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Hertha-Trainer Markus Babbel spornte seine Mannschaft von der Seitenauslinie an.

Hertha-Trainer Markus Babbel spornte seine Mannschaft von der Seitenauslinie an.

dpa

Hertha-Trainer Markus Babbel spornte seine Mannschaft von der Seitenauslinie an.

Berlin (dpa) - Raffael Caetano de Araújo war der Matchwinner für Hertha - und Trainer Babbel hat alles richtig gemacht. Der Ex-Europameister griff in seine Trickkiste: 748 Tage ohne Bundesliga-Heimsieg für Berlin sind vorbei. Und die Hauptstadt verzeiht Kritiker Babbel.

Als der Fluch nach über zwei Jahren endlich vertrieben war, ordnete Markus Babbel sogar seine heiß diskutierten Berlin-Größenwahn-Aussagen den Trainertricks zu. «Rein sportlich» habe er es gemeint, als der Chefcoach von Hertha BSC über die Mentalität des Hauptstädters an sich («Er ist laut, redet viel, will viel - aber getan wird oft erstmal wenig») philosophiert hatte. Die «Erwartungshaltung» habe ihm einfach nicht gepasst, betonte Babbel. Ob das klug gewesen sei bei der teilweisen Empörung in Berlin, wurde er nach dem 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart gefragt. «Im Nachhinein ja», antwortete der 38 Jahre alte Bayer und lächelte vielsagend.

«Jedenfalls ist es aufgegangen, was wir vorhatten», bemerkte auch Manager Michael Preetz mit einem Schuss Genugtuung. Er selbst hatte bei den vorangegangenen 17 vergeblichen Anläufen, im Olympiastadion einen Sieg zu landen, am meisten gelitten. Immerhin war damit der Bundesliga-Abstieg 2010 verbunden. Nach 748 Tagen beendete der Brasilianer Raffael mit seinem späten goldenen Tor gegen einen guten, aber im Abschluss schlechten VfB die Negativserie. Kurioserweise hatte Raffael als einziger aktueller Akteur auch beim damaligen 1:0-Sieg im August 2009 gegen Hannover in der Startelf gestanden.

Dass der 26-jährige Samba-Zauberer zum Garanten für den ersten Saisonsieg und nun fünf Punkte des sofortigen Wiederaufsteigers wurde, hat auch mit Tricks von Trainer Babbel zu tun. Der hatte sich Raffael in der Saisonvorbereitung zur Brust genommen, die teilweise laxe Einstellung zum Beruf öffentlich getadelt und den Brasilianer beim ersten Spiel gegen Nürnberg (0:1) auf die Bank gesetzt. «Seit er mitspielt, sind wir ungeschlagen», bemerkte Babbel zu seiner Maßnahme, lobte ausdrücklich den Fleiß und die Laufbereitschaft seines Juwels vor 52 232 Fans. «Auch wenn ihm einiges misslungen ist, war mir klar, dass er noch die eine Chance bekommt.»

Die nutzte Ra-Ra-Raffael, wie Raffael Caetano de Araújo im Olympiastadion seit dreieinhalb Jahren stets angekündigt wird, nach einem Ausrutscher von Stuttgarts Mexikaner Maza und Eingabe des starken Patrick Ebert zum Siegtor (86. Minute). Babbels Kritik sei ein «Anreiz» für ihn gewesen, «um noch besser zu werden», ließ der Torschütze übersetzen. Sein Tor widmete er seiner Frau, der Dank ging an den Coach: «Als ich den Ball zuvor nicht richtig getroffen hatte, hat der Trainer gesagt: 'Mach einfach weiter'. Es gibt nichts Besseres als diese Unterstützung, da glaubt man dran.»

Den Stuttgartern indes ist durch Raffael der Glaube an einen besseren Saisonstart als in der Vorsaison abhandengekommen. Nach vier Spieltagen in der Fußball-Bundesliga haben die Schwaben mit vier Zählern gerade mal einen mehr als zum gleichen Zeitraum 2010/11 auf dem Konto. «Die Punktausbeute passt überhaupt nicht zur Art und Weise, wie wir bisher aufgetreten sind», ärgerte sich VfB-Coach Bruno Labbadia nach der Hitzeschlacht.

In der Tat demonstrierten die Gäste bei fast tropischen Bedingungen lange Zeit die bessere Spielanlage. «Für uns war es eine wahnsinnig bittere Niederlage. Wir sind fahrlässig mit unseren Chancen umgegangen», sagte Labbadia und ärgerte sich zudem über einen ausgebliebenen Elfmeterpfiff von Referee Jochen Drees. «Das ist aber nur Randerscheinung. In erster Linie ist es ärgerlich, dass wir uns selbst um den Lohn gebracht haben.»

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