Tayfun Korkut
Trainer Tayfun Korkut hat den 1. FC Kaiserslautern verlassen. Foto: Andreas Gebert

Trainer Tayfun Korkut hat den 1. FC Kaiserslautern verlassen. Foto: Andreas Gebert

dpa

Trainer Tayfun Korkut hat den 1. FC Kaiserslautern verlassen. Foto: Andreas Gebert

Kaiserslautern (dpa) - Als gäbe es beim 1. FC Kaiserslautern nicht schon genug Baustellen, muss sich der kriselnde Fußball-Zweitligist jetzt auch noch einen neuen Trainer suchen.

Nach dem überraschenden Rücktritt von Cheftrainer Tayfun Korkut ist Sportdirektor Uwe Stöver nun gefordert, bis zum Trainingsauftakt am 3. Januar einen Nachfolger zu präsentieren. Als Kandidaten auf dem Betzenberg gehandelt werden der erst kürzlich beim SV Darmstadt 98 beurlaubte Norbert Meier, Stefan Ruthenbeck (zuletzt SpVgg Greuther Fürth) und Sven Demandt, derzeit beim Viertligisten Rot-Weiss Essen.

«Wir haben unmittelbar nachdem die Entscheidung feststand, mit der Suche nach geeigneten Nachfolgern begonnen und befinden uns bereits in Gesprächen mit potenziellen Kandidaten», sagte Stöver. Nach Informationen des «Kicker» haben die erstligaerfahrenen Dirk Schuster (zuletzt FC Augsburg) und Markus Kauczinski (FC Ingolstadt)dem FCK bereits eine Absage erteilt.

Sollte der neue Trainer nicht bis zum Trainingsauftakt gefunden werden, würde U23-Coach Hans Werner Moser vorübergehend einspringen. Über die Gründe für die Trennung mit dem erst seit Saisonbeginn bei den Pfälzern tätigen Korkut schwiegen bisher sowohl der abgewanderte 42-Jährige als auch der Verein. Auffällig ist aber, dass es am Abend vor Korkuts Entschluss eine Sitzung des Aufsichtsrates gemeinsam mit den Vorständen und dem Sportdirektor gegeben hat. Hier sollen sich die kritischen Stimmen gegenüber dem Deutsch-Türken gehäuft haben.

«Ich muss nicht alles verstehen. Ich hätte mir gewünscht, dass wir am 3. Januar gemeinsam das Training beginnen»», sagte Stöver am Mittwoch dem TV-Sender Sky Sport News HD. «Natürlich ist man ein Stück weit enttäuscht, wenn man mit einem Sachverhalt konfrontiert wird, mit dem man nicht gerechnet hat.» Vergebens hatten er und der Vorstand versucht, Korkut umzustimmen.

Nach einem schwachen Saisonstart mit nur sechs Punkten aus neun Spielen hatte Kaiserslautern trotzdem an ihm festgehalten. In der Folge konnte dieser seine Elf stabilisieren und eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage einfahren. Mit dem 13. Tabellenplatz wurde das Ziel einer einstelligen Platzierung zur Winterpause aber um sechs Punkte verfehlt. «Wir liegen definitiv nicht im Soll, unsere Vorstellungen und Zielsetzungen waren und sind anders gelagert», räumte Stöver ein.

Wer auch immer den Traditionsverein in die Rückrunde führt, den Auftrag für den neuen Cheftrainer formuliert Stöver deutlich: «Erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes.» Der Abschied Korkuts ist ein harter Rückschlag für den geplanten Neuaufbau. Nach einem turbulenten Jahr mit Personalwechseln in der Vorstandsetage und dem Sportdirektorposten kehrt beim FCK auch jetzt keine Ruhe ein.

Neben den sportlichen Problemen kämpft der viermalige deutsche Meister und einstige Verein von Idol Fritz Walter mit einem Zuschauerrückgang. Zum kalkulierten Schnitt von 26 800 fehlen knapp 500 Fans pro Spiel. Und das, obwohl die Begegnungen gegen Hannover 96 und den VfB Stuttgart von mehr als 40 000 Zuschauern besucht waren und auch das Südwestderby gegen den Karlsruher SC bereits gespielt ist. Ohne diese drei Partien läge der Schnitt bei weniger als 20 500.

Dieser droht nach der Winterpause weiter zu fallen und noch größere Löcher in der Kasse zu reißen. Ein finanzieller Mehraufwand droht im nächsten Jahr auch durch die Stadionpacht: Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete, steigt die Miete für das Fritz-Walter-Stadion in der Saison 2017/2018 von aktuell 2,4 Millionen Euro im Jahr auf 3,2 Millionen Euro.

Die angeleierte Suche nach einem Investor ist für den Vorstandsvorsitzenden Thomas Gries ein Wettlauf mit der Zeit. Sollte der FCK den finanziellen Mehraufwand aus eigenen Mitteln tragen müssen, scheinen Einschnitte beim Lizenzspielertat unausweichlich - kein gutes Argument, um einen potenziellen Trainerkandidaten in der jetzigen Situation vom 1. FC Kaiserslautern zu überzeugen.

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