Interims-Coach Andries Jonker hat die Vorgaben des Rekordmeisters bereits erreicht.
Interims-Coach Andries Jonker hat die Vorgaben des Rekordmeisters bereits erreicht.

Interims-Coach Andries Jonker hat die Vorgaben des Rekordmeisters bereits erreicht.

dpa

Interims-Coach Andries Jonker hat die Vorgaben des Rekordmeisters bereits erreicht.

München (dpa) - Seine Mission hat Andries Jonker erfüllt. Nach dem höchsten Bundesliga-Auswärtssieg des FC Bayern beim FC St. Pauli konnte sich der Münchner Interims-Cheftrainer «mit einer schönen Tasse Kaffee» daheim «auf die Couch setzen und genießen, dass wir unser Minimalziel erreicht haben».

Doch nach dem 8:1-Schützenfest und der vorzeitigen Sicherung des dritten Tabellenplatzes kann der Nachfolger von Louis van Gaal beim Saisonfinale womöglich sogar noch einen draufsetzen. «Wir werden gegen Stuttgart wieder volle Kanne spielen und versuchen, nochmal Druck auf Leverkusen zu machen», kündigte Jonker an.

Ganz Bayern-like stichelt der 48 Jahre alte Holländer gegen Bayer 04 im plötzlich noch einmal eröffneten Duell um Platz zwei und die damit verbundene direkte Champions-League-Qualifikation. «Jeder weiß: Es ist nicht so einfach, in Freiburg zu gewinnen», bemerkte Jonker. Drei Punkte beträgt der Rückstand der Bayern auf Leverkusen, aber der Rekordmeister kann das deutlich bessere Torverhältnis vorweisen.

Platz zwei wäre die totale Krönung der Fünf-Spiele-Mission von Jonker, die am 11. April nach der Beurlaubung von Louis van Gaal begann. Der Assistent folgte seinem Chef und rettete, was die Bayern-Bosse dem störrischen van Gaal nicht mehr zugetraut hatten.

Jonker hat es - wie von Präsident Uli Hoeneß erhofft - als Interimschef insbesondere vermocht, dass die hochbezahlten Stars «die Zwangsjacke» abgestreift haben. «Einige Spieler wirken auf eine gewisse Weise befreit», bekundete Abwehrspieler Daniel van Buyten.

Franck Ribéry & Co. haben wieder Spaß an der Arbeit. Unter Jonker hat sich die Tonart geändert, der veränderte Umgang führte intern zu einem Klimawandel. «Er hat die richtige Ansprache gefunden und die richtigen Impulse im Training gesetzt», lobte ihn zwischenzeitlich Sportdirektor Christian Nerlinger. 5:1 gegen Leverkusen, 4:1 gegen Schalke, 8:1 bei St. Pauli - nur das 1:1 in Frankfurt fiel aus der Reihe. Am Samstag soll Sieg Nummer vier gegen Stuttgart folgen.

Jonker hat nicht das große Ganze, sondern «viele kleine Sachen» verändert, wie er selbst bescheiden erklärte. Vor allem eines hat er - im Gegensatz zu van Gaal - verstanden und akzeptiert: «Wenn du zwei Jahre bei Bayern bist, weißt du, dass die Meinung des Vorstandes zählt.» Van Gaal dagegen bevorzugte die offene Konfrontation.

Jonker stellte Jörg Butt wieder ins Tor, stabilisierte die Defensive mit Anatoli Timoschtschuk. Und seinen Offensiv-Künstlern Robben, Ribéry und Müller schenkt er hinter Torjäger Mario Gomez Bewegungsfreiheit. «Ich musste eine Stimulanz bringen», erläuterte Jonker sein Kurzfrist-Konzept, das sofort greifen musste.

Jonker steht weiterhin loyal zu van Gaal. Aber er sagt auch offen, dass er den Chef-Job anders ausübt. «Ich bin ein anderer Typ. Wir haben dieselbe Philosophie. Aber meine Art und Weise ist anders.» Und Jonker hat Gefallen an seiner neuen Aufgabe gefunden. «Es macht Spaß, auf dem Fußballplatz mit so guten Spielern zu arbeiten.»

Samstag, Allianz Arena, 69 000 Zuschauer - gegen Stuttgart wird er dennoch letztmals als Chef auf der Bayern-Bank sitzen. Im Sommer übernimmt Jupp Heynckes. Jonker wechselt zu den «kleinen Bayern», die gerade aus der 3. Liga absteigen. Statt Leverkusen und Schalke heißen die Gegner dann in der Regionalliga Süd Pfullendorf oder Großaspach. «Von 70 000 Zuschauern nach 700», sagt Jonker: «Aber ich habe mit Bayern eine Vereinbarung gemacht. Daran ändert sich nichts.»

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