«Azubi»
Auf den neuen Sportdirektor Volker Finke wartet beim 1. FC Köln ein Berg von Arbeit.

Auf den neuen Sportdirektor Volker Finke wartet beim 1. FC Köln ein Berg von Arbeit.

dpa

Auf den neuen Sportdirektor Volker Finke wartet beim 1. FC Köln ein Berg von Arbeit.

Köln (dpa) - Auf Volker Finke wartet am Geißbockheim ein gewaltiger Berg von Arbeit. Den Profis des 1. FC Köln droht der fünfte Bundesliga-Abstieg nach 1998, 2002, 2004 und 2006.

Gleich an seinem ersten offiziellen Arbeitstag musste sich der neue Sportdirektor durch den kurios gescheiterten Transfer von Eric Maxim Choupo-Moting auch noch mit einer ungewöhnlichen Personalie befassen. Die geplante Verpflichtung des Spielers vom Liga-Konkurrenten Hamburger SV war zum Ende der Transfer-Periode wegen einer fehlerhaften Fax-Übermittlung der Unterlagen nicht pünktlich zustande gekommen. «Das Fax-Gerät hat ab der dritten Seite nur noch schwarze Querstriche gezeigt», erläuterte Finke den kuriosen Vorgang.

Trotzdem konnte Finke nach zwei Japan-Jahren als Trainer der Urawa Red Diamonds noch scherzen. «Ich bin Azubi, und ich bin im Hintergrund», umschrieb er seine Tätigkeit. Die Prämissen sind indes eindeutig: Er will eine neue Spielkultur entwickeln, er möchte als Sportdirektor-Lehrling Trainer Frank Schaefer «die Rückenmuskulatur stärken». Das gedenkt er nicht am Spielfeldrand zu tun, sondern von der Tribüne aus: «Da sieht man das Spiel viel besser», sagte Finke.

Für FC-Chef Wolfgang Overath ist Finke der richtige Mann am richtigen Platz: «Er ist menschlich ein sehr anständiger Kerl, und fachlich hat er eine Menge zu verkaufen.» Speziell in der Kooperation zwischen dem Neuen und Schaefer sieht der Weltmeister von 1974 ein gut geschnürtes Gesamtpaket: «Es ist ja eine bekannte Stärke von Finke, mit jungen Leuten langfristig zu arbeiten.» Overath jedenfalls ist von einem überzeugt: «In dieser Kombination werden wir langfristig den Erfolg haben, den wir anstreben», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Trotzdem machte Finke zunächst eines klar: Eine neue Fußball- Kultur am Geißbockheim ist seiner Meinung nach nur umsetzbar, wenn das Team um Kapitän Lukas Podolski nicht absteigt - «ohne Wenn und Aber». Reinreden will er Schaefer nicht, selbst dann nicht, wenn die sportliche Situation noch brenzliger werden sollte: «Ich werde mich nicht in die Mannschaftsaufstellung einmischen.» Eine Rückkehr auf die Trainerbank schloss Finke aus, schränkte aber ein: «Im Fußball sagt man nie nie.»

Finke ist optimistisch, sorgt sich aber auch um die Zukunft der FC-Mannschaft: Schon aus Japan nahm er mit Unbehagen wahr, dass die Profis seines neuen Arbeitgebers, mit dem er einen Vertrag über zweieinhalb Jahre schloss, in Not sind. Das 0:3 im Abstiegs-Duell beim FC St. Pauli potenzierte vor dem Aufeinandertreffen mit Rekordmeister und Titelverteidiger Bayern München an diesem Samstag die Gefahr: «Die Tabellensituation ist nicht so, wie man sich das wünscht», sagte Finke zurückhaltend.

In der Personalie Choupo-Moting setzen der frühere Coach des SC Freiburg und sein neuer Arbeitgeber auf ein Einlenken der Deutschen Fußball Liga (DFL), die spätestens bis zum Ende dieser Woche darüber befinden will, ob der Angreifer doch noch im Rheinland anheuern kann. Die Vereine und der Spieler waren sich einig, nur die Technik verhinderte den positiven Abschluss.

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