Wie die kleinen Kapverden zur großen Sensation des Afrika-Cups wurden.

Das Team des Außenseiters Kapverden (u.) sorgt in der Heimat für großen Enthusiasmus.
Das Team des Außenseiters Kapverden (u.) sorgt in der Heimat für großen Enthusiasmus.

Das Team des Außenseiters Kapverden (u.) sorgt in der Heimat für großen Enthusiasmus.

Imago

Das Team des Außenseiters Kapverden (u.) sorgt in der Heimat für großen Enthusiasmus.

Port Elizabeth/Praia. Man stelle sich vor, die Fußballer der Färöer hätten sich für ein Endturnier zur Europameisterschaft qualifiziert. Sie hätten dafür in zwei Play-off-Spielen Frankreich die Teilnahme an selbiger verbaut – und wären danach ins Viertelfinale des Turniers eingezogen. Unmöglich? Nicht in Afrika.

Das Team der Kapverdischen Inseln hatte zunächst den sechsmaligen WM-Teilnehmer Kamerun aus dem Wettbewerb geworfen, jetzt schafften die Kicker aus dem kleinen und bitterarmen Inselstaat den Sprung ins Viertelfinale des in Südafrika ausgerichteten Afrika-Cups.

Im Ausland leben ebenso viele Kapverdier wie auf den Inseln

Als in Port Elizabeth der dramatische 2:1-Erfolg der „Blauen Haie“ („Tubaroes Azuis“) über Angola feststand, strömten auf den neun bewohnten Atlantikinseln rund 460 Kilometer vor der Küste des Senegal viele der 516 000 Einwohner auf die Straßen. Sie tanzten und weinten vor Freude. Für einen Moment waren die Probleme von Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Strom- und Wassermangel vergessen.

„Seit der Unabhängigkeit unseres Landes (1975) hatte ich so eine Freude, so eine Einheit nicht mehr gesehen“, sagte eine Frau dem Radiosender RCV. Am Montag schrieb die Zeitung „A Semana“: „Die Tore haben die Inseln erleuchtet.“ Gejubelt wurde weltweit: Aufgrund vieler Hungerkatastrophen und enormer Arbeitslosigkeit leben im Ausland ebenso viele Kapverdier wie auf den Inseln der früheren Kolonie Portugals.

Fast alle „Haie“ spielen im Ausland. Zumeist bei kleineren Teams in Portugal, aber auch in Luxemburg, Zypern, Ungarn, Rumänien oder Frankreich. Star des Teams ist der 23 Jahre alte Stürmer Ryan Mendes, der in seinem französischen Verein OSC Lille kaum zum Einsatz kommt. Fußballstars wie Nani von Manchester United oder der inzwischen als Trainer tätige Henrik Larsson hätten auf Grund ihrer Wurzeln für die Kapverden spielen können, entschieden sich aber für Portugal oder Schweden. Der Ex-Profi vom HSV, Mickael Tavares, wählte den Senegal.

Die Kapverden, Südafrika, Ghana und Mali sind bereits qualifiziert.

Über die anstehenden Gruppenspiele Burkina Faso - Sambia, Äthiopien - Nigeria (beide Dienstag 18 Uhr), Algerien - Elfenbeinküste und Togo - Tunesien (beide Mittwoch 18 Uhr) qualifizieren sich weitere Mannschaften.

Die Viertelfinal-Spiele beim Afrika-Cup in Südafrika finden am kommenden Samstag und Sonntag statt.

Nur rund 250 Euro verdient ein Kapverde im Monat. Da gehört jeder Spieler der „Blauhaie“ schon mit den 1800 Euro Prämie für die Qualifikation zu den Reichen der Inseln. Um das Geld für Flüge und Hotel für den Tross nach Südafrika aufzubringen, wurde in Praia im Dezember ein Benefizkonzert veranstaltet, zudem legte die Post Sonderbriefmarken auf.

Die Fußball-Nobodys von Trainer Lucio Antunes – in der Weltrangliste auf Platz 70 – schafften zunächst zwei Unentschieden gegen den Gastgeber (0:0) und die Regionalmacht Marokko (1:1), bevor gegen Angola die Sensation folgte.

„Blauhaie sind schließlich recht ausdauernde Schwimmer“

Nach dem Sieg stürmten die Spieler ungeduscht den Pressekonferenz-Raum des Nelson-Mandela-Bay-Stadions und hüpften und sangen minutenlang. Am lautesten war Trainer Antunes, der daheim bereits mit Real Madrids Trainer José Mourinho verglichen und „Special One der Kapverden“ genannt wird. Präsident Jorge Carlos Fonseca will zur K.o.-Runde nach Südafrika kommen. Jetzt soll es noch weiter gehen. „Blauhaie sind schließlich recht ausdauernde Schwimmer“, sagte Trainer Antunes.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer