Verschwitzt
Michael Ballack stand bei einem Testspiel gegen Oberhausen wieder auf dem Platz.

Michael Ballack stand bei einem Testspiel gegen Oberhausen wieder auf dem Platz.

dpa

Michael Ballack stand bei einem Testspiel gegen Oberhausen wieder auf dem Platz.

Oberhausen (dpa) - Strömender Regen, wenig Zuschauer, mäßiges Niveau - beim Comeback von Michael Ballack herrschte triste Atmosphäre. Dennoch genoss der einstige Leitwolf der Fußball-Nationalmannschaft im schmucklosen Niederrheinstadion jede Minute auf dem tiefen Rasen.

Nach fast viermonatiger Verletzungspause kehrte er beim 2:1 (1:0) gegen den Zweitligisten Rot-Weiß Oberhausen in das Team von Bayer Leverkusen zurück. Die Erleichterung über das Ende seines «Seuchenhalbjahres» stand dem Mittelfeldspieler ins Gesicht geschrieben: «Es war ein tolles Gefühl, endlich wieder auf dem Platz zu stehen.»

Mit Beginn der zweiten Halbzeit ging das lange Warten zu Ende. Auch wenn der von einer Fraktur am Schienbeinköpfchen genesene Ballack bei seinem Kurzeinsatz eher unauffällig blieb, überwogen positive Reaktionen. «Er hat es gut gemacht und sich gut bewegt. Das bringt ihn weiter», urteilte Trainer Jupp Heynckes. Ähnlich fiel das Fazit des Rekonvaleszenten aus: «Es ist normal, dass noch nicht alles klappen kann. Ich habe noch einiges aufzuholen, aber ich kann fürs Erste zufrieden sein.»

Zwei schwere Verletzungen im vorigen Jahr haben Ballack weit zurückgeworfen. Der Riss des Innenbandes und der Teilabriss der Syndesmose des Sprunggelenks beim englischen Pokalfinale im Mai kosteten den Kapitän der DFB-Auswahl die WM-Teilnahme in Südafrika. Kaum genesen, ereilte ihn am 11. September in Hannover der nächste Nackenschlag. Nach nur drei Bundesliga-Spielen im Bayer-Trikot war der Neuzugang vom FC Chelsea erneut zum Zuschauen verdammt.

Trotz der Zwangspause stand er wochenlang im Rampenlicht: Die lange anhaltende Diskussion um sein Amt als DFB-Spielführer trug beim Pechvogel nicht zur Stimmungsaufheiterung bei. Zwischenzeitlich dachte Ballack nach eigenem Bekunden gar über einen Rücktritt nach.

Seinen Anspruch auf einen festen Platz in der Nationalmannschaft hat Ballack längst verloren. Und auch im Verein wird es schwer, in die Stammelf zurückzukehren. Schließlich ist die Konkurrenz beim Tabellendritten aus Leverkusen, der zudem eine gute Hinrunde spielte, gerade im Mittelfeld riesengroß. Wohlweislich verzichtete Ballack in Oberhausen auf Forderungen für den Rückrundenstart gegen Spitzenreiter BVB am 14. Januar: «Ich freue mich über jeden Einsatz. Alles andere muss der Trainer entscheiden. Gegen Borussia Dortmund werden die spielen, die der Aufgabe gewachsen sind.»

Nur über gute Leistungen im Club kann sich Ballack für eine Rückkehr in die Nationalmannschaft empfehlen. Immerhin hält Joachim Löw die Tür für der 34-Jährigen weiterhin offen. «Er hat über Jahre unser Spiel geprägt. Wir müssen abwarten, ob er im nächsten halben Jahr wieder eine Form erreicht, mit der er uns helfen kann», sagte der Bundestrainer zu Jahresbeginn.

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