Bayern und Wolfsburg haben ihre Pflicht erledigt und sind Berlin auf der Spur. Am nächsten Bundesliga-Spieltag sind sie Gegner.

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Wolfsburgs Torgarant Grafite bejubelt einen weiteren seiner inzwischen 18 Tore. Ob er auch gegen die Bayern trifft?

Wolfsburgs Torgarant Grafite bejubelt einen weiteren seiner inzwischen 18 Tore. Ob er auch gegen die Bayern trifft?

dpa

Wolfsburgs Torgarant Grafite bejubelt einen weiteren seiner inzwischen 18 Tore. Ob er auch gegen die Bayern trifft?

Düsseldorf. Wolfsburg wird inzwischen ernster genommen als Hertha BSC Berlin, Bayern ist seit jeher Titelkandidat Nummer eins. Nach der Länderspielpause am 4.April treffen die beiden Verfolger in Wolfsburg aufeinander. Ein Vergleich.

Der Torwart: Auch wenn Michael Rensing nachgesagt wird, konstanter geworden zu sein, bleibt seine Orientierung bei hohen Bällen abenteuerlich. Das hätte beim 1:0 gegen Karlsruhe zwei Punkte gekostet, wenn für Rensing in der 90. Minuten nicht Zé Roberto auf der Linie gerettet hätte.

Rensing bleibt Bayerns wundester Punkt. Und mit ihm auch die Frage, ob Klinsmanns Talentförderungsprogramm auf dieser Position die laufende Saison überlebt.

Wolfsburgs Schweizer Diego Benaglio im Tor spielt ebenfalls keine konstante Saison. Von ihm weiß man aber, dass er es besser kann. In Bielefeld - so komisch das nach einem 3:0 klingen mag - war Benaglio dank sensationeller Reflexe der Mann des Tages.

Die Defensive: 31 Gegentore hier wie da, das ist nach 25 Spielen für einen Titelkandidaten kein Ruhmesblatt, aber auch keine echte Schwachstelle. Nur Herthas Defensive steht besser (29).

In Wolfsburg hat Jan Simunek seinen Platz in der Innenverteidigung neben Andrea Barzagli gefunden, seither spielte der VfL in neun Spielen viermal zu null. Bayerns Defensive steht besser, seit Demichelis für van Buyten an der Seite von Lucio wirkt: In den letzten vier Spielen gab es nur ein Gegentor (gegen Hannover 96), das 1:0 gegen Karlsruhe war erst das zweite Heimspiel ohne Gegentor.

Die Offensive: Seit Miroslav Klose und Luca Toni verletzt sind, muss sich Jürgen Klinsmann in der Spitze auf Lukas Podolski verlassen - was den Trainer selbst am meisten nerven dürfte. Gegen Karlsruhe sollte Jose Sosa Podolski als hängende Spitze unterstützen, immerhin versprühte der zurückgekehrte Franck Ribéry wieder Überdurchschnittlichkeit.

Wolfsburgs Sturm ist das Maß aller Dinge. Grafite (18 Tore in 16 Spielen) und Edin Dzeko (13 Tore in 23 Spielen) treffen mit ungeheurer Abgeklärtheit. Effizienter als Wolfsburg gegen Bielefeld kann man nicht spielen. Und das kann man nur, wenn man solche Qualität im Sturm hat. Das Zusammenspiel mit Zvjezdan Misimovic (14 Torvorlagen) aus der Mitte funktioniert perfekt.

Der Trainer: Felix Magath prägt zwei Gesichter: Nach innen kehrt er mit eisernem Besen und hält die Mannschaft mit unvermuteten Personalrochaden bei Wachsamkeit, nach außen ist er der smarte Understatement-König: ironisch, erhaben und über den Dingen des Fußballs stehend.

Jürgen Klinsmann verspürt in München unendlich viel mehr Druck, und das merkt man dem Trainer an - wenngleich er vieles wegzulächeln sucht. Klinsmann hat das nächste Ziel stets im Auge, spricht seit Saisonbeginn von nichts anderem als den Titel. Der erfahrenere Magath weist alle Ambitionen zurück, hat seine stillen Ziele aber zumeist ohne jede Akklamation erreicht.

Die Stimmung/ Tendenz: Die Fans in der Allianz-Arena pfiffen trotz eines 1:0-Sieges, trotzdem hat Manager Uli Hoeneß eine "neue" Qualität erkannt, die Bayern eigentlich seit jeher verkörpert: "Wenn man Meister werden will, muss man diese Spiele gewinnen. Hertha BSC hat die letzten zehn Spiele so gewonnen."

Ganz München wiegt sich in großer Vorfreude auf den Champions-League-Vergleich mit dem FC Barcelona, das Spiel in Wolfsburg wird die Generalprobe sein. "Wir werden den Druck erhöhen, jetzt geht das Nervenspiel los", sagt Klinsmann und gibt Stärke vor. Es ist die Phase der Entscheidung angebrochen, Wochen, die Klinsmann liebt.

Der VfL Wolfsburg findet nicht mehr im DFB-Pokal und nicht mehr im Uefa-Cup statt. Aber im Titelkampf umso mehr. Selbst in die nüchterne VW-Arena ist so etwas wie südländische Stimmung eingekehrt. Während Magath alle Prognosen abwertet, weil "erst die Hälfte der Rückserie gespielt" sei, sollte jeder Fußball-Fan die vergangene Saison im Auge haben: Damals schlich sich Wolfsburg am letzten Spieltag auf den Uefa-Cup-Rang.

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