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St. Paulis Ex-Profi René Schnitzler (r) 2009 im Zweikampf mit Augsburgs Thomas Kläsener.

St. Paulis Ex-Profi René Schnitzler (r) 2009 im Zweikampf mit Augsburgs Thomas Kläsener.

dpa

St. Paulis Ex-Profi René Schnitzler (r) 2009 im Zweikampf mit Augsburgs Thomas Kläsener.

Hamburg (dpa) - Im Fußball-Wettskandal hat sich ein weiterer Profi offenbart. Der frühere St.-Pauli-Stürmer René Schnitzler gab in einem Magazin zu, 100 000 Euro von einem Wettpaten namens «Paul» kassiert zu haben.

Er bestritt aber eine Manipulation von Spielen im Jahr 2008, berichtet das Magazin «Stern». Schnitzler berichtete, spielsüchtig zu sein. «Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe», wird der Angreifer zitiert.

«Das hat uns sehr geschockt, auch wenn hier anscheinend keine Manipulation vorliegt. Wenn sich ein Spieler mit der Wettmafia einlässt, dann wird der Sport eindeutig mit Füßen getreten. Das verurteilen wir aufs Schärfste», betonte St. Paulis Pressechef Christian Bönig. In diesem Fall habe es den Anschein, dass Schnitzler einen Betrüger betrogen habe.

«Zum damaligen Zeitpunkt haben wir keine Auffälligkeiten in den Spielen bemerkt. Denn wenn wir etwas gemerkt hätten, dann hätten wir es umgehend gemeldet. Leider können Vereine nicht bis ins Detail die Freizeitgestaltung ihrer Spieler kontrollieren oder steuern», ergänzte Bönig.

Auch St. Paulis Torhüter Mathias Hain reagierte scharf: «So etwas ist Hochverrat, das Schlimmste, was ich mir für eine Mannschaft vorstellen kann», sagte er dem «Hamburger Abendblatt». Hain bestritt im Zusammenhang mit einem eigenen Fehler eine Verwicklung in die Vorfälle. «Auch wenn jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mich niemals bestechen lassen würde, ist für mich die Tatsache, dass mein Name in einem solchen Zusammenhang auftaucht, extrem schlimm. Man kann es auch eine Höchststrafe nennen.»

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) reagierte umgehend auf die Aussagen des derzeit vereinslosen Schnitzler. «Der Ligaverband hat den Vorfall zur Kenntnis genommen und unverzüglich Maßnahmen eingeleitet. Nach gegenwärtigem Stand sind uns keine Auffälligkeiten bekannt. Weder haben wir seitens Sportradar Hinweise zu auffälligen Wettbewegungen erhalten noch hat der Spieler, der bei drei der fünf angegebenen Partien auch gar nicht zum Einsatz gekommen ist, Spielmanipulationen zugegeben», hieß es in der DFL-Erklärung.

Man habe beim Wettkontrolleur Sportradar eine erneute Prüfung der genannten Spiele in Auftrag gegeben. Zudem würden die im Wettskandal ermittelnde Staatsanwaltschaft Bochum und der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt.

Der DFB teilte mit, dass ihm die Verdachtsmomente «seit einiger Zeit bekannt» sein. Der Kontrollausschuss befasse sich mit der Prüfung. «Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft Bochum signalisiert, dem Kontrollausschuss weitere Informationen zur Verfügung stellen zu wollen», sagte Rainer Koch, der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vizepräsident.

Zwischen 2007 und 2009 hatte es René Schnitzler auf 33 Einsätze (7 Tore) für die St. Paulianer gebracht. Bei den fraglichen Partien, die Schnitzler hätte manipulieren sollen, soll es sich nach «Stern»- Angaben um Auswärtsspiele der Hanseaten bei Mainz 05 (Saison 2007/2008), bei Hansa Rostock, beim FC Augsburg, beim MSV Duisburg und erneut bei Mainz 05 (jeweils 2008/2009) handeln.

Vor Schnitzler hatte der frühere Profi des VfL Osnabrück, Marcel Schuon, seine Verwicklung in den Wettskandal teilweise gestanden und war vom DFB gesperrt worden.

Laut «Stern» handelt es sich bei dem Wettpaten um einen Niederländer und dabei mutmaßlich um eine zentrale Figur im Bundesliga-Wettskandal. Die dem Magazin vorliegenden Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft sollen zeigen, dass dieser engen Kontakt mit vielen der im Prozess Beschuldigten hatte. Er war «Boss und Lenker», so das Magazin. Die Unterlagen sollen nahelegen, dass der Niederländer für zahlreiche mutmaßliche Spielmanipulatoren hohe Wetten in Asien platzierte, die von deutschen Wettanbietern nicht gehalten worden wären.

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