Der bislang zögerliche Kölner Trainer lässt vor dem Spiel in Bochum die Muskeln spielen.

Köln. Zvonimir Soldo schien zu schmunzeln. Der Trainer des 1.FC Köln hatte offenbar nicht mit einem solchen Andrang am Geißbockheim gerechnet. Am Tag vor dem heutigen Spiel beim VfL Bochum (20.30 Uhr) war er ein gefragter Mann, weil sich in den vergangenen Wochen die Probleme angesammelt haben.

Das verheerend verlorene Bundesligaspiel gegen Hoffenheim, das Verhalten des Kapitäns Milivoje Novakovic, der erst unter Zwang mit einem Privatjet von einer Feier der slowenischen Nationalmannschaft abgeholt werden musste, damit er sich auf seinen originären Job in Köln konzentriert. Und der bei einer Krisensitzung auch noch mangelnde Rückendeckung beklagte. Zu allem Überfluss gelangten aus dieser insgesamt achtstündigen Aufarbeitung zwischen Mannschaft und den Vereinsverantwortlichen um Manager Michael Meier und Präsident Wolfgang Overath auch noch Inhalte an die Öffentlichkeit.

Es war Overaths zweiter Versuch innerhalb von drei Wochen, die Spieler mit einer Brandrede in die richtige Spur zu bringen.

Soldo sollte also Antworten auf viele Fragen geben. Doch das Einzige was der Trainer gestern offensiv beklagte, war, dass er "einen Ehrenkodex" durch die Geschwätzigkeit einiger seiner Spieler verletzt sieht.

Den ungezwungenen Rednern wolle er nicht nachstellen, so Soldo. Schließlich "bin ich kein Polizist." Das war es dann auch. Eigentlich alles gar nicht so schlimm. Und auch Meier versuchte, die angespannte Lage zu befrieden. "Soll ich etwa alle Leute mit meinem Optimismus anstecken?", fragte er.

Köln verzeichnet die wenigsten Tore aller Bundesligisten

Die Kölner sind die Mannschaft mit den wenigsten Treffern (7) und den wenigsten Torschüssen (109). "Wenn wir die Mittellinie überqueren, verlieren wir zu viele Bälle. Und bei mir hat keiner Laufverbot", hatte Soldo stets betont. Allerdings scheint das eigentliche Problem zu sein, dass die Spieler sich gegenseitig nicht akzeptieren. So suchen sich Maniche und Petit in der Regel vor allem gegenseitig, anstatt die Angreifer ins Spiel zu bringen.

Und sowohl Novakovic als auch Lukas Podolski scheinen isoliert. Wahrscheinlich ist auch so Podolskis Besuch bei Meier zu verstehen - beide sprachen unter vier Augen.

Um eine weitere Schwächung seiner Position zu verhindern, ließ Soldo dann gestern Abend doch noch die Muskeln spielen. Kurzerhand enthob er Novakovic seines Amtes als Mannschaftskapitän. "Ich habe Milivoje die Chance gegeben, dass er sich nach den Vorkommnissen der letzten Woche bei mir und der Mannschaft entschuldigt. Diese Chance hat er jedoch nicht genutzt", begründete der Trainer. Er brauche einen Kapitän, zu dem ein gegenseitig respektvolles Vertrauen herrsche. In Bochum wird Petit die Kapitänsbinde tragen.

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