Euphorie
Bastian Schweinsteiger (r) drehte mit seinem Tor zum 1:1 das Spiel und jubelt mit den Kollegen von der Bank. Foto: Fredrik von Erichsen

Bastian Schweinsteiger (r) drehte mit seinem Tor zum 1:1 das Spiel und jubelt mit den Kollegen von der Bank. Foto: Fredrik von Erichsen

dpa

Bastian Schweinsteiger (r) drehte mit seinem Tor zum 1:1 das Spiel und jubelt mit den Kollegen von der Bank. Foto: Fredrik von Erichsen

Mainz (dpa) - Nach einer Hinrunde der Superlative verabschiedeten sich die Über-Bayern wunschlos glücklich in den Urlaub.

«Wir können sehr zufrieden sein. Nach den Strapazen der WM so eine Bilanz hinzulegen. Trainer und Mannschaft haben das großartig gelöst», sagte der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach einer historischen Hinrunde in der Fußball-Bundesliga im ZDF-«Sportstudio». Selbst Chefkritiker Matthias Sammer stellte den Profis nach dem 2:1 (1:1)-Sieg des FC Bayern beim FSV Mainz 05 einen Freibrief aus: «Die Spieler sollen jetzt machen, was sie wollen.»

Faulenzen, relaxen, abschalten, das waren die Forderungen, die der Sportvorstand den Profis des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Freitagabend noch mit auf den Weg gab. «Es ist jetzt auch gut», meinte Sammer. «Es ist okay, dass jetzt Pause ist», pflichtete ihm Weltmeister Bastian Schweinsteiger nach einem strapaziösen Jahr bei, in dem ein Großteil der Münchner Akteure «das Maximum an Spielen», absolviert hat, wie Siegtorschütze Arjen Robben anmerkte. «Es ist traumhaft, dass wir auch das letzte Spiel noch gewonnen haben», sagte der Niederländer. «Jetzt freuen wir uns alle auf den Urlaub.»

Ein Teil der Mannschaft machte die Rückreise in die bayerische Landeshauptstadt gar nicht mehr mit. Die Südamerika-Fraktion düste direkt in die Heimat, der Rest machte sich wegen des Nachtflugverbotes ausnahmsweise mit dem Bus auf den Weg nach München. Doch mit 45 Punkten und elf Zählern Vorsprung auf den Zweiten aus Wolfsburg im Gepäck ließen sich auch diese letzten Strapazen gut verkraften. «Wir steigen gut gelaunt in den Bus», versicherte Robben. «Wir hatten ein Unentschieden mehr als in der letzten Saison, daran müssen wir arbeiten», scherzte Rummenigge.

Die gelöste Stimmung mussten sich die Münchner im letzten Spiel des Jahres so hart erarbeiten wie schon lange nicht mehr. Gegen aufopferungsvoll kämpfende Mainzer taten sich die Bayern ohne zahlreiche Stammspieler wie Robert Lewandowski und Xabi Alonso sehr schwer. «Sie haben grandios gespielt», lobte Sammer die Gastgeber, die durch Elkin Soto in der 21. Minute in Führung gegangen waren.

Doch ein traumhafter Freistoß des starken Schweinsteiger (24.) und Robbens Treffer kurz vor Schluss verhinderten den ersten Punktverlust des Titelverteidigers seit dem 0:0 in Mönchengladbach Ende Oktober. «Es war ein sehr schweres Spiel», gab Pep Guardiola zu, ehe auch er sich auf ein paar ruhige Tage in der katalanischen Heimat freute. «Wenn wir die ganze Hinrunde analysieren, dann bin ich sehr, sehr zufrieden», lobte der Spanier seine Mannschaft.

In der Rückrunde soll nun so schnell wie möglich die Meisterschaft eingetütet werden, um sich dann dem Kernziel Champions-League-Titel widmen zu können. Doch auch national müsse man Wochenende für Wochenende weiter an die eigenen Grenzen gehen, mahnte Sammer. «Das war ein Vorgeschmack auf das, was uns im nächsten Jahr erwarten wird», sagte auch Robben.

Deshalb werden sich die Münchner vom 7. Januar 2015 an gewohnt akribisch vorbereiten. Die harte Arbeit sei auch in der ersten Halbserie der Schlüssel für die beeindruckende Dominanz gewesen. Bestmarken bei den Gegentoren (4), bei der Tordifferenz (+37) und dem Vorsprung auf Rang zwei kämen nicht von ungefähr. «Wir sind heute nicht dafür belohnt worden, dass wir überragend gespielt haben. Sondern dafür, dass die Spieler und der Trainer jeden Tag hart arbeiten», sagte Sammer.

Das hatten am Freitag vor 34 000 Zuschauern in der ausverkauften Coface-Arena auch die Mainzer getan. Dass sie dafür am Ende nicht belohnt wurden, sei «tragisch», wie Manager Christian Heidel betonte. So gehen die Rheinhessen mit der Bürde von neun sieglosen Partien in Serie in die Winterpause. «Wir haben insgesamt vier, fünf Punkte zu wenig», analysierte Trainer Kasper Hjulmand nach seiner ersten Saisonhälfte in Deutschland.

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