Der Deutsche Savio Nsereko spielte in Italiens zweiter Liga – und kostet mehr als Podolski.

Düsseldorf. Der Moment des Jubels war kurz, ein paar Sekunden nur. Deutschlands U19 hatte gerade im EM-Halbfinale gegen Tschechien das 2:1 erzielt. Eine Minute vor dem Abpfiff der Verlängerung. Savio Nsereko riss sich vor Freude sein Trikot vom Leib - und war eine Minute später ein Häufchen Elend. Deutschland war im Finale und er, der Leistungsträger, würde nicht dabei sein. Gesperrt. Und das ausgerechnet gegen Italien. Für seinen ausgelassenen Jubel hatte er die Gelbe Karte gesehen, seine zweite im Turnier.

Knapp ein halbes Jahr später ist Nsereko wieder obenauf. 17Spiele hat er für seinen Klub, den italienischen Zweitligisten Brescia Calcio, bestritten, drei Tore geschossen und vier vorbereitet. Halb Europa war hinter ihm her. "Große italienische und ausländische Klubs sind wegen Savio bereits an mich herangetreten. Auch Bayern München hat sich bei mir informiert", sagte Brescias Präsident Gino Corioni.

Nun ist sicher: Nsereko schließt sich West Ham United an, die Ablöse liegt bei rund elf Millionen Euro (Vertrag bis 2013). Das ist eine Million mehr, als der 1. FC Köln dem FC Bayern für Lukas Podolski überweisen muss. "Dieses Angebot konnte ich nicht ausschlagen", sagt Nsereko, den in Deutschland nur wenige kennen.

Den Kontakt hatte West Hams Manager Gianluca Nani hergestellt. Der hatte Nsereko einst nach Italien geholt. Im Sommer hatte der noch eine Offerte von Inter Mailand ausgeschlagen. "In meinem Alter muss ich vor allem spielen", hatte er zur Entscheidung für die Spielpraxis und gegen das große Geld gesagt - mit einer für sein Alter erstaunlichen Reife.

Das erstaunt nicht, wer seinen Werdegang verfolgt. Mit zwei Jahren zogen seine Eltern und er aus der ugandischen Hauptstadt Kampala in den Münchener Stadtteil Sendling. Mit sechs Jahren entdeckten Späher von 1860 München den kleinen Wirbelwind und holten ihn zu den Löwen. Dort durchlief er alle Jugendmannschaften, nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an und spielte für den DFB. Bereits mit 15 wechselte er nach Italien, ins lombardische Brescia.

Hrubesch über Nsereko: "Er ist ein kompletter Spieler"

Savio Nsereko ist nur einer von vielen, die ihre Karriere beim italienischen Zweitligisten Brescia Calcio in Gang gebracht haben: Alessandro Altobelli ist einer von ihnen, außerdem die italienischen Weltmeister Andrea Pirlo und Luca Toni. Gheorghe Hagi und Roberto Baggio spielten im Herbst ihrer Laufbahn bei Brescia.

"Andere mögen den kampfbetonten Fußball in England oder den eleganten Fußball in Spanien. Ich mag den taktisch-technischen in Italien", sagt er. Das überrascht. Nsereko ist unberechenbar, blitzschnell und gewandt. Von der linken Außenbahn zieht er oft in die Mitte, bereitet so Tore vor oder schießt sie selber.

Zum italienischen Fußball, der in seiner sachlich-destruktiven Art manchmal zynisch wirkt, passte das Spiel des 19-Jährigen eigentlich so gar nicht. Von seinen Vorzügen möchte deshalb jetzt West Ham United profitieren. U20-Nationaltrainer Horst Hrubesch traut ihm den Sprung zu: "Er ist technisch perfekt und richtig schnell. Ein kompletter Spieler."

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