Der Leverkusener Michael Ballack saß in Frankfurt nur auf der Bank.
Der Leverkusener Michael Ballack saß in Frankfurt nur auf der Bank.

Der Leverkusener Michael Ballack saß in Frankfurt nur auf der Bank.

dpa

Der Leverkusener Michael Ballack saß in Frankfurt nur auf der Bank.

Frankfurt/Main (dpa) - Der 90-minütigen Tortur auf der harten Ersatzbank folgte für Michael Ballack der nächste Rückschlag. Nicht einmal 24 Stunden nach der 3:0-Gala von Bayer Leverkusen bei Eintracht Frankfurt meldete sich Deutschlands ehemaliger Leitwolf verletzt vom Training ab.

Wegen Knieproblemen musste sich Ballack einer Kernspintomographie unterziehen. Erste Befürchtungen, er könnte sich erneut schwer verletzt haben, bestätigten sich jedoch nicht. Beim 98-maligen Nationalspieler wurde eine Reizung des vormals verletzten linken Kniegelenks diagnostiziert.

Der «Pechvogel» hatte wegen einer schweren Sprunggelenksverletzung auf die WM 2010 in Südafrika verzichten müssen. Eine Fraktur am Schienbeinköpfchen, die er sich im September 2010 zugezogen hatte, zwang ihn zu einer weiteren Pause. Noch ist offen, ob er in dieser Woche in das Training zurückkehren kann. «Das hängt vom Verlauf der Behandlung ab», hieß es in einer Mitteilung des Vereins.

Am Vortag war Ballack ausgerechnet vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw überraschend zum Ersatzspieler degradiert worden. Kommentieren wollte er dies nicht, das taten nach dem Abpfiff andere. «Ich habe die Gewohnheit, Spieler nach längeren Verletzungspausen behutsam und sorgfältig an die Mannschaft heranzuführen. Das werde ich auch mit Ballack tun», begründete Bayer-Trainer Jupp Heynckes seinen Verzicht auf den 98-maligen Nationalspieler.

Der Trainerfuchs wollte das Thema nicht überbewerten, war sich der Brisanz seiner Entscheidung aber bewusst. «Natürlich ist Michael kein Spieler wie jeder andere, da ist das Echo eben umso heftiger. Ich habe schon in den vergangenen Wochen erlebt, wenn der Michael im Spiel ist, hat das eine andere Dimension», meinte Heynckes.

Dass Ballack nach drei Einsätzen auf die Bank musste, dürfte die Diskussionen um seine sportliche Zukunft neu befeuern. Deutet man die Zeichen der Zeit richtig, könnte es für ihn sehr schwer werden, noch einmal in die Rolle des überragenden Anführers zu schlüpfen. In der DFB-Auswahl ist er ein Kapitän ohne Mannschaft, und auch im Verein geben andere den Takt auf dem Spielfeld vor.

So wie Simon Rolfes. Der Torschütze zum 1:0 (9.), dem weitere Treffer durch Renato Augusto (32.) und Hanno Balitsch (85.) folgten, bildete gemeinsam mit Arturo Vidal ein bärenstarkes Duo im defensiven Mittelfeld. Da ist für Ballack derzeit kein Platz. «Dass er spielen will, ist doch keine Frage. Natürlich wurmt ihn das, dafür ist er Fußballer genug. Das weiß ich aus eigener Erfahrung», meinte Rolfes.

Für die überragende Leistung in Frankfurt hatte er eine plausible Erklärung: «Jeder hat am Spiel teilgenommen, jeder hat sich bewegt, jeder war anspielbar. Dann kann man ein Spiel auch verdammt schnell machen.» Es mutete wie ein Nadelstich gegen Ballack an, auch wenn es wahrscheinlich nicht so gemeint war.

Auch Heynckes lobte sein Team überschwänglich. «Wir sind natürlich sehr froh über das Spiel, das wir gezeigt haben, und das Ergebnis. Die erste Halbzeit war die Beste in dieser Saison. Das war Fußball vom Allerfeinsten und fast schon eine fußballerische Demonstration.»

In den bevorstehenden englischen Wochen - schon am 17. Februar steht das Zwischenrunden-Hinspiel in der Europa League bei Metalist Charkow an - setzt Rudi Völler auf das Fingerspitzengefühl des Trainers. «Wir sehen die Geschichte völlig unaufgeregt. Mit Langzeitverletzten muss man eben etwas behutsamer umgehen», sagte Bayers Sportdirektor.

Völler hatte sich vor der Partie mit Löw zum Mittagessen getroffen und den Bundestrainer darüber informiert, dass Ballack gegen die Eintracht nicht zum Zuge komme. So wie seit einem Dreivierteljahr in der Nationalmannschaft. «Wir haben ein bisschen über die Situation gesprochen», berichtete Völler vom Treffen mit Löw und fügte hinzu: «Es ist doch klar, dass beide sich jetzt irgendwann mal zusammensetzen.»

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