Acht Spieltage vor Saisonschluss ist das Rennen offen. Eine Titelprognose.

...Andrej Woronin für Hertha BSC...
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VfL Wolfsburg (5 von 5 Sternen)

Über die herausragende Form des VfL Wolfsburg mit seinen Protagonisten Zvjezdan Misimovic (6 Tore, 16 Vorlagen), Edin Dzeko (15/8) und Grafite (20/6) ist alles gesagt. Es gibt aber Argumente, dass diese Form anhalten und zum ersten Meistertitel für den VfL führen wird: Die Mannschaft ist konditionell überdurchschnittlich aufgestellt, dafür bürgt allein ihr Trainer Felix Magath.

Des Schleifers Teams gerieten nie im Ansatz in den Verdacht, auf der faulen Haut gelegen zu haben. Zudem trifft Wolfsburg auswärts in Gladbach, Cottbus und Hannover nicht auf die Elite der Liga, allein in Stuttgart droht Ungemach. Und zu Hause kann trotz namhafter Gegner nicht viel passieren: Wolfsburg gewann von 13 Heimspielen zwölf (ein Unentschieden), meist in überlegener Manier.

Die Euphorie ist wie der Hunger auf den Titel groß, klein aber ist der Erfolgsdruck: Der gönnerhafte VW-Konzern gibt zwar Millionen, erwartet aber lediglich die Teilnahme am internationalen Wettbewerb. Und an der zweifelt niemand mehr in Wolfsburg. Zuletzt: Die Konzentration liegt auf diesen acht Spielen. Im DFB-Pokal und Uefa-Cup ist Wolfsburg nicht mehr vertreten. kup

Hamburger SV (3 von 5 Sternen)

Wenn Martin Jol nicht Trainer des Hamburger SV wäre, man würde über die Titelchancen dieser Mannschaft gar nicht reden. Nun ist der Holländer aber Trainer in Hamburg und so etwas wie der Coach der Saison. Es funktioniert in Hamburg, die Phase der Schönspielerei ist vorbei. Jonathan Pitroipa erzielte gegen 1899 Hoffenheim sein erstes Bundesliga-Tor für den HSV.

Collin Benjamin, der für den verletzten Guy Demel in die Abwehr rückte, nach 45 Minuten selbst ausschied und von Jerome Boateng ersetzt wurde, sagt: "Wir haben in Hamburg eine echte Musketier-Mentalität, einer steht dem anderen zur Seite. Mit diesem Charakter sind wir zu allem fähig."

Von der Mentalität her ist der Hamburger SV in der Lage, Meister zu werden. Jol selbst hält den VfL Wolfsburg für den Titelanwärter Nummer eins, aber welcher Trainer wählt die Favoritenposition schon für die eigene Mannschaft? Piotr Trochowski fordert: "Wir müssen jetzt zeigen, dass wir mit Druck umgehen können." 2006 und 2008 gelang das nicht. Benjamin: "Was momentan bei uns passiert, ist ein Wunder." Ein kleines wird nötig sein, um 2009 Meister zu werden. cfi

Hertha BSC (1 von 5 Sternen)

Es ist das Schicksal der Hertha, dass ihr niemand den Titel wirklich zutraut. Und eben jene Hauptstadt-Pessimisten durften sich bestätigt fühlen, als das Team von Trainer Lucien Favre am Samstag im eigenen Stadion mit 3:1 von Borussia Dortmund besiegt wurde. Drei Gegentreffer hatte die mit insgesamt 32 Gegentoren immer noch beste Abwehr der Liga lange nicht mehr bekommen. Zur Unzeit, wohlgemerkt.

Denn jetzt, wo das Rennen in die heiße Phase geht und sich die Spreu vom Weizen zu trennen droht, schwächelt die Hertha. Nur ein negatives Strohfeuer? Wahrscheinlich nicht. Auswärts stehen noch schwierige Aufgaben beim Hamburger SV und in Hoffenheim auf dem Berliner Tableau, die Hertha muss sich auch daheim stets auf ihre Defensive verlassen, die Grundlage fast aller bisherigen zehn Heimsiege war.

Die Argumente, die aber wirklich gegen Hertha sprechen, sind losgelöst von Statistiken: Eine individuell nicht so starke Mannschaft wie Berlin braucht neben steter taktischer Finesse auch viel Glück, um am Ende ganz vorn zu stehen. Und genau dieses Glück hat die Hertha in dieser Saison schon reichlich gebraucht. Wahrscheinlich aufgebraucht. kup

FC Bayern München (5 von 5 Sternen)

Felix Magath tat es sichtlich gut, nach dem 5:1-Triumph seines VfL Wolfsburg über den Rekordmeister trotzdem dem FC Bayern die Favoritenrolle im Endspurt zuzuschieben. Magath weiß, warum er das sagt. Kollege Jürgen Klinsmann faltete zum gleichen Zeitpunkt in München seine Mannschaft zusammen, der Weltmeister ist es Leid, sich weiter vor seine Millionarios zu stellen: "Die Spieler müssen wissen, dass ihr Verhalten Konsequenzen haben kann. Es geht nicht nur um diese Saison, es geht um die Zukunft des FC Bayern."

Darin liegt die Chance des Rekordmeisters. Auch ohne Miroslav Klose zählt die Offensive zu den stärksten der Liga, das Mittelfeld ist es immer noch. Das einzige Problem bildet die Abwehr. Und trotzdem. Die Profis des FC Bayern besitzen die größte Routine im Endspurt, sie haben in Franck Ribéry den herausragenden Profi der Liga.

Und in Jürgen Klinsmann einen Trainer, der unter Druck zeigen kann, wie stark er als Motivator wirklich ist. Ein passables Viertelfinale gegen den FC Barcelona in der Champions League, ein überzeugender Sieg gegen die Frankfurter Eintracht - und die Bayern sind wieder wieder auf Kurs.

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