Mit seiner Forderung in der Kabine deutsch zu sprechen stößt FCB-Präsident Uli Hoeneß auf breite Zustimmung. Foto: Alexander Hassenstein
Mit seiner Forderung in der Kabine deutsch zu sprechen stößt FCB-Präsident Uli Hoeneß auf breite Zustimmung. Foto: Alexander Hassenstein

Mit seiner Forderung in der Kabine deutsch zu sprechen stößt FCB-Präsident Uli Hoeneß auf breite Zustimmung. Foto: Alexander Hassenstein

dpa

Mit seiner Forderung in der Kabine deutsch zu sprechen stößt FCB-Präsident Uli Hoeneß auf breite Zustimmung. Foto: Alexander Hassenstein

Düsseldorf (dpa) - Was Bayern-Präsident Uli Hoeneß radikal gefordert hat, halten auch die anderen Fußball-Bundesligisten für grundsätzlich richtig. In den Umkleidekabinen soll Deutsch gesprochen werden.

«Die Amtssprache bei uns ist Deutsch», sagte Werder Bremens Trainer Alexander Nouri vor Beginn der zweiten Saisonhälfte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn etwas unverständlich ist, bedienen wir uns auch anderer Sprachen. So wie in jedem internationalen Unternehmen.»

Für Hoeneß ist das Thema ganz simpel. Dass ausländische Profis Deutsch lernen, ist für ihn ein Zeichen des Willens zur Integration und Identifikation. Sonst würde der Verein nur als «Sprungbrett oder auf dem Weg nach Hause» benutzt, wie er in der «Sport Bild» folgerte. Deshalb will er es zur Vorschrift machen - und wer ihr nicht folgt, müsse Strafe zahlen.

Im Vielvölkerstaat der Bundesliga gibt es sicher viele Spieler, für die das Lernen von Deutsch mit all den grammatikalischen Finessen schwer ist. «Die deutsche Sprache ist keine einfache Sprache», sagte Bayern-Torjäger Robert Lewandowski. Für ihn sei das erste halbe Jahr in der Liga und bei Borussia Dortmund deshalb schwer gewesen. «Das Wichtigste ist die Fußballsprache auf dem Platz. Wir verstehen uns sehr gut. Diese Fußballsprache kann jeder», berichtete der Pole.

Einfach ist es derzeit für BVB-Neuling Raphaël Guerreiro nicht, sich sprachlich zurecht zu finden. «Die Begriffe verstehe ich ganz gut. Auch die Anweisungen des Trainers, weil sie oft übersetzt wurden», berichtete der gebürtige Franzose mit portugiesischem Pass. Zusammen mit Ousmane Dembélé paukt er beim Club-Dolmetscher nun Deutsch.

Deutsch-Unterricht in vielen Variationen wird den Profis aus aller Welt in jedem Club angeboten. «In dieser Hinsicht bekommen unsere Spieler jegliche Unterstützung», sagte Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler. «Grundsätzlich ist es wichtig, ob in der Kabine, auf dem Platz oder im Privaten Deutsch zu verstehen. Das erleichtert natürlich die Integration.» Doch nicht jeder ist gewillt dazu. Bayer-Stürmer Javier Chicharito Hernandez spricht öffentlich nach anderthalb Jahren kein Wort Deutsch - dafür parliert der Mexikaner sehr gut Englisch.

Für Augsburgs Sportdirektor Stefan Reuter sind die Deutsch-Kenntnisse der Spieler «extrem wichtig», um sich verständigen und ihnen Inhalte vermitteln zu können. «In der Kabine brauchen wir aber keine Dolmetscher, weil alle Deutsch können.»

Besonderen Wert legt 1899 Hoffenheim darauf, dass alle Profis der Kraichgauer die deutsche Sprache verstehen. «Für mich ist es sehr wichtig, dass Deutsch gesprochen wird. Nicht nur, weil meine Trainingsformen sehr komplex sind und durch das Dolmetschen einfach zu viel Zeit verloren geht», sagte Chefcoach Julian Nagelsmann. Auch für die Integration des Spielers sei es äußerst wichtig. Deshalb werde beim täglichen Umgang miteinander auch Deutsch gesprochen. «Wir sprechen mit den Spielern ebenfalls auf Deutsch und erwarten, dass auf Deutsch geantwortet wird», sagte Nagelsmann.

Nicht ganz so rigide ist Valérien Ismael. In der Kabine des VfL Wolfsburg werde «in der Regel» Deutsch gesprochen. «Aber wenn das nicht geht, weil die Spieler noch kein Deutsch können, sprechen wir Englisch», sagte der Cheftrainer. Die Fußballbegriffe gebe es nur auf Deutsch, «damit die Spieler das Fußballvokabular schnell lernen».

Auch bei RB Leipzig ist man nicht so streng mit Spielern, die nicht so schnell Deutsch lernen. In diesem Fall würden «dem einen oder anderen auch in seiner Muttersprache wichtige Hinweise vermittelt, weil er sie dann am besten versteht», so Trainer Ralph Hasenhüttl. Dies gilt für den Schotten Oliver Burke, der im vergangenen Sommer von Nottingham Forest kam. «Wenn du trainierst und eine andere Sprache lernen musst, ist es nicht immer ganz einfach», sagte Burke. Kommt er deshalb schwerer mit all den Herausforderungen klar? «Nein. Die Trainer und alle sprechen ja Englisch.»

Beim FSV Mainz 05 braucht es eigentlich keinen Dolmetscher, weil Trainer Martin Schmidt auch Englisch, Italienisch und Französisch kann. Er pocht dennoch darauf, dass in der Kabine Deutsch gesprochen wird. Auf dem Trainingsplatz hat er nichts dagegen, wenn es mehrsprachig zugeht. Im Fußball gehe es zunächst um Beine und Leistung, da sei «die Sprache vordergründig nicht das Wichtigste», meinte Schmidt. «Ich zwinge keinen, Deutsch zu lernen.»

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