Brutal
Der Hamburger Stürmer Paolo Guerrero (l) trat VfB-Torhüter Sven Ulreich von hinten um. Foto: Sky

Der Hamburger Stürmer Paolo Guerrero (l) trat VfB-Torhüter Sven Ulreich von hinten um. Foto: Sky

dpa

Der Hamburger Stürmer Paolo Guerrero (l) trat VfB-Torhüter Sven Ulreich von hinten um. Foto: Sky

Hamburg (dpa) - HSV-Stürmer Paolo Guerrero droht nach seinem brutalen Foul eine drakonische Strafe. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) will den Peruaner für acht Spiele und damit fast für die restliche Saison der Fußball-Bundesliga verbannen.

Der 28 Jahre alte Angreifer hatte beim 0:4 gegen den VfB Stuttgart Torhüter Sven Ulreich mit Anlauf in die Kniekehle getreten. Der Kontrollausschuss wertete die Tat als grobe Tätlichkeit. Der HSV legte schriftlich Widerspruch gegen das geforderte Strafmaß ein.

HSV-Sportdirektor Frank Arnesen äußerte sich sehr enttäuscht über die beantragte Strafe: «Ich verzeihe dieses Foulspiel und die Rote Karte nicht, aber wenn ich das Strafmaß von anderen Fällen sehe, zum Beispiel von Andreas Ottl, der in einem ähnlichen Fall drei Spiele Sperre erhalten hat, und Paolo nun acht, dann empfinde ich den Unterschied von fünf Spielen als zu groß.» Im DFB-Antrag heißt es, dass der Flaschenwurf aus dem April 2010 nicht straferschwerend berücksichtigt wurde.

Dementsprechend, so Arnesen, sei das Strafmaß zu hoch: «Ich hätte nie erwartet, dass es zu einer so harten Strafe kommt.» Das interne Strafmaß sei noch nicht festgelegt. «Wir wollen dies ohne Emotionalität tun. Seit ich hier bin, hat Paolo sich immer vorbildlich verhalten. Nur das kann ich bewerten. Ich weiß, dass er schon einige Sachen gemacht hat, aber das war vor meiner Zeit. Das berücksichtige ich nicht», erklärte Arnesen.

Die Aktion an der Eckfahne hatte in der Bundesliga für einen Aufschrei der Entrüstung gesorgt. HSV-Trainer Thorsten Fink zitierte Guerrero zur Aussprache. «Natürlich werden wir Paolo bestrafen. Wenn einer eine Rote Karte bekommt, wird er immer bestraft. Aber es war seine erste und er hat nicht nachgetreten und nicht nachgeschlagen», sagte der Coach am Montag der Nachrichtenagentur dpa. «Wir wollen ihn nicht in Schutz nehmen, aber er ist kein Wiederholungstäter. Wir wollen nichts verharmlosen, aber wir wollen es auch nicht schlimmer machen, als es ist», führte Fink aus.

Guerrero war nach seinem Wurf mit einer Plastikflasche auf einen Zuschauer für fünf Spiele gesperrt worden. Damals sollen sich die Strafen von Verein, Verband und Gericht auf etwa 180 000 Euro belaufen haben. Bei einer Acht-Spiele-Sperre könnte der mit mehr als vier Millionen Euro bestverdienende HSV-Profi seinem Team nur in den letzten beiden Partien gegen Mainz und beim FC Augsburg wieder zur Verfügung stehen.

Auch HSV-Idol Uwe Seeler verurteilte das harte Einsteigen an der Eckfahne. «Das ist ein Kurzschluss gewesen, dafür gibt es keine Entschuldigung. Wenn ich 50 Meter anlaufe, das geht gar nicht», sagte der 75-Jährige der dpa. «Irgendwann muss er ja mal dazulernen.»

Scharfe Kritik hatte am Sonntag auch DFB-Sportdirektor Matthias Sammer geäußert: «Er hat einen unverzeihlichen Fehler gemacht. Wenn das passiert ist, sollte man mit Abstand die Größe aufbringen, zu argumentieren, dass die Dinge einem leidtun. Deshalb ist es unverzeihlich.» Sammer hat auch kein Verständnis dafür, dass Fink und Arnesen das Verhalten Guerreros als nicht so gravierend eingestuft hatten.

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp fasste das Entsetzen beim Betrachten der Fernsehbilder noch einmal zusammen: «Das waren schreckliche Bilder.» Alle seien sehr, sehr glücklich, dass Torhüter Sven Ulreich sich nicht schwer verletzt habe, sonst sei der Aufschrei noch größer gewesen. Wenn Guerrero ein «bisschen runtergekommen» sei, werde er das auch so sehen.

Nach dem Einspruch des HSV gibt es nun zwei Szenarien für die weitere Vorgehensweise beim DFB: Entweder wird hinter den Kulissen über ein einvernehmliches Urteil verhandelt, wofür die Ansichten aber nicht zu weit auseinanderliegen dürfen. Andernfalls wird der DFB das Urteil verkünden, gegen das der HSV dann innerhalb von 24 Stunden Berufung einlegen und eine mündliche Verhandlung beantragen kann.

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