Ewald Lienen, Armin Veh, Klaus Augenthaler – selten waren mehr prominente Trainer auf Jobsuche.

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Motiviert und engagiert wie man ihn kennt: Fußball-Lehrer Ewald Lienen.

Motiviert und engagiert wie man ihn kennt: Fußball-Lehrer Ewald Lienen.

dpa

Motiviert und engagiert wie man ihn kennt: Fußball-Lehrer Ewald Lienen.

Mönchengladbach. Ewald Lienen ist beschäftigt. Nicht, dass irgendwo Trainingseinheiten, Trainingslager, Mannschaftssitzungen oder Spielergespräche auf dem Programm stehen würden. Nein, Ewald Lienen bringt seine Enkeltochter in den Kindergarten: "Ich rufe gleich zurück." Bis November war er Trainer von Panionios Athen, dann sah der 55-Jährige "kein Vertrauen und keine Basis mehr" und stieg aus dem bis 2010 laufenden Vertrag aus. Lienen, der als Bundesliga-Coach für den MSV Duisburg, Hansa Rostock, den 1.FC Köln, Borussia Mönchengladbach und zuletzt Hannover 96 arbeitete, ist wieder auf Jobsuche. Als er 2006 in Athen anfing, war Panionios ein Abstiegskandidat. Lienen führte den Klub in den Uefa-Cup, wurde von der Spielervereinigung PSAP in Griechenland zum Trainer des Jahres gewählt, aber im November war Schluss. Als Starstürmer Lampros Chutos gegen Lienens Co-Trainer und Schwiegersohn Abder Ramdane handgreiflich wurde, war für Lienen das Ende der Toleranz erreicht. "Das ging nicht mehr, sollte auch nicht mehr gehen", sagt Lienen, schon in der Bundesliga ein Trainer mit Prinzipien. Nicht überall und bei jedem beliebt, aber einer mit Grundsätzen, und einer, der es gewohnt war und ist, über den Tellerrand des Fußballs zu schauen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigt sich Ewald Lienen sehr interessiert am Geschehen rund um die Düsseldorfer Fortuna. "Steigen die denn auf?", fragt Lienen. "Ein Jammer, dass der Klub noch nicht wieder in der Bundesliga spielt."

"Es muss doch in Düsseldorf genügend Wirtschaftsleute geben, die Profifußball in der Landeshauptstadt wollen und einen Traditionsklub wieder dahin bringen, wo er hingehört." Nicht nur Ewald Lienen denkt so. Aber sein Konzept hat der Fußball-Lehrer (noch) nicht verraten.

Lienen ist nicht der einzige, der auf Jobsuche ist. Einer, der früher mit ihm bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag stand, ist es auch. Armin Veh wurde mit dem VfB Stuttgart 2007 deutscher Meister. Ein Meister-Trainer also, aber auch das schützt ja vor Entlassung nicht. "Wir verdienen viel Geld und haben ein entsprechend hohes Risiko", sagt Veh. Auch er beklagt sich nicht. Es wird schon wieder eine Chance kommen. Klaus Augenthaler wartet auch wieder auf eine. Augenthaler, zuletzt in Wolfsburg, davor in Leverkusen und Nürnberg, vertreibt sich die Zeit beim Angeln. Wenn die Sonne scheint. Der Ex-Nationalspieler ist auch einer, der sich nicht mehr verbiegt für ein neues Engagement.

"Natürlich will ich wieder als Trainer arbeiten. Am liebsten zu Beginn der neuen Saison."

Ewald Lienen

"Ich brauche mir nichts mehr zu beweisen, ich habe als Spieler alles erreicht und auch als Trainer erfolgreich gearbeitet. Ich werde jetzt keine Bewerbungsschreiben losschicken." Wolfgang Wolf, der im April 2007 beim 1. FC Kaiserslautern gehen musste, fühlt sich mit 51 Jahren noch zu jung für den Trainer-Ruhestand: "Langsam muss etwas passieren. Ich besuche viele Spiele, halte mich auf dem Laufenden." Macht auch Mirko Slomka, dessen Amtszeit beim FC Schalke 04 im April 2008 endete. Der 41-Jährige ist immer wieder im Gespräch, aber weiter ohne Job. Jos Luhukay musste in Mönchengladbach gehen, Bernd Schuster bei Real Madrid, Thomas Doll bei Borussia Dortmund, Rudi Bommer in Duisburg. "Ich mache mich nicht verrückt, aber ich mache auch kein Geheimnis daraus, dass ich gerne wieder in der Bundesliga arbeiten würde", sagt Ewald Lienen. Am liebsten zu Beginn der neuen Saison. Gerade sind alle Umzugskisten in Mönchengladbach ausgepackt. "Den ganzen Krempel von Athen zurück zu schaffen, war ganz schön stressig", erzählt er. "Natürlich hat man als Trainer immer den Traum, noch einmal eine große Mannschaft zu trainieren." Motiviert bleibt Lienen: "Natürlich will ich wieder als Trainer arbeiten." Peter Neururer wartete auch lange, ehe er Nachfolger von Rudi Bommer beim MSV Duisburg wurde. Nun muss der 53 Jahre alte Diplom-Sportlehrer, der bisher die Bundesliga gewohnt war, einen Absteiger wieder dorthin bringen, wo er herkommt. Nicht ganz einfach, aber Neururer beteuert: "Der Wiederaufstieg ist und bleibt das Ziel." Lienen hat seine Enkeltochter vom Kindergarten in Mönchengladbach abgeholt. "Oft muss ich an damals denken, als meine Kinder noch klein waren." Damals war Lienen noch Profi, studierte in Düsseldorf Pädagogik und hatte genug vom Profifußball. Bis ihn windige Finanzmakler um sein Geld brachten und zum Weitermachen zwangen. In Köln haben sie ihn 2000 nach dem ersehnten Wiederaufstieg verehrt wie selten einen Trainer vorher. Der FC spielte als Aufsteiger eine Super-Saison. In der darauffolgenden Spielzeit lief es dann nicht mehr. "Und dann greifen normalerweise immer die Mechanismen des Geschäfts." Weiß auch Lienen. Und wartet auf Angebote. Wenn in einem anderen Klub wieder die bekannten Mechanismen greifen. "Ich bin offen für alles."

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