Er erreicht wie kaum ein anderer die Herzen der Fußball-Anhänger. Auch mit 50.

Leverkusen. Natürlich lässt er es ruhig angehen an seinem Geburtstag. Er feiert im Kreise der Familie, heißt es aus Leverkusen. Nichts Offizielles, kein Aufheben um die 50 Jahre, die Rudi Völler am Dienstag vollendet hat. Das Leben war stürmisch genug. Es hat ihn gut getroffen, aber es ist auch anstrengend, Völler zu sein.

Sein Gesicht, die markante Nase, das inzwischen silbrige Haar, diese sagenhafte Frisur - sie haben mitsamt seiner legendären Karriere aus Völler einen Mann gemacht, der keine Sekunde unerkannt durch die Republik wandeln kann. "Egal, wo ich bin: Am Bahnhof, im Flughafen oder in einer Kneipe, ich werde immer angesprochen", sagt Völler. Es überrascht nicht, wenn er damit leben kann. "Man ist es den Leuten schuldig, dass man sich normal verhält." Das heiße aber nicht, sagt Völler, dass man immer der nette Rudi sein muss.

Kann er tatsächlich anders? Den Mann liebt die Nation wie keinen zweiten. 2002, auf dem Höhepunkt seiner Popularität nach dem WM-Vize-Titel als Nationaltrainer, traf er sich täglich im Gesang des Fußball-Volkes wieder ("Es gibt nur einen Rudi Völler"). Der Prototyp des Sympathieträgers. Hier ein netter Schulterklopfer, dort ein freundliches Augenzwinkern, fast immer verbindlich, manchmal kumpelhaft, nie arrogant. Liebevoll nennen sie ihn wegen seiner früh grau gewordenen Haare "Tante Käthe". Kann der anders?

Die Weißbier-Saga mit TV-Mann Hartmann ist legendär

Es gibt diese andere Seite tatsächlich. In der Rudi Völler ausbricht aus seiner Identität. Oder sich mindestens von der Projektion entfernt, die die Außenwelt auf ihn legt. Dann beschimpft Völler gestenreich Schiedsrichter oder wirft dem TV-Reporter Waldemar Hartmann vor, während des Länderspiels gegen Island Weißbier getrunken zu haben, statt das Spiel in Völlers Sinne analysieren zu können. Diese Weißbier-Saga ist legendär, ein Wutausbruch live über den Äther, nicht der erste und nicht der letzte, aber übel genommen hat man das Völler nie. Er zwinkert das weg. Nichts bleibt davon. Ist doch der Rudi.

Der Mann, der über Hanau, 1860 München, Werder Bremen, AS Rom und Olympique Marseille nach Leverkusen kam - und dort als Sportdirektor geblieben ist. Weil er dem einst bleiernen Klub einen freundlichen Anstrich verlieh. Als die Bayern 2009 einen neuen Manager suchten, stand Völler auf der Liste. Der fühlte sich geehrt, tat das kund - und sagte ab. Das Leben war stürmisch genug.

Völler war in allen Stadien der Liebling der Massen. 1990, als ihn der Niederländer Frank Rijkard im WM-Achtelfinale bespuckte, fühlte die Nation mit ihm - und lag ihm zu Füßen, als er Tage später den WM-Pokal in die Nacht von Rom reckte. Mit Rijkard hat er sich ausgesöhnt. Ab und an telefoniere man miteinander, sagt Völler. Kein Grund für ewigen Gram.

Es hat ihm fünf Kinder gebracht, mit seiner Frau Sabrina lebt er im Raum Leverkusen, denkt an einen Umzug nach Düsseldorf, nach Oberkassel. "Völler gehört zum deutschen Fußball wie die Wurst zum Schinken", hat DFB-Präsident Theo Zwanziger einmal gesagt, und es sagt viel über den Menschen Völler aus, wie er einst zum Job des Nationaltrainers kam: Ribbeck war erfolglos, der potenzielle Nachfolger Christoph Daums kokste, also beriet ein Krisenstab um den designierten DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder. "Wieso eigentlich nicht Du?", fragte Mayer-Vorfelder den anwesenden Völler - ohne Trainerschein, ohne Erfahrung. Ja, wieso eigentlich nicht er? Rudi Völler hat nicht abgesagt.

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