Offenbach (dpa) - Die Wangen sind voller geworden, aber die jungenhafte Züge und das lausbübische Lächeln hat Andreas Möller noch nicht verloren. Der 43-Jährige ist längst nicht mehr der bundesweit umstrittene Fußballer, sondern ein - zumindest in der untersten Profiliga - anerkannter Sportmanager.

Mit Drittligist Offenbach will Möller «etwas Großes» entstehen lassen: «Mittelfristig ist unser Ziel, die Kickers in der zweiten Liga zu etablieren.» Während einige seiner Weltmeisterkollegen von 1990 - wie Jürgen Klinsmann - ganz oben im Geschäft einstiegen, startete Möller nach seiner Karriere Parterre. Dabei war der einstige Mittelfeldspieler einer der größten Fußballer seiner Zeit: Bis auf den Europapokal der Pokalsieger hat er alle Titel errungen: Er war zweimal deutscher Meister mit Borussia Dortmund, Champions-League- und Weltpokalsieger, dreimal DFB-Pokalsieger und holte mit Juventus Turin den UEFA-Cup. Bei der EM 1996 in England glänzte Möller als Kapitän im Halbfinale gegen die Gastgeber und verwandelte den entscheidenden Elfmeter. In 85 Länderspielen schoss der Mann mit dem Turbo-Antritt 29 Tore.

Aber Möller war auch die «Heulsuse» der Bundesliga, der erste Profi, der wegen einer «Schwalbe» gesperrt wurde, der durch seinen Wechsel von Dortmund nach Schalke für manche im Ruhrpott zur Hassfigur wurde. Und er war oft für einen Lacher gut: «Mailand oder Madrid: Hauptsache Italien.» Heute genießt er es, «den Job weitgehend ohne Schlagzeilen ausüben zu können». 2007/2008 trainierte er Viktoria Aschaffenburg in der Oberliga. Als er im Juli 2008 zum Bieberer Berg kam, empfingen den gebürtigen Frankfurter und Ex- Eintracht-Spieler viele mit Skepsis.

Doch beim OFC lässt der 429-fache Bundesliga-Spieler nicht den Weltmeister raushängen: Möller geht auf die Menschen zu und ist sich auch nicht zu schade, bei der Weihnachtsfeier der Jugendabteilung die Präsente zu verteilen. Die dritte Liga ist nun seine Welt, bei Bundesliga-Spielen sieht man ihn selten. «Man bleibt Fußballer mit Leib und Seele. Und man muss sich schon erst daran gewöhnen, dass man nicht mehr direkt Einfluss auf das Geschehen nehmen kann», erklärte Möller. «Aber ich spiele ja schon einige Jahre nicht mehr selbst, der Abstand ist inzwischen größer.»

Möller spricht von «Lehrjahren», aber er arbeite in Offenbach «unter Profibedingungen». In der vergangenen Saison verpasste der frühere Bundesligist und DFB-Pokalsieger von 1970 den Aufstieg. Als Tabellendritter will der OFC unter Trainer Wolfgang Wolf, mit dem Möller ein weitaus besseres Verhältnis pflegt als zu dessen Vorgänger Hans-Jürgen Boysen, nun in der Rückrunde «voll angreifen».

Der Traditionsclub setzt vor allem auf das neue, 20 500 Zuschauer fassende Stadion, das für 25 Millionen Euro auf dem Bieberer Berg entsteht. «Alle freuen sich auf die neue Arena. Sie ist nach englischem Vorbild konzipiert, man ist ganz nah dran am Spielfeld. Als ich die Pläne zum ersten Mal sah, war ich sehr beeindruckt. Das wird eine tolle Geschichte», sagte Möller.

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