Auch ohne Michael Ballack konnten die Leverkusener Spieler jubeln.
Auch ohne Michael Ballack konnten die Leverkusener Spieler jubeln.

Auch ohne Michael Ballack konnten die Leverkusener Spieler jubeln.

dpa

Auch ohne Michael Ballack konnten die Leverkusener Spieler jubeln.

Frankfurt/Main (dpa) - Ohne Michael Ballack trumpft Bayer Leverkusen groß auf und landet einen souveränen 3:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt. Der Routinier wird dabei nicht vermisst. Der Trainer ist danach bemüht, das Thema herunterzuspielen.

Als die 90-minütige Tortur auf der harten Ersatzbank endlich vorbei war, stürmte Michael Ballack gesenkten Hauptes an den Fernsehkameras vorbei in die Stadionkatakomben. Während sich seine Kollegen von Bayer Leverkusen nach dem souveränen 3:0 (2:0) bei Eintracht Frankfurt in der Fankurve für ihren Gala-Auftritt feiern ließen, wollte Ballack nur schnell weg. Seine überraschende Degradierung zum Ersatzspieler, ausgerechnet vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, kommentierte er nicht.

Das taten nach dem Abpfiff andere. «Ich habe die Gewohnheit, Spieler nach längeren Verletzungspausen behutsam und sorgfältig an die Mannschaft heranzuführen. Das werde ich auch mit Ballack tun», begründete Bayer-Trainer Jupp Heynckes seinen Verzicht auf den 34 Jahre alten Mittelfeldspieler. Bei diesem Prozess werde er sich von niemandem «drängen oder beeinflussen» lassen, «auch nicht von der Öffentlichkeit. Ich habe genug Erfahrung gesammelt in meiner Laufbahn und weiß, was ich zu tun habe», beschied Heynckes.

Der Trainerfuchs wollte das Thema nicht überbewerten, war sich der Brisanz seiner Entscheidung aber bewusst. «Natürlich ist Michael kein Spieler wie jeder andere, da ist das Echo eben umso heftiger. Ich habe schon in den vergangenen Wochen erlebt, wenn der Michael im Spiel ist, hat das eine andere Dimension», meinte Heynckes.

Dass Ballack nach drei Einsätzen auf die Bank musste, dürfte die Diskussionen um seine sportliche Zukunft neu befeuern. Deutet man die Zeichen der Zeit richtig, dürfte es für ihn schwer werden, noch einmal in die Rolle des überragenden Anführers zu schlüpfen. In der DFB-Auswahl ist er ein Kapitän ohne Mannschaft, und auch im Verein geben andere den Takt auf dem Spielfeld vor.

So wie Simon Rolfes. Der Torschütze zum 1:0 (9.), dem weitere Treffer durch Renato Augusto (32.) und Hanno Balitsch (85.) folgten, bildete gemeinsam mit Arturo Vidal ein bärenstarkes Duo im defensiven Mittelfeld. Da ist für Ballack derzeit kein Platz. «Dass er spielen will, ist doch keine Frage. Natürlich wurmt ihn das, dafür ist er Fußballer genug. Das weiß ich aus eigener Erfahrung», meinte Rolfes.

Für die überragende Leistung in Frankfurt hatte er eine plausible Erklärung: «Jeder hat am Spiel teilgenommen, jeder hat sich bewegt, jeder war anspielbar. Dann kann man ein Spiel auch verdammt schnell machen.» Es mutete wie ein Nadelstich gegen Ballack an, auch wenn es wahrscheinlich nicht so gemeint war.

Auch Heynckes lobte sein Team überschwänglich. «Wir sind natürlich sehr froh über das Spiel, das wir gezeigt haben, und das Ergebnis. Die erste Halbzeit war die Beste in dieser Saison. Das war Fußball vom Allerfeinsten und fast schon eine fußballerische Demonstration.»

In den bevorstehenden englischen Wochen, schon am 17. Februar steht das Zwischenrunden-Hinspiel in der Europa League bei Metalist Charkow an, setzt Rudi Völler auf das Fingerspitzengefühl des Trainers. «Wir sehen die Geschichte völlig unaufgeregt. Mit Langzeitverletzten muss man eben etwas behutsamer umgehen. Der Jupp weiß aber, dass man etwas ungeduldig ist. Gerade wenn man immer in der Öffentlichkeit und im Fokus der Medien steht», sagte Bayers Sportdirektor.

Völler hatte sich vor der Partie mit Löw zum Mittagessen getroffen und den Bundestrainer darüber informiert, dass Ballack gegen die Eintracht nicht zum Zuge komme. So wie schon seit einem Dreivierteljahr in der Nationalmannschaft. «Wir haben ein bisschen über die Situation gesprochen», berichtete Völler vom Treffen mit Löw und fügte hinzu: «Es ist doch klar, dass beide sich jetzt irgendwann mal zusammensetzen.»

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