler eine Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit», meinte Schmidt nach zwölf Spielen des Champions-League-Starters, von denen sieben gewonnen wurden. «Was sie leisten, ist schon immens.»

Die jüngste Terminhatz veranlasste Sportchef Rudi Völler zu einer Forderung an die Terminplaner der Fußball-Bundesliga, mehr Rücksicht auf die in europäischen Wettbewerben vertretenen Clubs zu nehmen. «Wir sind im Kontakt mit der DFL, denn der Spielplan muss entzerrt werden. Es darf ja für die Mannschaften, die international spielen, keine Bestrafung sein, dass man während zwei Champions-League-Wochen noch eine englische Woche zu spielen hat», sagte der Weltmeister von 1990 in der Sport1-Sendung Doppelpass.

In der Länderspielpause ist bei den Leverkusenern deshalb Regeneration oberstes Ziel - bis die Terminhatz am 18. Oktober beim VfB Stuttgart weitergeht. Allerdings haben bei Bayer nur wenige Stammkräfte Pause, da sie für ihre Nationalteams im Einsatz sind.

Gern auf die Erholung verzichtet Karim Bellarabi, der erstmals für die Nationalmannschaft nominiert wurde. «Eine gewisse Spannung ist da. Ich bin schließlich das erste Mal dabei», sagte der 24-jährige Offensivspieler. «Viele Jungs kenne ich nicht, aber ich freue mich auf das neue Erlebnis.». Mit einer starken Leistung in der zweiten Halbzeit und seinem sehenswerten Treffer zum 2:2 (90. Minute) hat er die Einladung von Bundestrainer Joachim Löw gerechtfertigt.

«Ich bin glücklich über mein Tor und dass wir dadurch noch einen Punkt geholt haben», meinte der Deutsch-Marokkaner. «Die Paderborner haben bis zum letzten Meter gekämpft. Wir können es besser und müssen mit dem 2:2 zufrieden sein.» Die Liga-Neulinge waren immerhin zweimal durch Süleyman Koc (20.) und Moritz Stoppelkamp (87.) in Führung gegangen. Das 1:1 hatte Bayer-Kapitän Lars Bender (42.) erzielt.

Das 1:0 der Paderborner bereitete Bayer-Torwart Bernd Leno mit einem groben Schnitzer vor. «Heute habe ich mal die Arschkarte», sagte der 22-Jährige über seine missglückte Abwehraktion. «Ich wollte den Ball erst mit rechts wegschlagen, dann wurde er immer schneller, und ich habe es mit links versucht. Das Ding geht auf meine Kappe.»

Bayer-Geschäftsführer Michael Schade war weniger über den Leno-Patzer verärgert als über Referee Günter Perl. «Zweimal hat er heute falsch gelegen», schimpfte er. Perl hatte einen Treffer von Tin Jedvaj (71.) nicht anerkannt und ein Handspiel von Daniel Brückner (78.) nicht mit Elfmeter geahndet. Am Ende war Schade aber «dankbar», noch ein Remis herausgeholt zu haben. Seine Liga-Zwischenbilanz der Ära Schmidt fiel nach dem müden Kick nicht allzu enthusiastisch aus: «Wenn wir mit 14 Punkten die erste Phase abgeschlossen hätten, wäre es unseren Erwartungen entsprechender. Zwölf Punkte sind auch noch im Soll.»

Für Paderborn war das Unentschieden wie ein Sieg und der Start als Liga-Debütant mit nur drei Punkten weniger als Bayer großartig. «Wir sind auf jeden Fall konkurrenzfähig, das haben wir in jedem Spiel nachgewiesen», resümierte Trainer André Breitenreiter stolz. Deshalb konnte ihm auch die Rote Karte für Marvin Bakalorz (72.) die Freude über den gelungenen Liga-Einstand nicht trüben. Dies sah Paderborns Manager Michael Born ähnlich: «Mit neun Punkten in die Länderspielpause zu gehen, ist eine tolle Geschichte.»

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