Bayer 04 Leverkusen nennt die Rückholaktion einen Fehler. Es gibt aber auch geglückte Beispiele in der Bundesliga.

Michael Ballack
Zum Abtauchen - Michael Ballacks zweite Zeit in Leverkusen ist von Verletzungen und dem Streit mit Trainern und der Führungsetage geprägt.

Zum Abtauchen - Michael Ballacks zweite Zeit in Leverkusen ist von Verletzungen und dem Streit mit Trainern und der Führungsetage geprägt.

Federico Gambarini

Zum Abtauchen - Michael Ballacks zweite Zeit in Leverkusen ist von Verletzungen und dem Streit mit Trainern und der Führungsetage geprägt.

Düsseldorf. Als Michael Ballack vor 17 Monaten seine Rückkehr vom FC Chelsea verkündete, hatten sie sich unter dem Bayerkreuz alle ganz lieb. Fans und Klub träumten von Titeln, der Chemie-Konzern vom Werbeeffekt, Trainer Jupp Heynckes sprach von einem „Weltklassemann“, und Sportdirektor Rudi Völler attestierte Ballack eine „emotionale Bindung zum Verein“.

Schließlich habe der damalige Nationalmannschafts-Kapitän extra Angebote aus Madrid, Liverpool und Tottenham abgelehnt. Und auch Ballack selbst bemühte seine Gefühle: „Mit meiner Rückkehr schließt sich für mich ein Kreis. Ich hatte hier von 1999 bis 2022 eine schöne und erfolgreiche Zeit, an die ich gerne zurückdenke.“

Holzhäuser: „Überlegungen mit Ballack sind nicht aufgegangen“

Nun, am 19. Spieltag des zweiten Jahres, erinnert sich kaum noch jemand an derlei Liebkosungen. Das Projekt Rückkehr ist offiziell gescheitert. Vor dem heutigen Spiel der Leverkusener in Bremen könnte das Verhältnis zwischen Klub und Superstar kaum schlechter sein. „Es ist der Punkt erreicht, bei dem Rudi Völler und ich nicht mehr mitgehen wollen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und meint die 60. Minute beim 3:2 gegen Mainz am vergangenen Sonntag, als Ballack Trainer Robin Dutt nach seiner Auswechslung den obligatorischen Handschlag verweigerte.

Das Publikum, ohnehin nicht gut auf Dutt zu sprechen, stellte sich auf Ballacks Seite und pfiff am Ende trotz des Sieges. Holzhäuser macht dafür Ballack verantwortlich: „Er kann durch seine Aura auf das- Publikum einwirken – das hat er nicht getan“, sagte der Geschäftsführer und wurde im „Express“ auch gleich grundsätzlich: „Es ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir uns alle eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind.“

Ballack-Berater Michael Becker sieht seinen Schützling derweil als Bauernopfer des Leverkusener Theaters: „Da es offenbar nicht möglich ist, sich derzeit von Robin Dutt zu trennen, musste man einen anderen Sündenbock suchen, und den hat man dann in Michael gefunden.“

26. September 1976 in Görlitz

Chemnitzer FC (1995-1997), 1. FC Kaiserslautern (1997-1999), Bayer Leverkusen (1999-2002), FC Bayern (2002-06), Chelsea (2006-10), Leverkusen (2010-aktuell)

Bundesliga 263 Spiele, 77 Tore; Premiere League 105 Spiele, 16 Tore, Nationalmannschaft 98 Spiele, 42 Tore

4 x Deutscher Meister, 3 x DFB-Pokalsieger, 1 x englischer Meister, 3 x FA-Cup-Sieger, 2 x Vize-Champions-League-Sieger

Vize-Europameister 2008, Vize-Weltmeister 2002, WM-Dritter 2006

Nun stehen die Zeichen auf Abschied. Dass der am Saisonende auslaufende Vertrag nicht verlängert wird, war bereits länger klar, nun wird darüber spekuliert, der 98-fache Nationalspieler könnte schon im März zum Saisonstart der dortigen MLS in USA wechseln.

Leverkusener vergriffen sich bereits mit Bernd Schuster

Die Leverkusener haben sich damit zum zweiten Mal an einem deutschen Weltstar im Ausland verhoben. Auch mit Bernd Schuster, der nach erfolgreichen Jahren in Spanien 1993 als 32-Jähriger an den Rhein wechselte, hatte Bayer kein Glück. Zwar belegte Schuster 1994 die ersten drei Plätze bei der Wahl zum Tor des Jahres, zwei Jahre später sahen sich Bayer und Schuster aber vor Gericht wieder.

Ähnlich erging es Bayern München mit Jürgen Klinsmann 1995. Zwar erwies sich Klinsmann mit 31 Toren in 65 Ligaspielen, dem Meistertitel und der Torjägerkrone samt Gewinn im Uefa-Cup sportlich als Gewinn, menschlich lag allerdings einiges im Argen. Sein Tritt nach seiner Auswechselung in die Werbetonne blieb mehr haften als jedes Tor.

Mehr Glück hatte Borussia Dortmund mit Rückkehrern. Als nach dem WM-Titel 1990 nahezu die komplette Nationalmannschaft in Italien spielte, bediente sich der BVB freudig an denen, die zurückkommen wollten und hatte Erfolg. Allerdings holte der BVB Sammer (damals 26), Kohler (29), Möller (27), Riedle (27) und Reuter (25) zur Hochphase ihrer Leistungsfähigkeit. Das Ergebnis: zwei Meistertitel und der Gewinn der Champions League. Davon sind Leverkusen und Ballack weit entfernt. In der Königsklasse geht es gegen Barcelona, Deutscher Meister war die Werkself noch nie.

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